Full text: Lübeckische Blätter. 1988 (148)

noch - etwas verloren - zwei druckgra- phische Arbeiten von Horst Janssen. Mancherlei Tendenzen der Kunst der letzten 30 Jahre werden sichtbar. Alex- ander Camaros „Zeichen am Sonntag- vormittag“ von 1953 zum Beispiel, das früheste Bild der Ausstellung, ruft Erin- nerungen an den Neuantang nach dem Kriege wach und an die Berliner Ruinen- melancholie jener Jahre, während sein späteres, „Lady Curzon“, 1984 gemalt, verrät, daß das Erbe des Expressionis- mus in ihm noch heute lebendig ist. Für das Informel stehen die beiden Arbeiten von Emil Schumacher und - etwas weni- ger eindrucksvoll - die von Hann Trier. Die geometrisch-konkrete Malerei seit 1960 ist nicht nur in den Arbeiten Pfah- lers repräsentiert, sondern auch durch Winfred Gaul mit seinen andersartigen Arbeitsintentionen, und Op-Art rein- sten Wassers, reizvoll wie eh und je, sind die beiden scheinkinetischen Objekte von Ludwig Wilding. Als leisen Hinweis darauf, dals auch Pop-Art und Fotorea- lismus der späten 60er Jahre in der Over- beck-Gesellschaft vorgestellt wurden, mag man Peter Klasens Bild „Capacity RT“ von 1986 nehmen, immer noch im Detail das bedrückende Ganze fassend, und als Beispiel für den politisch enga- gierten kritischen Realismus der Berli- ner Kunst der frühen 7Oer Gorellas ..Ich Georg-Karl Pfahler: „Espan Nr. 55/183“, 1983 selbst unterwegs“. . . Wenige plastische gpyjl : Arbeiten sind sparsam über die Räume verteilt, von Künstlern geschaffen, die alles aus sich selbst zu haben scheinen gerad und deshalb nur schwer einer bestimm. durch ten Richtung zuzuordnen sind, bedeu. nen F tenden Einzelgängern, wie sie in der lichke Overbeck-Gesellschatt doch auch immer wieder zu Wort kamen: Edgar Augustin und Hede Bühl, bewußt Tradition wah- rend und weiterführend, Günter Haese und Karl Ludwig Schmalz, mit neuen Materialien neue künstlerische Wege er- schließend. Wer das Angebot der Overbeck-Gesell- schaft zu nutzen wußte, das lehrt diese Ausstellung, hat teilgehabt an vielem, was sich in den letzten 30 Jahren auf dem Gebiet der bildenden Kunst getan hat. Ein bißchen zufällig wirkt es freilich schon, was da aus Anlaß des Jubiläums zusammengeholt worden ist und nun ein paar Wochen miteinander auskommen muß, obgleich es wenig oder so gut wie nichts miteinander zu tun hat: Gabriele Grosse mit Michael Mathias Prechtl, Ludwig Wilding mit Arwed Gorella, Marwan mit Jakob Mattner. Hier und da ist zwar Verwandtes einander zugeord- net, Gegensätzliches miteinander kon- frontiert, Entwicklung eines einzelnen angedeutet, doch bestimmt im übrigen das Nebeneinander des Ungleichartigen den Gesamteindruck. Man könnte dies als Mangel werten; in Wahrheit jedoch Alexander Camaro: „Zeichen am Sonntagvormittag“, 1953 ist es die Stärke der Ausstellung. Denn Veter IZ Lübeckische Blätter 1988113 Nüheck:
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.