Full text: Lübeckische Blätter. 1988 (148)

so uneingeschränkte Verdammung. Erst heute scheinen wir genug Abstand zu ha- ben, um gerechter urteilen und bemer- ken zu können, daß die Maler des Infor- mel doch wohl einen der wesentlichen Beiträge zur Kunst des 20. Jahrhunderts geleistet haben, an den sich auch die Heutigen anschließen können. Denn die Informellen hatten das Bild vom Zwang der Aussage entlastet und gleichzeitig Freiraum geschaffen, der es den Malern nun ermöglicht, neue Inhalte einzuschie- Ben. Unser großes Bild von Schumacher ist dafür ein Beispiel, aber auch die Neu- erwerbung des Bildes „Endlandschaft St. Romain“ des Schweizers Rolf Iseli von 1986. Iseli, einer der führenden Künstler seines Landes, wurde durch ei- ne Ausstellung in der Overbeck-Gesell- schaft geehrt, aus der dieses Bild erwor- ben wurde, die Einflüsse des Informel sind ganz deutlich. Lose ist das Strichge- füge, wäre auch ohne Inhalt lesbar als ÜL I Fut such tueursurm wehe. gun lich, in diesem Jahr sind es zwei Werke und malerischen Intensität die 60er Jah- Ner Art. In dieses Miteinander der Bild- von Fritz Winter und Paran G'Schrey. re fähig waren. Das Blatt, ohne Titel. um Slemente fügt er nun richtige Erde als Fritz Winter gehört zu den deutschen In- 1962, Mischtechnik auf Papier, das je- Malmittel ein, die zunächst nur als Farb- formellen der ersten Stunde und war ei- doch weniger als Graphik denn als vol Komponente wirkt. dann aber wörtlicher ner derjenigen Maler, die der deutschen gültiges Bild gemeint ist, weist mit seiner Bezug auf eine bestimmte Gegend ist. Kunst der Nachkriegszeit wieder zu in- dichten Struktur verschiedener überein- Dadurch erhält das Bild seine Doppel: ternationalem Ruf verhalf, zusammen andergelegter Farben in engeren Strich- ÜEutiolcit di f Ätkt cied y! h mit Baumeister, Hartung und Nay. Wie lagen oder dichten Flächen, daß ein sol- “uus q!!: s uo §!s1a!l vue jurca mann den fünfziger Jahren die Arbeiten ches Gebilde allein aus dem Miteinander CN m. “j tv us gn emsezenr der von Winter einschätzte, zeigt ein kurzes seiner Elemente wirken will. Es geht um " "uc k talane z uk ; Gerend 11 Zitat von Georg Händler aus einer Aus- Verdichtung und Lösung, um verdunkel- .: weuruct u. Uni §FE frau stellungseinführung von 1959: „Allen te Farben und helle Lichter, um ein labi- d P.. t eine Endlandschatft wsil tie Arbeiten Winters eignet ein metaphysi- les Gleichgewicht aller Teile. Es sue ud aus Zürilizations. sches Raum- Erleben. Alle angewandten Vielleicht zu ihrer Zeit allzusehr gelobt, schäden in Wortsinne am Ende ist. Das. Mittel. . stehen m Dienste eiter Mâle erlebte diese Kunst dann eine zu radikale was kein Informeller getan hätte, mit tfi: dis sicts lotzzztzen il. *täs detj Abwendung. Nach einer nahezu unbe- den Mitteln seiner Kunst Kulturkritik zu flurchschgzüender Gsiste Etlehyis wur cerenzten Begeisterung folgte eine genaur üben, kann ein Heutiger tun. ohne das de. So ist das Gesagte als menschliches ? s s Erlebnis human geäußert, an den Men- schen und den Künstler gebunden, der es mitteilte, und dem es nachzuempfinden ein uns aufgegeben ist“. Uns will diese Spra- che heute verblasen und übertrieben Iy- ugs risch erscheinen, doch ist dies nicht len Schuld der Bilder, die sie auslösten, son- No- dern der Wünsche der Betrachter. Ein bé: Blick aut unsere Neuerwerbung „Ver- ih- flochten“ von 1951, eine Gouache mit eh- collagierten farbigen Papieren, macht ben deutlich, dal Fritz Winter wirklich jene hie- schwebend allgemeine Formensprache Eis- beherrschte, die Möglichkeit, ein Bild al- ich- lein aus Farben und Formen zu schaffen, ren wobei der offensichtliche Bezug zu japa- u- nischen Zeichen die Nähe zur ostasiati- § schen Kunst belegt, die dieser Malerei rst insgesamt eigen ist. ster In dieselbe Richtung gehört auch Paran ale- G'Schrey, eines der vielen, heute verges- 1m- senen Talente jener an Begabungen SE- überreichen Zeit. Wir haben ihm 1986 lies eine Ausstellung gewidmet. Es ergab ahr sich im Angesicht des ausgebreiteten ] Ögr- Werkes. zu welcher formalen Vielfalt Paran G'Schrey, Ohne Titel, um 1962 it I .übeckische Blätter 1988/22 41 !
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