Full text: Lübeckische Blätter. 1988 (148)

Weltkulturgut-Beschluß der UNESCO schließt bedeutende Bau- und Um Kunstdenkmäler Lübecks nicht mit ein Ni Das „Welterbekomitee“ der UNESCO Leber-Straße und Pfaffenstraße aber sches gotisches Dielenhaus aus der Zeit beck tagte vom 7. bis 11. Dezember und ber nun nicht nur Häuser des 19. Jahrhun- um 1280, also aus jenem Jahrhundert, a €inzu schloß, den größten Teil der Lübecker derts ein, die nun den UNESCO-Schutz dieser Haustyp erstmals in Backstein er- sonde Innenstadt in die „Liste des Erbes der entbehren müssen, sondern sogar be- richtet wurde. Es gehört sozusagen zur der H Welt“ einzutragen. Substantiell wurde deutende Bau- und Kunstdenkmale des „Gründungsgeneration* lübeckischer Sem V dieser „Weltkulturgut-Beschluß“ so- Mittelalters, obwohl sie in der 1978 vor- Dielenhäuser. Beziehen wir sogleich das stadt gleich am 13. Dezember in Lübeck erst- gelegten amtlichen Stadtbildaukfnanme Nachbargebäude mit ein: Auch König- Recht mals bekannt. Der Wortlaut liegt freilch Lübecks als solche ebenso verzeichnet straße 28 ermangelt des UNESCO-. und n der Stadtverwaltung erst seit dem 17. sind wie in der Kunst-Topographie Schutzes. Dabei ging erst vor kurzem an- städte März vor; am 23. März nahm dann der Schleswig-Holstein (Neumünster 1969. läßlich der Einweihung nach erfolgter baute Senat Kenntnis davon. Der Bürgerschaft Nachdruck: 1979). Restaurierung und vorausgehender, jah- kultu: gab man am 14. April den Text auf An- go fällt etwa die sogenannte „Löwenapo- relanger baugeschichtlicher Erforschung ten. I frage weiter. Daraufhin druckten die theke“ (ehemalige + Gkuraitsctaße nun durch die Presse, dals es in seinem Innern nen : „Lübecker Nachrichten“ am 21. April Noktor-Julius-Leber-Straße 13) cht in einen an die Dielenwand gemalten Bil- Detai den vollen Wortlaut ab. Die „Lübeckir J44s UNESCO-Schutzgebiet! Für die Ge- derzyklus enthält. Er stellt die Schöp- dabei schen Blätter“ konnten in ihrer Ausgabe cchichte des Lübecker Bürgerhauses wie fkungsgeschichte als Siebentagewerk dar Gesa! vom 30. April nachziehen. Sie kommen- fùir das heutige Stadtbild ist dies aber eim - eine selten vorkommende Bilderfolger klar : tierten nicht nur, sondern verötfentlich- wichtiger Bau. Ebenso für die lübecki- 7- und stammt aus der Zeit um 1280. Da. auch ten dankenswerterweise auch den zuger ¿che Ortsgeschichte: Einmal soll Kaiser mit ist jene sogar älter als der Bilderzy- Besta hörigen Stadtplan. Damit ist eindeutis, Karl IV. bei seinem Besuch in Lübeck klus gleichen Themas im Chor der Mana gewo! was nun tatsächlich unter den besonder 1375 hier logiert haben; zum anderen rienkirche, den Max Hasse um 1290 ger Die ( ren Schutz der UNESCO fällt und was war es Erich Mühsam : Anfang dieses malt ansah. nen 1 ausgeschlossen bleibt (Seite 147 dieses Jahrhunderts den Abriß verhinderte und Kyj h N werdtc Jahrganges). die Wiederherstellung des Hauses einlei- K "Yz: .52 f FU! Zue rs für N Es macht staunen, diesem Plan entneh-[ 'ete -die „Lübeckischen Blätter“ berich- ist "and verdeutlicht uns damit einen ty- Huss men zu müssen, daß der gesamte Bau- teten, damals ausführlich darüber. Si- hjsch lübeckischen Umstand. Die Bau- t block 15 (Pfaffenstraße, Breite Straße, cherlich ist das Gebäue nach heutigen forschung der letzten zwanzig Jahre hat t. Doktor-Julius-Leber-Straße, Königstra- Maßstäben nicht optimal § restauriert, nämlich hinreichend belegt, daß hinter Be) nun nicht zum Weltkulturgut zählt. teilweise stark verändert oder gar weit- klassizistischen oder noch jüngeren Stra- Bedauerlich ist dies nicht nur für die gehend Ermevert . Dennoch haben wir ßBenfronten vielmals Gebäude des 15./ q Pfaffenstraße, sondern insbesondere für hier einen reich gegliederten Giebel aus 16. Jahrhunderts relativ intakt anzutref- Lül die westliche StraßBenzeile der Königstra- dem 14. J §hihvtgert. “or . Noch ken sind, zum Teil sogar mit baulichen Be in diesem Bereich, zum Teil Sankt wichtiger ist die Norc\ e Rückgie g Resten, die noch älter sein können und 6.7 Katharinen gegenüber gelegen. Hier rei- wand. Sie Jsterttn die Zeitum 1259/ zo! bis in das hohe Mittelalter zurückzurei- hen sich aber durchaus qualitätvolle Fas- Neben der süd ichon. c u les chen vermögen. Insofern ist es zumin- saden und Bürgerhäuser des 19. Jahr- Rathauses ist sie das einzige Stück sPät- (lest fragwürdig, erhebliche Teile der Lü- hunderts, darunter beispielsweise die romanischer Profanarchitektur Tü ghecker Altsdtadt, die nicht nach den demnächst für die Meclizinische Univer. Pecks, die ein Betrachter unmittelbar Ft Kriegszerstörungen gänzlich neu aufge- sität zu restaurierende alte Reichsbank. kahren kann (um andere entsprechen © haut wurden und die „nur“ den Bauzu- Ansonsten hat dergleichen Architektur B2ureste in dieser Stadt sehen zu kön- ¿tand des letzten Jahrhunderts zu zeigen in Lübecks Altstadt durchaus das besag- NN. bedarf es schon einiger detektivi Scheinen, nicht zum UNESCO-Schutz te Prädikat zugesprochen bekommen, scher Mühen und umständlichen Aufsu- jhit vorgeschlagen zu haben. Bleibt zu darüber hinaus - besehen wir uns den chens). Ausgerechnet dieses Haus zählt fragen, warum das so geschah und damit UNESCO-Stadtplan genau - beispiels- nun nicht zum „Weltkulturgut í . bedeutende Bau- und Kunstdenkmäler weise sogar die modernen, malstab- Gleiches gilt für ein weiteres unserer äl- Lübecks künftig des UNESCO-Prädika- sprengenden Schulbauten und die testen aufrechtstenenden Bürgerhäuser. tes Weltkulturgut“ entraten müssen. Schwimmhalle an Marles- und Dank- P Leu Bzfzhrenx f qr dev: : GI i O Inca Ú f Sges L ZO NIGRIN); §g" s Y Die westliche Häuserzeile der König- malpflege jahrelang gekämpft: Königr gar nicht so genau nehmen? straße schließt zwischen Doktor-Julius- straße 30. Es ist dies ein für Lübeck typi- Wolfgang Erdmann Dominus providebit - Buddenbrook-Haus und Weltkulturerbe In der Mengstraße präsentiert sich uns und profaner Baukunst erreicht. Fremde ist schlimm genug und beschämend zu- und vielen Besuchern der Stadt ein ber Besucher stehen ergriffen vor diesem gleich für uns alle. Dabei steht es kür den sonderes Denkmal Lübecks, das Bud- Denkmal, welches im Plan der UNES- größten Sohn der nun mit dem UNES- denbrook-Haus von 1758, dessen ger CO aus der schutzwürdigen Zone des CO-Prädikat ausgezeichneten Stadt und 10 schmückte Fassade wie durch ein gnädi- Weltkulturerbes ausgegrenzt wurde - das kostbarste dichterische Werk deut- ges Geschick den Bombenangriff von siehe „Lübeckische Blätter“ Seite 147 scher Sprache in diesem Jahrhundert, 1942 überstand. Mir scheint, als habe der dieses Jahrganges. woran an dieser Stelle zu erinnern sich durch Thomas Mann und sein Werk neu Dieses ist unbegreiflich; denn daß dieses der langjährige Vorsitzende der Deut- begründete, weltweite Ruhm Lübecks Haus damals nicht wie das Goethehaus schen Thomas-Mann-Gesellschaft er- den der großen, vergangenen Hansezeit in Frankfurt durch öffentliche Mittelund laubt, als ein Betroffener unter vielen. und ihrer mächtigen Zeugen sakraler private Stifter wieder aufgebaut wurde. Dr. Ulrich Thoemmes l.übeckische Blätter 1988/12 l iüihec! 512
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