Full text: Lübeckische Blätter. 1990 (150/155)

ren. In unmittelbarer Nachbarschaft weiß sich Klaus-Dieter Schweitz zeichne- risch differenziert mit seinen collagierten Hydren (Süßwasserpolyp) zu behaup- ten. Auf der gegenüberliegenden Wand hän- gen drei kleine Material- beziehungswei- se Farbcollagen von Gerhard Backschat. Er und der mit inm in einem Atemzug zu nennende Erich Lethgau, obwohl dessen zwei Arbeiten durch die Hängung in der Galerie räumlich davon getrennt sind, wissen auf sublime Weise Farb- und Ma- terialnuancen ihr inhaltliches Gewicht zu verleihen. Die leisen Töne dieser beiden Lübecker Farbkonstruktivisten werden durch das feinfühlige Adagio der fast monochromen ,„Farbkonzerte“ ihrer Bil- der zu Initiationen in die Esoterien der Farbabstraktion. waist, erfahren die collagierten Kopfhül- len Begrenzung und Grenzsein zugleich. Ohne eigene Vergangenheit, verhüllt und in ihrer Wahrnehmung reduziert, enthüllen sie schmerzlich zerrissen das Zeitlose ihrer Zeugung. Klaus Oestmann erlöst den Termindruck der Vielreisen- den in seinen Flugplanvarianten. Vier überarbeitete Fotodrucke wurden als „Neurealität“ aus der Obhut des Künst- lers entlassen. Sie machen Schluß mit der fiktiven Zahlenzeitwelt von Ankunkt und Abflug und sind wie die großartigen Oestmann’'schen ,Stacdtbekenntnisse“ aus der Reihe „Mit dieser Stadt leben“ Neufigurationen einer künstlerischen Schein-Realität-Konjunktio auf der Ba- sis eines allerseits bekannten Objektes der Anschauung, der Fotokopie. Vertreten sind weiter Peter und Gisela Kleinschmidt mit Zeichnungen bezie- hungsweise Aquarellen in der gewohnt meisterlichen Manier. Maria Solondz baut in akribischer Manier, noch penibel genau in der Abstraktion, ihre Gouache Stilleben auf. Es wäre zu wünschen, daß ihre „natura morte“ über den Zustand des bloßen Erfassens der Todesstarre ih- rer Bildobjekte ein übergreifender In- halt ihre Szenerien belebt. Heiner Kühn setzt mit einer neuen Farbigkeit Akzen- te. Ob die Bildtitel „Aufbruch“ einen persönlichen oder den politischen vor Ort meinten, blieb dem Rezensenten lei- der verschlossen. Der Nestor Karl Gieth bleibt sich treu. Peter Kober überzieht mit seinen skurrilen Farbfäden eigent- lich gute Bilder. die vor allem den Be- trachter durch ihre trefflich-witzigen Ti- tel zur Auseinandersetzung anregen. Re- gine Bonke ist in der Ausstellung mit ih- ren farblich differenzierten, überarbeite- ten Nitrofrottagen vertreten, und Chri- stel Biemann arbeitet ihre kleinstkorma- tigen Farbgevierte in einer Art naiver Abstraktion. Trotz aller - cum grano salis gut gemein- ten - Kritik eine überaus sehenswerte Ausstellung. Wenn auch die heute übli- Die zwei Blei-Material-Objekte von UI- rike Scheuerer stellen ganz auf die Wir- kung von Farbe, Materialität und wohl berechneter Reihung eines Formele- mentes ab. Uwe Boschen setzt dieser sensitiven Stringenz seinen archaisieren- den Janus-Kopftorsus in dumpker, dunk- ler Farberuption entgegen. Ein namen- loser Protest, Wut und Betroffenheit sucht mit dem Gegenüber einen mundlo- sen Disput. Die zwei großformatigen Porträtzeichnungen von Gunther Fritz wissen sich da ganz auf distinguierter Di- stanz; er versteht es wie kaum ein ande- rer Lübecker Künstler, in seinem abstra- hierenden Zeichenstrich das Wesentli- che eines Motives einzufangen. Seine be- sten Zeichnungen - und die beiden Schweriner Porträts gehören sicherlich zu den besseren - haben schon etwas Ge- nialisches, das fast an den „groBen Zam- pano‘“ der norddeutschen Zeichnung heranreicht. Es fehlt nur der bacchianti- sche Esprit des Meisters. Ruwoldt vertritt mit ihren vier „Zeitwai- sen“ eine ganz andere Facette der Lü- becker Kunstszene. Eingepkercht, in ih- rem konstruktiven Linienkorsett ver- Lübecker Chronik Februar 1990 3. Unter Beteiligung der Bevölkerung diesseits und jenseits der Grenze wird auf der Priwall-Halbinsel der dritte Grenzübergang auf dem Ge- biet der Hansestadt eröffnet. Die Sanierungsabteilung des Stadt- planungsamtes sucht in der Partner- stadt Wismar nach Möglichkeiten für die Einrichtung eines „Lübeck- Hauses“, in dem sich DDR-Bürger über Fragen der Sanierung infor- mieren können. Sportsenatorin Anke Horn und Kultursenator Lund stellen das Konzept einer Großsporthalle vor, für dessen Finanzierung Land und Bund 15 Millionen Mark aufbringen müßten. 6. Für dringende Bauvorhaben soll Lübeck in diesem Jahr aus dem Strukturhilkeprogramm der Bun- desregierung mehr als 38 Millionen Mark erhalten. 7. Die 120 Linden in der Roeckstraße - die letzte in sich geschlossene Baumallee im Stadtgebiet - sollen mit einem Kostenaufwand von 320 000 Mark saniert werden. Die „Ahnengalerie“ Lübecker Bür- germeister im Rathaus wird mit dem von dem Berliner Künstler Johan- M chen großen Ölbilder kehlen: es präsen- tiert sich das mittlere und kleine Format das den Schritt hin zum Bild verlangt. und dies in großen Teilen der Ausstel. lung auf gutem Niveau. Wie bereits oben angemerkt, mag diese Tatsache als Zu- geständnis an die Galerieräume gewertet werden, es ist sicherlich auch als Offerte an das Kunstpublikum vor Ort zu verste- hen. Man sollte den Objektpreisen Be. achtung und den ausstellenden Künst- lern sogar Anerkennung zollen. Die mei- sten Arbeiten sind, verglichen mit den hier ortsüblichen Preisen, im Preisni- veau I: 1 ausgewiesen. Ein Solidaritätsbekenntnis der Lübecker Künstler gegenüber den Schweriner Kol. legen? Ich glaube, man kann diese Frage getrost mit einem Ja beantworten. Stellt man den derzeitigen Umrechnungskurs der DM in Rechnung, so wird die „Wes- si-Kunst“ aus Lübeck richtig erschwing. lich. Ein Backschat zu einem Drittel - und dies offiziell gerechnet - des Wertes, den er hier besitzt. Innerdeutscher Kunstmarkt macht auch dies möglich. Die Reaktion der vielen westlichen und hier wiederum der Lübecker Sachver- ständigen schwankte zwischen ungläubi- gem Staunen und beherztem, marktwirt- schaftlich frei geschultem Zugrikk. So ein Schnäppchen konnte man sich doch nicht entgehen lassen, oder? Die Künst- ler sahen es mit einem weinenden und ei- nem lachenden Auge. In der Zusammenarbeit zwischen Lü- beck und Schwerin ist bereits die zweite Ausstellung geplant. Das nächste Mal kommen Schweriner Künstler im August ins Künstlerzentrum Engelswisch 65, um sich in Lübeck einem sachverständigen Kunstpublikum zu präsentieren. Auch wieder eins zu eins? Vielleicht hat das „neudeutsche“ Wirtschafktswunder bis dahin alle Unterschiede beseitigt. (Galerie Schwerin, Am Pfaffenteich, Wil. helm-Piek-Straße 14; 4.29. 3. 1990) Peter Kallen ZE1 zie Kc WE 9. De klc 10( de: La no im de: . q 10. De LE „U sch zig pre we de hal 13: . Fü de: rei de: Kl: ne: M: LIT] p- Bilde Dem FH Zum V in der Schon schmal sichtlic manch §parsa dert, g pen wi Feder baren aussetz nes Scl] an seil den fü ihm g deckte vor ihr hatte: Phäno Forsch neue ü Die Ar gelegt. verfolg manch aus de ben scI weils « nes Grützke gemalten Porträt von Bürgermeister a. D. Dr. Knüppel ergänzt. s. Das Verwaltungsgericht Schleswig entscheidet mit aufschiebender Wirkung gegen die Verklappung von 400 000 Kubikmeter Baggergut in der Lübecker Bucht, die beim Bau des 8. Fähranlegers in Trave- münde anfallen werden. Die Possehl-Stiftung gibt die Zusa- ge für eine Spende in Höhe von 120 000 Mark für die Einrichtung ei- ner Mensaküche im Neubau für die Medizinische Universität und die Fachhochschule. Lübeckische Blätter 1990/6 Lübeckis
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