Full text: Lübeckische Blätter. 1985 (145)

hatten entstehen sollen. Dieses Anliegen entsprach den Wünschen der Bauherren nach einer festlichen Gestaltung, um den Hallenraum universell nutzen zu kön- nen: neben Ausstellungen auch für Kon- gresse und für Großveranstaltungen al- Ier Art. Sehr bald wurde in diesem Zusammen- hang auch vorgeschlagen, die Halle nachträglich zum Denkmal der 700-Jahr- Feier von 1926 zu erheben. Noch im No- vember des Jahres folgte der Aufsichts- rat den in der Presse kursierenden Vor- schlägen und beschloß, die Halle als „700-Jahr-Halle“ zu benennen. Beraten worden war auch über die Bezeichnun- gen „Trave“ oder g,@Ostseehalle“, „Nordlandhalle“, „Festhalle“ und ,Pos- sehlhalle“. „Möge ihre Ausführung der Auttakt sein zu einer guten Gesamtlösung der Bebau- ung des Holstentorplatzes, um die sich “chou. j'ie iu deu vetgoruer. Fur: Vie Ausgestaltung des Innenraums besorgte Alfred Mahlau seinen Nachruf auf Virck in der Deut- schen Bauzeitung 1927. . . . Diesen Wunsch kann rt! noch heute Tintoretto oder die Spekulation reichen. Sicher sollte i § . § .. u gehen, die .ts sss ct aut die Vergelßlichkeit der Lübecker Flütetttonisrles rh . H . Ü sen- Neben dem Memlingaltar und den Kin- sekonferenz den herbeigeeilten Korre- Prart jz: V. 15 v. t v e r um gern Lindes von Edvard Munch ist die spondenten vor. Diese, froh, eine kleine zweierlei: 1stens um-che schlichts F est: Auferweckung des Lazarus des Venezia Sensation zu haben. verbreiteten die f's]ys. qué sie q §errols! Fetrug hct Icepo Pstoretro Lübecks berühm- Nachricht von dem glücklichen „Fund“ ; : estes Gemälde. ü ü j z Denkmalschutz §short. cu um die rz ear ue baratctegebuessss .ru rz cl s Einsicht, daß sie als Bindeg 18 zvischens, .) dam ccine Urheberzchtt nickt. f. Restaurierung versprochen. Es hatte Altstadt und Vorstädten nach wie vor ei- Vergessenheit gerate, seinen Namen in sich nämlich herausgestellt, daß man im ne sinnvolle städtebauliche Bedeutung großen Lettern auf das Bild geschrieben. 18. Jahrhundert. um das Bild an seinem hat, auch wenn dies im Augenblick kaum Se]bstverständlich hat auch Jacob von Platz kraftvoller zur Wirkung zu brin- erlebbar 154: Melle in seiner „Gründlichen Nachricht gen, die Tiefen allzusehr verstärkt hatte. Ihrer Bestimmung als Stadthalle konnte von der Kaiserl. freyen und des H. R. Die Abnahme der Übermalungen war die Holstenhalle nur wenige Jahre die- Reichs Stadt Lübeck“ im 18. Jahrhun- sehr mühsam. ging nur langsam voran, nen: von den Nationalsozialisten nach dert dieses „unschätzbare Kunststück“ cdaher brachte man das Bild nach Freile- 1933 zunächst zur Inszenierung nordi- Tintorettos herausgestellt. Nur aus- gung einer einzigen Figur, der Magdale- scher Weihestunden im Zeichen des Ha- nahmsweise wurde das Bild in einer ume na. stillschweigend in die Kirche zurück. kenkreuzes benutzt, wurde sie im Herbst fangreicheren Beschreibung Lübecks Nun, 28 Jahre nach der „Entdeckung“ 1938 im Zuge der Kriegsvorbereitungen nicht erwähnt. Auch die Kunsthistoriker des Bildes durch Fritz Schmalenbach, zur Einlagerung von Getreide zweckent- haben in ihren Arbeiten den Lübecker mußte erst. wie in den Lübecker Nach- fremdet. 1941 ging sie in städtischen Ber Tintoretto stets gewürdigt. Strittig blieb richten zu lesen war, ein Volontär kom- sitz über. Nach dem Zweiten Weltkrieg lediglich, wie weit das Bild durch Über- men. um das Bild Tintorettos wieder ein- improvisierte man die Nutzung als Short. malungen des 18. Jahrhunderts in seiner mal zu ..entdecken“. An sich ist zu be- und Veranstaltungshalle in der heutigen Wirkung beeinträchtigt sei oder ob Tin- grüßen, daß das Bild einmal ohne seinen Form. 1957 wurde die Hallenfront hinter toretto einzelne Partien durch Mitarbein monströsen Rahmen den Lübeckern na- dem modernistischen Gebilde des Ge- ter habe ausführen lassen. Auch war he gebracht wird und daß ein Volontär werkschaftshauses am Holstentorplatz man sich nicht darüber einig, ob es nicht des Museums das im Laufe der Jahre von versteckt. angemessener sei, das berühmte Gemäl- den‘ Wissenschaftlern zusammengetra- Guter Rat scheint heute teuer. Der Ab- de ohne seinen zeitgenössischen aber gene Material aufbereitete und in einer riß aber wäre eine allzu billige Lösung. doch erdrückenden Rahmen zu präsen- Dokumentation der Öffentlichkeit vor- Lübecks Reichtum ist sein einmaliges tieren. Lange Zeit hatte man das Bild oh- stellt. Doch so bescheiden wollte unser Stadtbild: die Stadt muß deshalb in die. ne seinen Rahmen ausgestellt. Schließ- Volontär. wollte die Zeitung nicht sein. Erhaltung der Baukultur investieren. Zu lich siegten jedoch die historischen über Man rechnete damit. daß die Lübecker diesem Stadtensemble gehört auch die die ästhetischen Argumente, und das jhren Tintoretto ohnehin nicht kennen Randzone der Altstadt: die Wallanla- Bild wurde wieder in seinem alten Rah- und daß die „Entdeckung“ des Bildes gen, der Hafen, der Holstentorplatz, die men autkgehängt. durch Fritz Schmalenbach längst verges- östliche Vorstadt bis hinüber nach Marli. 1957 entdeckte Fritz Schmalenbach das sen sei. Vielleicht sind aber jetzt die Lü- Wird sich diese Einsicht noch rechtzeitig bekannte Bild für sich, ließ das Gemälde becker bereit. den Tintoretto der Katha- durchsetzen? in die Museumswerkstatt bringen und rinenkirche als ihren Tintoretto zu ak- Dr. Christoph Timm stellte seine „Entdeckung“ in einer Pres- zeptieren. Max Hasse Lüb. BI. 11/85 z i 17
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