Full text: Lübeckische Blätter. 1990 (150/155)

Anmerkung zur Kritik über das 91. Hauskonzert Zu dem 29 Zeilen langen „Vorspann“ des Kritikers bedarf es einiger inhaltli- cher Korrekturen. Zur Normalität unserer Hauskonzerte gehören unterschiedlich hohe Besucher- zahlen, die zwischen 60 und 130 liegen können. Wenn nun zum 91. Konzert trotz „winterlich naßkalten Wetters“ et- wa 100 Gäste „gelockt“ werden konnten, entspricht dies keinem .„hokknungslosen“ Zustand. Neben dem Stammpublikum waren beispielsweise dieses Mal etliche Schüler der drei Pianisten in elterlicher Begleitung gekommen, was durchaus begrüßenswert ist. Der Ausschuß der Hauskonzerte ver- steht sich nicht als (pekuniär) gewinn- bringendes „Management“, sondern ist seit jeher bedacht, als „Attraktion“ auf- strebende junge Musiker in Verbindung mit den ihnen gemäßen Kongzertpro- grammen vorzustellen -das ist die „The- matik“. Das Programm wird grundsätz- lich zwischen Ausschuß und jungen Künstlern abgestimmt, damit auch die Abwechslung in den Hauskonzerten ge- wahrt bleibt. Im übrigen hat es der Aus- schuß nicht nötig, „eine Gruppe junger Studenten mit Programmlagerhaltung“ zu engagieren. Auch kann man die Vorspielabende der Musikhochschule, die hervorragend sind, nicht mit dem Rahmen der Haus- konzerte vergleichen. Die Betreuung der Vortragenden vor und nach dem Konzert, die gesellige Atmosphäre am Kaminfeuer in der Pause für die Zuhö- rerschaft und das angebotene Glas Rot- wein rechtfertigen den „ansehnlichen Obolus“ von zehn beziehungsweise fünk Mark durchaus für das „Haus-“Konzert der „Gemeinnützigen“. Die Besucher jedenfalls sind immer wieder angetan von dieser Art konzertanter Darbietung in diesem Rahmen. Wenn man Garderobe beanstandet, muß man wissen, daß es auch angemes- sene Kleidung gibt, die nicht eines „Schlipses“ bedartk; Herbert von Karajan zum Beispielkannte manselten mit einer Krawatte oder ähnlichem als Acces- sOires zu seinem „Dienstanzug“ . Abschließend sei gesagt, daß der lang anhaltende Beifall -auch nach der Zuga- be von „Le bal“ von Bizet (und nicht ei- nem 5. Ungarischen Tanz von Brahms) - allen recht geben, die Hauskonzerte in dieser Form beizubehalten. Gisela Kilian Vier bedeutende Passionswerke Bachs im Fernsehen In der Reihe „Faszination Musik“ setzt das Zweite Deutsche Fernsehen wäh- rend der Passionszeit seinen Zyklus mit JU vier der bedeutendsten Werke I.S Bachs fort. Mittwoch, 21. März, wird um 13.45 Uhr eine Aufnahme der Johannes-Passion gesendet mit Peter Schreier als Evange- list, E. G. Schramm in der Partie des Je- sus und Siegmund Nimsgern als Petrus/ Pilatus. Die Arien werden von Helen Donath, Julia Hamari, Horst Lauben- thal und Kieth Engen gesungen. Karl Richter dirigiert den Münchner Bach- Chor und das Münchner Bach-Orche- ster. Die Leidensgeschichte Jesu Christi im IV. Evangelium bildet die Vorlage zur Johannes-Passion. Sie entstand 1722/ 1723 als älteste der fünk Bachschen Passionen, von denen nur zwei vollstän- dig erhalten sind. Karfreitag 1723 fandin der Leipziger Thomas-Kirche die erste Aufführung statt, der zu Lebzeiten Bachs drei weitere folgten und für die der Komponist mehrfach Umarbeitun- gen anfertigte. So begann beispielsweise die Urfassung mit dem Eingangschor „O) Mensch, bewein’ dein’ Sünde groß“, der später zum Schlußchor des 1. Teils der Matthäus-Passion wurde. Bachs Vorstel- lung einer oratorischen Passion verbin- det authentischen Bibeltext mit Iyrischer Dichtung seiner Zeit, die mit frommen Gedanken in Arien und ursprünglich als Gemeindegesang gedachten Choral- Sentenzen das biblische Geschehen um- rankt und erklärt. Diese Art der Zusam- menstellung richtete sich gegen damalige Tendenzen einer Verweltlichung und Verflachung der Kirchenmusik. Seinen weltlichen Arbeitgebern im Rat der Stadt Leipzig erschien der musikdrama- tische Charakter gefährlich ,theatra- lisch“. Wenn man bedenkt, daß von 68 Teilen der Gesamtkomposition allein 27 für Chor komponiert und davon elf als Choräle tragende Säulen einer bekennt- nishaften Aussage sind, kann man die packende Wirkung ermessen, die von diesem Werk ausgeht. Am Mittwoch, 28. März, folgt um 13.45 Uhr Bachs h-Moll-Messe in einer vom Münchner Bundesfilmpreisträger Klaus Kirschner eigenwillig gestalteten Sen- dung. Sie verzichtet auf übliche bildhafte Darstellung des musizierenden Ensem- bles zugunsten einer ,gleichnishaften Deutung der Meßliturgie in Form eines Bewegungszeremoniells“ mit Chor und Solisten in einer romanischen Abtei Bur- gunds. Dabei unterstützen Architektur und Licht eine mystisch gehaltene Insze- nierung, bei der ein kleines Mädchen in seiner naiven Phantasie den Gottes- dienst zu verstehen versucht. Die einzel- nen Teile dieser Messe, die Bach in Leip- zig aus verschiedensten Anlässeh kom- ponierte, waren ursprünglich nicht als Einheit konzipiert. Kyrie und Gloria wa- ren dem Kurfürsten in Dresden zuge- dacht, von dem sich Bach eine Anstel- lung als Hokkomponist erhoffte. Die vollständig zusammengestellte Messe wurde erstmalig 1835 von der Berliner Singakademie aufgeführt. Mitwirkende der Sendung sind Arleen Augér, Juli; Hamari, Adalbert Kraus, Wolfgang Schöne und Siegmund Nimsgern. Die Gächinger Kantorei Stuttgart und das Bach-Collegium Stuttgart musizieren unter Leitung von Helmuth Rilling. Am 4. und 11. April folgen zu gleicher Uhrzeit Bachs Matthäus-Passion I. ung I!. Teil: Hans Mllliesg L. Dien: Zum V Denkn wirklic Pie A Kulturc halten, schen c zusamlIt Die E: ein Be denkm spruch lichst « steht in keit, di ne Nut denkm wieder reale zuläßt, zu Kon Verein der Musiktreunde Sonntag, 18. 3. 1990, 20 Uhr, Kolosseum Emerson-String-Quartett Streichquartette von Schubert, Schu- mann und Schostakowitsch Verein für Lübeckische Geschichte Dienstag, 20. 3. 1990, 20 Uhr, Großer Saal der Gemeinnützigen Vortrag von Dr. Horst H. Siewert, Lei- ter des Amtes für Denkmalpflege der Hansestadt Lübeck Denkmalpflege zwischen Anspruch und Wirklichkeit (mit Lichtbildern) Alle: eine Han Der kc plette \V'ersic rungs: Bezir! Lübec Telefc Veranstaltungen Volkshochschule Montag, 19. 3. 1990, 15 Uhr, Stadtrestaurant Seniorenkreis „AIt werden und jung bleiben“: John Brinkmann „Kasper Ohm un ick“ Hans Jürss Dienstag, 20. 3. 1990, 18.15 Uhr, VHS Kunst im Spannungsfeld: Religion - Gesellschaft - Wissenschaft - Die Portalskulptur in der französischen Gotik Dr. Rolf Pröpper Dienstag, 20. 3. 1990, 20 Uhr, YHS Therapieformen stellen sich vor: Musiktherapie Thomas Mahler Mittwoch, 21. 3. 1990, 18 Uhr, VHS Europäische Kulturgeschichte - Literatur des Hochmittelalters in der Stauferzeit: 3. Die höfische Lyrik Studiendirektor Dr. Klaus Matthias Mittwoch, 21. 3. 1990, 19.30 Uhr, VHS Ja zur Gesundheit: Unfallverhütung bei Vorschulkindern Detlev Hinselmann Donnerstag, 22. 3. 1990, 18 Uhr, VHS Klingende Musikgeschichte: Johann Sebastian Bach . ES HEI. Die h-Moll-Messe Dr. Friedrich Baake Donnerstag, 22. 3. 1990, 20 Uhr, VHS Orient und Ägypten im 1. Jahrtausend vor Christus: Ägyptischer Alltag nach zeitgenössischen Texten (griechische Papyri) (Dia-Vortrag) Dr. Ursula Buske Freitag, 23. 3. 1990, 20 Uhr, Sternwarte Astronomie: Der Frühlingssternenhimmel Claus Pawellek V; M f. Schw | Tel. 0 Lübeckische Blätter 1990/6 Lübeckis
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