Full text: Lübeckische Blätter. 1990 (150/155)

heimlichen Hauptstadt unseres Bundes- landes, Hamburg, total ins Abseits ge- stellt zu werden. Überdies steht und fällt jede Ars-Baltica-Vision mit den tatsäch- lichen kulturellen Ressourcen unseres Landes. Nur ein Beispiel: Wenn wir uns weiterhin kein A-Orchester leisten, wie soll eigentlich ein Austausch mit den A- Orchestern in Oslo, Stockholm, Helsin- ki, Leningrad zustande kommen? Soll dieser Austausch sich wirklich nur auf mittlerem Niveau ereignen, und reicht dies aus, um der Vision eines kulturell ei- genständigen und innovativen Ostsee- raums zu genügen? Ich möchte das be- zweikeln. Die Anmerkungen von Gerhard Ger- kens zeigen, daß eine solche Konzentrie- rung von Landesmitteln - und nur davon ist hier die Rede - nicht in freundlicher Harmonie zu erreichen ist, sondern nur durch Überzeugungsarbeit und Mut. Denn es wird allen denen nicht gefallen, die einige Tropfen oder einen warmen Guß aus der Gießkanne bisher erhalten haben. 1. Mein Vorschlag, Lübeck zur Musik- stadt auszubauen, erscheint mir von kaum zu erschütternder Logik. Lü- beck ist die einzige Kulturressource Schleswig-Holsteins, mit der man weltweit werben kann. Lübeck hat ei- ne alte und gegenwärtige Musiktradi- tion. In Lübeck befindet sich die Mu- sikhochschule. Die Landesregierung hat den Bau einer Konzerthalle als Mehrzweckhalle zugesagt. Das Ein- zugsgebiet Lübecks ist durch die Öff- nung der Grenzen zur DDR attraktiv und kann verkehrsmäßig hervorra- gend erschlossen werden. Was liegt also näher, als das Schles- wig-Holstein Musik-Festival mitsamt der Geschäftsstelle dort zu konzen- trieren? Es tendiert ja sowieso schon dorthin. Auch im Hinblick auf das Fe- stival selbst wird es hohe Zeit, diesem ausufernden Potpourri von E-Musik ein geographisches und thematisches Korsett einzuziehen, wenn man es am Leben erhalten will. Das muß auch der Intendanten-Selbstdarsteller ein- sehen oder einem kühleren Kopkt Platz machen. Von Lübeck aus kön- nen die Ensembles dann aut die Guts- häuser und in die anderen Städte ge- hen. Eine solche Entscheidung würde das Festival fest in Schleswig-Hol- stein verankern, die Musikhochschu- le aufwerten, den Konzertsaalbau überhaupt erst rechtfertigen. Es wird sich dann von selbst ergeben, daß Wochen der Orgel-Musik oder der Kirchenmusik, auch Musica-nova- Workshops und so weiter das Jahr über die Musikstadt Lübeck anzie- hungskräftig machen und halten. Dies alles könnte mit dem gezielten Einsatz von politischem Willen und I (() 3. Landesmitteln erreicht werden. Das kann jedoch nur gelingen, wenn Senat und Bürgerschaft von Lübeck Kunst und Kultur einen ganz anderen Stellenwert einräumen als bisher. Die prachtvollen Museen der Hansestadt werden als städtische Institutionen (jetzt und in Zukunft) ohne Landes- mittel von der Stadt unterhalten, al- lerdings mehr schlecht als recht. An- kaufs- und Ausstellungsmittel sind miserabel, die personelle Ausstat- tung mit Wissenschaftlern viel zu ge- ring und so weiter. Wenn Lübeck Mu- sikstadt werden will, müssen diese Mittel aus eigener Kraft erheblich aufgestockt werden. Übrigens wird der Strom der Musikfreunde einen nachhaltigen Druck auf die Stadtre- gierung ausüben: Die Stadt muß kür ihre Gäste ein dichtes Kulturambien- te errichten, wenn sie diese für sich gewinnen will. Die Museen haben da einen entscheidenden Anteil: Aber welche Chancen tun sich dadurch für die Hansestadt auf! Was das Thema „Lübeck und die Ge- genwartskunst“ angeht: Natürlich braucht das Museum Räume für seine moderne Sammlung und für Ausstel- lungen. Einen Bau wird das Land si- cherlich fördern, aber unterhalten muß ihn-wie die Museen -die Stadt. Im Gegensatz zu Lübeck muß sich die Landeshauptstadt Kiel unter den jet- zigen geopolitischen Aspekten Sor- gen machen. Ihre geographische La- ge und damit ihre wirtschaftliche Zu- kunft stehen unter keinem guten Stern. Aber: in Kiel ist die Landes- universität und die größte Fachhoch- schule Schleswig-Holsteins. Es wird nun jedoch höchste Zeit, daß sich Kiel eine kulturelle Identität schafft, will sie nicht weiter ungeliebtes und häßliches Mastentlein bleiben. Die Landesregierung hat den Willen, den Fachbereich Gestaltung an der Fachhochschule zu einer Akademie auszubauen (Gerhard Gerkens hat diesen wichtigen Punkt vergessen). Kunststudenten brauchen Anschau- ung. Die Kunsthalle zu Kiel sollte ausgebaut werden als das Landesmu- seum für Gegenwartskunst. Notwen- dig ist dieser Ausbau sowieso, denn 2000 Quadratmeter Ausstellungsflä- che reichen in keinem Fall für Samm- lung und Ausstellungen aus, 5000 Quadratmeter müssen es einmal wer- den. Das Städtische Kulturzentrum Sophienhot bildet schon jetzt eine sehr gute Ergänzung. Der Bundes- verband bildender Künstler hat hier Sitz und Ausstellungspavillon. Ein Kunsthistorisches Institut ist am Ort. Was liegt also näher, als das Vorhan- dene planmäßig zu fördern und aus- 4 zubauen? In Kiel wird zumeist mit Landesmitteln ein Museum für Indy. strie- und Alltagskunst errichtet (eg könnte ein Landesmuseum sein wenn es auch die Herrenwyker Sammlung präsentierte). Die Stadt Kiel unterhält ein Schiffahrts- ung Stadtmuseum und verfügt mit dem Zoologischen Museum und mit der kläglich untergebrachten Völkerkun. desammlung über große museale Universitäts- und damit landeseigene Komplexe. Die theatergeschichtliche und die medizingeschichtliche Samm-. lung, dazu die Antikensammlung sei. en erwähnt. Kiel könnte sich alsg durch Museen mit Schwerpunkt Ge. genwart kulturell auszeichnen, auch durch spektakuläre Ausstellungen (die ja nicht riesig sein müssen), sq daß man auch von auswärts deshalh nach Kielkommt und nicht nur wegen des Segelns. So attraktiv wie die Mu. sikstacdt Lübeck allerdings wird Kie] kulturell lange nicht sein, und „Mu-. seumsstadt“ ist sie deshalb noch nicht, sondern hat nur dort ihren kul. turellen Schwerpunkt. Auch in Kiel wird ein solches Kon. zept nur zu realisieren sein, wenn Ma. gistrat und Stadtrat viel mehr als bis. her bereit sind, Mittel für Kultur frei. zumachen. Die Stadt braucht eine städtische Musikschule. Sie muß ihr Theater besser als bisher ausstatten. Ob das A-Orchester in Lübeck oder in Kiel seinen Standort haben wird, müßte genau überlegt werden. Auch wird die Stadt Kielsowohl das Kultur-. viertel Sophienhok als auch ihre städ. tischen Museen endlich finanziell und personell angemessen ausstatten müssen. Ohne einen entwickelten Kulturwillen in allen Parteien und Parteiungen beider Städte läßt sich nichts bewegen. Die merkwürdige, passive Haltung der beiden Stadtre- gierungen und -parlamente, die im- mer nur anspruchsvoll die Schürze aufhalten und alles, was Geld kostet, als Segen von oben erwarten, selbst aber so wenig wie möglich zu tun be- reit sind, muß aufhören, wenn sich et- was ändern soll. Nun kann man natürlich alles so lassen, wie es jetzt läuft. Den Politikern wäre das sicher am angenehmsten, denn és gibt keinen Ärger und es herrscht die Harmonie der Mittelmäßigkeit. Aber man muß kein Prophet sein, um voraus- zusagen, daß die wirtschaftlichen und kulturellen Verbindungsstränge zum Ostseeraum dann über Schleswig-Hol- stein hinweg von Hamburg, Bremen und Hannover nach Oslo, Stockholm, Hel- sinki, Leningrad, Danzig und Schwerin verlaufen werden. Wie Gorbatschow so richtig sagte: Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben. 5 Lübeckische Blätter 1990/7 Die I Lübeck telalterl glücklic Das Wit der 800 ßaumal abgesch Ich sch Ausfühi der Att rungen ten. 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