Full text: Lübeckische Blätter. 1986 (146)

zusehen sein, Meisterwerke gar nicht gende Architektur verlangt geradezu liegen. Ein doppeltes Direktoriat müßte sc oder verschämt in zwei kleinen abseitir nach einer Konfrontation mit moderner notwendig zu unerquicklichen Ausein- sF gen Räumen vorzustellen. Jede Kunst Kunst,. und St. Katharinen mit dem her- andersetzungen um einzelne Stücke füh- SO kann nur wirken, wenn man sie wirklich vorragenden Licht und den schönen ren, um Konzeptionen und Abstimmun- be ernst nimmt und ihr keine Alibifunktion Raumverhältnissen kann wie kaum ein gender Aktivitäten. Bleibt dies in einer - Wwe zuweist. anderes Gebäude für das Museum so ger noch zu definierenden ~- Gemeinsam- be nutzt werden, daß sich hier historische keit, dann kann für alle Institute nur Po- wi Der ungelöste Konflikt: Das Drägerhaus Baukunst und Werke der Moderne tref- sitives dabei herauskommen. Damit soll ha Die Problematik. in einem Museum bil- fen. Dabeisoll es nicht um billige Effekte dem Museum am Burgtor weder seine nù ende Kunst kulturgeschichtliche Ent- gehen, sondern um eine ernsthafte Dis- Eigenständigkeit, noch seine besondere wi Wicklun ne] unsere 7eue- kussion, die beweisen könnte, daß das Ausformung beschnitten sein. Ein Ge- st. fiisse uus EN ZU zs wild ander eur Humanum die Kunst aller Zeiten durch- danke dazusollte aber ernsthaft erwogen w: zeption gen Drägerhauses offenbar. Ei-. waltet und daß deshalb auch scheinbar werden: Die Gefahr dieser Art histori- K nerseits ist es der Präsentation der Wer- sehr widersprüchliche Phänomene ein- scher Museen ist stets, dals in innen weni- KR ke von Overbeck und seinen Freunden ander erklären und bereichern können. ger gezeigt, als mehr bewiesen werden in gewidmet, ist in diesem Teil also Kunst- soll. Was diese Art Museen oft so pene- G galerie, andererseits soll es an Geibel Mit vollem Recht das beliebteste trant und langweilig macht, ist ihr papie- wi und die Gebrüder Mann erinnern, ist al Museum: Das Holstentor rener Charakter. Das historische Mu- sc so Erinnerungsstätte im Sinne eines Lite- Die große - mit Abstand die der anderen seum m Frankfuri - man mag darüber G raturmuseums. Einerseits soll die Kul- Häuser übertreffende - Besucherzahl, sonst denken, was man will -ist dafür ein G! turgeschichte des ausgehenden 19. Jahr- die das Museum im Holstentor jährlich warnendes Beispiel. Wenn es nicht mög- „F hunderts in Lübeck gezeigt werden, an- zu verzeichnen hat, kommt nicht von un- lich ist, Geschichte sinnlich erfahrbar zu El. dererseits stellt es kunstgewerbliche Ge- gefähr. Der Grund liegt zum einen in machen, s0, dal die Dinge selbst spre- zu genstände aus, deren Bezug zu Lübeck dem als Baudenkmal singulären Tor chen, dann gerät das Museum in die Ge- mu nur losen Charakters ist. Darüber hinaus zum anderen an der exponierten L gts kahr, unlebendig und doktrinär Z1 wer- he verlangt auch hier die historische Baur und dem hohen Bekanntheitsgrad. Nicht den. Da l das ganze Froj ektnicht einfach ne substanz im Erdgeschoß nach originalna- weniger aber erfreut sich das Museum zu realisieren sein wird, muß jedem klar WE her Rekonstruktion und Ausstattung. deshalb einer so großen Beliebtheit, weil sein, der das Gebäude mit seiner gr oBar- ke Der Besucher sieht sich einer irritieren- hier die Begegnungen mit der Geschich- tigen, aber sehr dominierenden mittelal- au den Vielfalt der Aspekte gegenüber, oh- te ganz ungebrochen möglich ist. Alle terlichen Architektur kennt, der um die Fr ne daß er ein klares Bild davon erhallen Exponate haben den Reiz des Uralten, Probleme weiß, die dur ch die denkmal- WI. kann, was jeweils das Anliegen des Mur des Geheimnisvollen oder aber des Wie- pflegerischen Einschränkungen entste- für seums ist. Außerdem wirken manche dererkennbaren und aus der Gegenwart hen. Gc Arrangements wie zeitlich verschobene in die Vergangenheit Übertragbaren. Ein Wort noch zur Geschichtswerkstatt Be Wiederholungen ähnlicher Aspekte im Kinder wie Erwachsene begeben sich so- Herrenwyk. Entstanden aus einer Doku- K! St. Annen-Museum und im Behnhaus. zusagen auf Entdeckungsfahrt in die Ge- mentation und Ausstellung, hat sich hier un Man wird in der Zukunft nach Lösungen schichte, alles ist handgreiflich und di- etwas entwickelt, das auch Schwächen enn dieses Problems zu suchen haben, vor al rekt. Man mag die Präsentation naiv zeigt: Ein Erinnerungsmuseum an ein die lem wie dem Werk und der Person von nennen und ihr eine kritische Durchdrin- Werk, dessen Bedeutung für Lübeck lic] Thomas und Heinrich Mann eine noch gung absprechen, doch ist wohl gerade nicht bestritten wird, dessen Wichtigkeit SO gerechtere und sinnfälligere Präsentar dies eines der Geheimnisse des Erfolges. in der Gesamtentwicklung der Industria- de: tion geschaffen werden kann. Es solle Ohne daß sich wissenschaftliche Theore- lisierung Deutschlands aber nur periphe- ka aber niemand erwarten, daß dies in me zwischen Exponat und Besucher ren Charakters ist, muß überkordert mu schnellen Schritten erfolgen kann. Sorgr schieben, kann sich jeder sein Bild ma- sein, wenn die Problematik von Arbeit nic fältige Planung und Behutsamkeit helken chen. Indem das Museum auf die Aus- und Leben im Industriezeitalter allein an nic hier mehr als überstürzte Ad-hoc-Ent- strahlung der Objekte selbst vertraut, tut seinem Beispiel dargestellt wird. Kann scheidungen. es ihnen möglicherweise den größten das Projekt nicht in einen größeren Zu- Dr Dienst. Sollte das Museum im Holsten- sammenhang überführt werden, so läuft s1c Das Bauwerk als Denkmal oder tor einer anderen Konzeption weichen es Gefahr, das Interesse der Offentlich- grc Museum? St. Katharinen müssen, wäre die Stadt um eine große keit zu verlieren. Es wird also die vor- Hc Jeder Besucher der Kirche ist angerührt Attraktion ärmer und das Museum ver- dringliche Aufgabe des Museums für ger von ihrer Schönheit. Selbst im jetzigen lÖre einen nicht unerheblichen Einnah- Kunst und Kulturgeschichte sein, die in ! Zustand muß sie als eine der bedeutend. Meposten. He rrenwyk zusammengetragenen Dinge lien Bauten der Backsteingotik gelten wissenschaftlich so zu bearbeiten, dals y Feten csr mac cn § q u Das Museum im Werden: später entschieden werden kann, was wöhnlichen mittelalterlichen Malereien Das Burgkloster und in welchem Umfang davon in das und eine durchgreifende Restaurierung Noch ist alles Planung, noch wird am spätere historische Museum cingeglie- müssen fortgesetzt werden, um ein an- Konzept gearbeitet, noch arbeiten Mau- dsrt yerden muß. Dazy aber bcdart es schauliches Bild des Sakralraumes zu ger rer und Restauratoren. Das historische [!: EBuyrsgkloster erseiterter Ayzsstel. ben. So großartig die Kirche ist und ss Museum im ehemaligen Kloster der Do- :: über u Keriha! hinarzs. beeindruckend ihr Charakter, als Teil eic minikaner wird aber die Museumsland- Man sieh t, auch hier ist sorgfältige Pla- nes Museums ist es nicht genug, sie als schaft in entscheidender Weise verän- yung tis: Spontane Bege izteruns . reines Baudenkmal zu zeigen. Wieder- dern. Sicher ist dies: Für die Kontinuität und sei sie noch so gut gemeint — ist, wie um war es Carl Georg Heise, der mit den der Entwicklung, für eine gedeihliche aut allon Gepicten der Wissenschaft. der Ausstellungen, die er in den 20er Jahren Zusammenarbeit ist es unbedingt not- Fache wenig dienlich. in St. Katharinen veranstaltete, und der wendig, daß sowohl die Planung als auch . genialen Idee, Barlach mit der Schaffung die Leitung des Museums für Kunst und Mehrer des Reiches . . . der Fassadenfiguren zu beauftragen, den Kulturgeschichte als auch des stadtger Dieses sollten sie sein, verlangte man x Weg gewiesen hat. Lübecks herausra- schichtlichen Museums in einer Hand von den deutschen Königen und römi- = Lüb. Bl. 20/86 LA 3 Z )
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.