Full text: Lübeckische Blätter. 1985 (145)

Diebstahl entwendet. Seitdem bestand Glücksgöttin Fortuna darstellen. Aller- der Wunsch, wenn nicht diese Uhr, die dings dreht sie sich hier im Rhythmus der ein altes Geschenk an das Museum war, Zeit, nicht dem Zufall überlassen, aber wieder zurückzubekommen, so doch ei- trotzdem genauso unerbittlich . . . "“ andere Arbeit dieses zu seiner Zeit Besonders schön ausgeführt sind schließ- ekannten Mannes zu erhalten. Durch lich noch die Gravuren auf dem durch- Zukall ergab sich im Frühjahr dieses Jah- D IOCHU KEN FU NE OL CHEH-ICAR C- res eine Möglichkeit: Aus Holland wur- schen mit Tierdarstellungen. Nacheinan- de eine sogenannte Türmchenuhr ange- der folgen Pferd, Hirsch, Hund, Pan- boten. Sie erwies sich aufgrund ihrer Si- ther, Löwe, Einhorn. Men zin Sicher gnatur „M. Niclas Planke Kleine Urma- sein, dals es sich um bedeutungsvolle cher in Lubec als weiteres Werk, und Emblemata handelt, doch müßte ihr Ar als das Jetzt zweite bekannte. Dank Sinn noch entschlüsselt werden. Im Ge- des Eingreifens der Kulturstiftung des gensatz zu uns heutigen war den damali- Luises thesis HUotrten Be dar- gen Menschen der Sinn solcher Darstel- authin die Uhr zunächst tür Lübeck gest; lungen bekannt und geläufig. Es gab so- kürte »erdev. sun such nue als Leihga- gar eine reiche juna ge - die sich bsp der : Emblematik befaßte, z. B. das berühm- Es wurde schon gesagt, daß die Uhr dem te Werk (Iconologia) des Cesare Ripa Schema der sog. erchenuhran kolgt. (1593). Hier harrt also vielleicht noch ein Solche Uhren wurden hauptsächlich in Geheimnis der Enträtselung, das auch Nürnberg und Augsburg hergestellt und über den geistig-humanistischen Hori- waren ausgesprochene Exportschlager. zont der damaligen gebildeten Lübecker [select L: “cs der Eiei hu: nen Arkaden, hinter denen eine Kuppel fAuzkunkt eebeu tourte: G G anke deshalb dazu entschloß. nichtnur g„yfscheint. Rund um die Basis dieses Stilistisch gesehen ist die Uhr ein Bei- LÄeuutror. gs hs ykal als Nun. Geschosses läuft die Signatur, so daß spiel der Spätrenaissance, wie sie sich in erger 31 §6 ? begelrt yen ere man sie von oben lesen kann. Sonst liegt Norddeutschland ausprägte. Die Kom- fielen; § rr hct Tisc Y +sr Esst: auf ihm das versilberte und erneuerte position des Aufbaus ist zwar klassisch ter Art. Dazu bedurfte es allerdings der Zifferblatt. Über ihm ist eine Kugel kast beeinflußt, doch folgt sie keineswegs )! itstheit g Evrzthuutseeker schwebend angebracht, die ihrerseits Strengen Richtlinien. In ihrem Wesen ist Es En teÖ ist vor ä em z! . §: m wieder ein silbernes Figürchen mit Zei- die Uhr sogar unklassisch, manieristisch, e un eure. enn. iesy he err © gestock trägt. Die Kugel, blau emailliert kapriziös. So wird deutlich, daß Italien E: Faux zou “gie o! qr. eta t und mit goldenen Sternen besetzt, stelt Weit weg ist, daß das Formgut mittelbar hes! F;t®s. les Versi es:. erso © den Himmelsglobus dar und zeigt dank Von dort in den Norden gelangte, über ens und Gravierens, ja, auch des Fein- ¿iner mechanischen Vorrichtung, ver. den deutschen Süden, aber auch auf dem gusses, alles Techniken, die neben den niitels derer sich über die Kugel eine Wegüber die Niederlande. Präzisionsarbeit der Gehwerkherstel- goldene Schale schiebt, die Mondphasen Björn R. Kommer lung bei unserer Uhr Anwendung fan- An. Die kleine Frauenfigur wird wohl die (Fortsetzung auf Seite 368) den. Daß in Lübeck damals hervorra- gende Goldschmiede ansässig waren, wissen wir seit den Forschungen J. Warnckes und M. Hasses. Die Türmchenuhr des Niclas Planke ist nicht nur als technisches Denkmal und ; Meisterwerk anzusehen - das in dem ; Glaszylinder steckende Werk mit Stack- t freed, Spindelhemmung, Stahlunruhe, ; Schweinsborstenregulierung und Stun- L denschlagwerk ist von außergewöhnli- cher Qualität - sondern auch als Kunst- ] werk von ästhetischem Anspruch: Auf | einem sechseckigen konkav gebogenen, auf Engelsköpfken ruhenden Fuß in durchbrochener und gravierter Arbeit erhebt sich ein in Stufen aufgebautes dreistöckiges tempelartiges Gebäude. Das untere höhere Stockwerk wird von sechs versilberten Säulen gebildet, die zwischen sich den Glaszylinder mit dem Uhrwerk nehmen. Diese Säulen, be- krönt von zwiebelartigen Gebilden, tra- gen überdies das zweite, eingerückte ; niedrigere Stockwerk. Letzteres besteht . aus 15 vergoldeten Säulen mit 6 versil- , berten Zwiebelbekrönungen. Hier ver- birgt sich die bronzene Glocke. Das dritte, abermals eingerückte Stock- werk zeigt eine Folge von durchbroche- ' IRI66 Lüb. BI. 22/85
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