Full text: Lübeckische Blätter. 1990 (150/155)

LITERATUR : THEATER - MUSIK - AUSSTELLUNGEN - VERANSTALTUNGEM Literatur 81. Literarischer Frühschoppen: Eckart Kleßmann vor allem unter alten Menschen zu fin- den sei. Die verschiedenen Textbeispiele gaben einen Einblick auch in die Struktur des Romans: Tagebuch-Eintragungen, Brie- fe, Traum-Szenen und Erzähltes aus der Warte eines Außenstehenden wechseln sich ab. Der Schwerpunkt liegt also auf der Innenschau des Helden; er kreist monomanisch - so jedenfalls der Ein- druck aus dem Vorgelesenen - um die Vision des Hauses, das Erlebnis des Al- leingelassen-Werdens in der Kindheit, des Nicht-Streichelns und Nicht-Gestrei- chelt-Werdens der Gegenwart und ver- sinkt mehr und mehr in seinem Schei- tern. Dadurch ergibt sich ein starker Zug zum Larmoyanten: Alle seelischen Regungen scheinen ausgebreitet und detailliert dis- kutiert zu werden. Da der Autor im Sprachlichen nicht zu packen verstand, weil er noch zu sehr dem Sachbuch-Ton seiner anderen Bücher verhaftet blieb, stellte sich bei mir - im Zusammenhang mit dieser durchaus bekannten Figur - doch der Eindruck einer gewissen Kli- scheehaftigkeit der Darstellung ein. Umrahmt wurde diese Lesung von eini- gen Gedichten des Autors aus den Bän- den „Undines Schatten“ und „Botschaft für Viviane“ und aus Unverötktentlich- tem. Am 3. Mai wird man Eckart Kleßmann übrigens wieder in Lübeck erleben kön- nen: Während des Thomas-Mann-Kollo- quiums spricht er über Manns Roman „Lotte in Weimar“. Am SîlI. Literarischen Frühschoppen nahm auch der Thnomas-Mann-Forscher Alfred Tytmonas aus Klaipeda (Memel), Bürgergast der „Gemeinnützigen“, teil. Wiebke Dau-Schmidt alte jüdische Parochte oder die Einbän de kostbarer Evangeliare zum Gegen stand seiner ebenso kostbaren Malere macht, wie aus sich selbst heraus leuch tend und doch ihr Geheimnis bewah rend. Sie zeigt sich aber auch in den Ax beiten von Jerzy Zdanowski, im Abend mahlsbild der „letzten Mahlzeit“ sowoh wie in dem später entstandenen „Mann“ der, auf brutal verletzter und roh wiede, zusammengenähter Leinwand darge stellt, bei der Betrachtung zum Gekrey zigten schlechthin zu werden scheint Und sie wird selbst in den Bildern de Autodidakten Krzysztoff Gajewski noc) spürbar, dem eine Mutter mit einen Kind unversehens oder absichtsvall z einem Bild von ikonenhaftem Aufba und ikonenhafter Strahlkraft gerät Auch Zeitkritisches ist im Spiel, wen beispielsweise Wiktor Gajda - auf de; Spuren der Plastiker der Barockzeit -sq tirisch eine „Kamarilla“ aus fünf verzen ten Köpfen präsentiert oder eine Dope] figur zum „Andenken an die Erstkon munion“, wenn Zdanowski aus maler schen und plastischen Elementen ein, Art Epitaph auk einen Vogel gestaltet wenn Gajewski einen schon halb in di Erde versunkenen Grabstein von einey jüdischen Friedhot ins Bild holt, vie] leicht in der Bekürchtung, die Neigung zu vergessen, könne am Ende doch stär ker sein als der Wille, Erinnerung zu be wahren. Die Arbeiten dieser vier Künstler, nach haltig wirkend in ihrer Symbolkraäafkt, ver raten viel von dem, was heute die Pol bewegt in Furcht und Hoffnung, getr gen von der tausendjährigen Traditi ihrer Geschichte und für mancherlei a West und Ost offen. Sie sind sehenswe auch deshalb, weil sie gut gemacht sind Offen für Eindrücke dürfte auch Pet, Krüger sein, Stralsunder von Geburt u seit 1988 in der Bundesrepublik ansässj Er hat im Vorflur und im Verkutra der Galerie den künstlerischen Ertrage| nes längeren Lübeck-Autenthaltes z den Wänden ausgebreitet, flott ui schmissig gemalt, meist auf dem Papic ausgelesener Exemplare der „Lübecke Nachrichten“, zusammengesetzt a Versatzstücken der weltberühmten, ihm leicht aus dem Lot geratenen mitte alterlichen und frühneuzeitlichen Arch; tektur der Stadt und bevölkert c Strichmännchen in der Manier des R. A Penck: scherzhaft, satirisch, ironisch doch vermutlich ohne jeden Anspruq auf tiekere Bedeutung. (Galerie Ars lubecae, Mengstraße 44, ; 27. 4. beziehungsweise 4. 5. 1990; die. tags bis freitags 15 bis 18 Uhr, samstagsl| bis 13 Uhr) Horst Hannemy Zu seinem März-Frühschoppen hatte der Lübecker Autorenkreis diesmal Ek- kart Kleßmann geladen, mir als „Zeit“- Redakteur bekannt, aber hier stellte sich der Wahl-Möllner als Schriftsteller vor, der er seit 1963 auch ist. Es liegen vier Lyrikbände von ihm vor, dazu einige Biographien über Künstler der Roman- tik, und in den letzten Jahren versucht Kleßmann sich auf dem Gebiet des Ro- mans. Der Autor gab fünk Kostproben aus ei- nem fast vollendeten Werk mit dem Ar- beitstitel „Das versunkene Haus“, das parallel zu seiner E.T.A. Hofkfkmann- Biographie in den Jahren 1981 bis 1989 entstand. Die Künstler-Thematik wird hier in die Gegenwart transponiert, und der Ro- man ist wohl so etwas wie eine kritische Abrechnung mit einem bestimmten Künstler-Typus, wie er bei den Romanti- kern, wenn auch weniger extrem, eben- falls zu finden war: dem egozentrischen, von seinem Genie bis zum Größenwahn überzeugten Einsamen. Bezeichnenderweise sucht Kleßmann sich die neoromantische Epoche des Ju- gendstils als Zeit der Handlung und läßt seinen Künstler, einen Maler und Bild- hauer, in einer niedersächsischen Klein- stadt von einem zu schaffenden Gesamt- kunstwerk träumen, einem Haus, in dem er sich verwirklichen will. In seiner Selbstüberschätzung erkennt der Held seine mittelmäßigen Anlagen nicht, das Haus existiert auch weiterhin nur im Kopkt, und schließlich stirbt er in mate- rieller Not als völlig vereinsamter Mann. Gleichzeitig stellt Kleßmann aber diese Art von Künstlertum noch von einer an- deren Seite her in Frage: Kunst ist hier Lebensersatz und sein Künstler hochgra- dig neurotisch, weil er weder in seiner Kindheit noch in seinen Beziehungen zu Frauen genügend Liebe und Zärtlichkeit erfahren hat. Die fixe Idee des Hauses steht für Geborgenheitswünsche, die das Leben nicht befriedigen konnte. Diese Motive werden mit dem Thema des Alterns verwoben, da der Held in seinen SVern ist, etwa genauso alt wie sein Schöpfer selbst. Und hier liegt für Kleßmann offenbar der eigentliche An- knüptungspunkt: In der anschließenden Diskussion betonte er die Aktualität die- ser von ihm gezeigten wachsenden Unfä- higkeit zur Kommunikation und schließ- lich völligen Vereinsamung. die heute Bildende Kunst Kunst aus Polen und Bilder zu Lübeck - Zur Ausstellung in der Galerie Ars lubecae Auf der Diele des Hauses stellen vier Künstler aus Warschau sich vor, der älte- ste eben über 50, der jüngste noch nicht einmal 30 Jahre alt, unterschiedlich in ih- rem Arbeitsansatz, doch vergleichbar in der wohltuenden Zurückgenommenheit ihrer Formensprache. Sie gestatten den Blick in eine Welt, die uns trotz relativer Offenheit der Grenzen in den letzten Jahren noch immer recht fremd geblie- ben ist. Die religiöse Komponente ihres Schakt- fens - hierorts selten - wird vor allem bei Janusz Zadurowicz deutlich, der - faszi- niert von ihrer vielfältigen Ornamentik - | IA Lübeckische Blätter 199h| [tali Han zu C Zeic die i gale: mus: schu men städt lung in se Kabi men gege auk c nen . Bele tract. mun; Reic: gaml Zunèi nisch rona gna, posit oder klein locke spiel des aqua. Jahrt Kreic Lamt Kom! antik nung schat (Nr. hervc Ottav Pers 17.12 nebel (Nr. : Werd nach nach Küns1 Je u: Franç gende derts, lois-E einer in dez Linier tler ' Kreid cleine rahlre dem ! Pinsel Boiss1 heson 19. Ja Lübecks:
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