Full text: Lübeckische Blätter. 1987 (147)

zeigt, dal eine Existenz mit den gegen- wärtigen Rationen unmöglich ist.“ schon im März 1947 hatte man auf den Friedhofsmauern in Bad Schwartau fol- gende Sinnsprüche lesen können, die nur vordergründig komisch erschienen: Wer jetzt noch lebt bis diesen Mai, Jer ist entweder Schieber oder bei der Polizei.“ Zu dieser Zeit lag die monatliche Fettzu- teilung bei 200 g. Das häufig gegenüber den westlichen Bestzungsmächten geäu- ßerte deutsche Argument, die anhalten- de Versorgungskrise werde unweigerlich zu Kommunismus und Anarchie führen, mochte auch unter der taktischen Über- legung erfolgt sein, die Importquoten zu erhöhen. Die Einbeziehung der Westzo- nen in den Marshall-Plan sollte am Ende derartiger Überlegungen stehen. In der britischen Zone kritisierten die litiker den offensichtlichen Wider- 't zwischen Konzeption und Wirk- Neues Leben blüht aus den Ruinen . . . Flüchtlingskinder vor dem Kindergarten des lichkeit der Besatzungspolitik. Die De- Lagers Pöppendorf. irde. mokratie schien ihnen teelöffelweise j . verordnet, nicht selbst erarbeitet, man Vork Herald Tribune“ stellte am 10. Mai Jahren offiziell mit der 137. Zuteilungs- chiebt, empfand sich eher als ein Demokratisie- 1947 schlicht fest, daß es in der Verbrei- periode auslief. Damit wurde der viel zi- nt, der rungsobjekt. ]In der Tat schien die De- tung der politischen Philosophie Ameri- tierte Normalverbraucher, der solange mokratie in Deutschland mit einer tragi- kas solange keinen Fortschritt geben von völlig anormalen Rationen hatte Ie- t, der schen Komponente behaftet zu sein, da würde, wie die Ernährungskrise andaue- ben müssen, zu einem historischen Be- sie jeweils nach einem verlorenen Krieg re. Denn mit der Demokratie sei es wie griff. und durch fremde Bajonette eingeführt wor- mit der Armee: Ihre Marschfähigkeit Die Erinnerung an die „schlechte Zeit“, er diee den war und sich unter Besatzung und hänge vom Magen ab. Die aktiven De- ; vielen im t he von Wiederauf- Ernäh- Wirtschaftskrisen bewähren sollte. Der mokraten waren in jenen ersten Nach- b nd Wirtschaftswunder zunächst [aß die katastrophale Lebensstandard nach dem kriegsjahren eine verschwindend gerin- pv . verdrängt, mag nicht wenige len da Zweiten Weltkrieg behinderte zudem ei- ge Minderheit, und ihr Einsatz wie ihre Deutsche, die eU Jahre erlebt und er- röglich ne konstruktive Auseinandersetzung mit Leistungen sind vor dem Hintergrund tt haben erade dann einholen, Delik- der nationalsozialistischen Vergangen- der Not um so höher zu bewerten. wenn über Ser und Not vor allem in moon. E ! : ; chen Erhöhung der Le ensmittelimmpor- V ; ; allem sich rde hei tücht yenizen Menschen te und durch den Marshall-Plan wurde tiv zu behaupten, daß die nachweisbar t ohne eine Flucht in die Vergatgenheit Uück zt ein neues Kapitel in der Geschichte der hohe Spendenbereitschaft der Deut- 2 eines bessere Tage registriert. Aussprüche wie deutschen Ernährungslage aufgeschla- Schen für derartige Krisengebiete sich - sofern „Unter Adolf war es doch besser. da hat- gen. Der Übergang t rs. ue: zum neben zweifellos anderen Motiven - logisch ten . etwas zr LG r 1gu ders Wohlstand, ja zum Überfluß. vollzog Eben gerade aus dieser historischen Er- e Met tur ' eso ss sis fich spdzteunichtss felbunsslos. zes htm ;::..8 "a se ju vuurtics mcc. . p |> LE" {us Uosecko ia ürinncruns ruten mit UErat verbesserte sch ie >rährangils Ur ver fru Fru tde !.: oc. L + e zum wesen, weil die besetzten Länder scho- L ngsverlusten durchgeführte er va !resmiglt ' , länd d ; Währungsreform nicht nur ihre Erspar- Vereins für Lübeckische Geschichte '" aller nungslos ausgeplündert worden seien. nisse, sondern zunächst auch ihren Ar- und Altertumskunde gehalten hat. Die [ emen Die Verfechter einer deutschen Demo- beitsplatz genommen hatte, konnten Ausführungen basieren auf folgender fährts kratie standen vor dem Dilemma, daß ih- kaumnoch die rationierten Lebensmittel ausführlichen Darstellung des Themas: elmehr re Idee mit der trostlosen Lage des Vol- bezahlen. Der Weg von der circa ISjähri- Gabriele Stüber: Der Kampf gegen den Am 30. kes in Verbindung gebracht wurde, da gen Planwirtschaft zu einer freien Markte Hunger 1945-1950 . Die Ernährungsla- [emen die von der Militärregierung eingesetz- wirtschaft gestaltete sich äußerst schwie- ge in der britischen Zone Deutschlands, : „Die ten, später gewählten demokratischen rig und war von heftigen partei- insbesondere in Schleswig-Holstein rensj Institutionen letztlich machtlos waren, politischen Auseinandersetzungen be- und Hamburg (= Studien zur Wirt- kerung für das politische und wirtschaftliche gleitet. Es sollte noch bis zum 30. April schafts- und Sozialgeschichte Schles- ichges Ühaotabrrxcrantsorthch gemacht wur- 1950 dauern, als nämlich die 1939 einger wisg-Holsteins, Bd. 6). Neumünster den. Und auch die Zeitschrift „New führte Rationierung nach mehr als 10!/, 1984. Lübecker Blumenspende: Erfüllung sozialer Aufgaben, Konto Sparkasse 1-00 33 34 U. 11/188) t jb.Bl. 11/87 181
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