Full text: Lübeckische Blätter. 1985 (145)

1897/98 an, ..dass die Fassade im Stile der beschri gegenüberliegenden St. Marienkirche Bauwe auszuführen sei“ *, um dem Platz seine spreche Ensemblewirkung zu bewahren. - Ohne ] konkrete Bauvorhaben, aber als Anre- Damit gungspotential hat „der Wettbewerb des baulich Vereins ,Lüder von Bentheim’ in Bre- Und w men“ 1901 den Zweck, „für Bauten in laufe d der Altstadt Bremen mustergiltige Fas- von un saden zu gewinnen, die sich den in Bre- Rathau men üblichen alten Stilformen anschlie- leicht d Ben“; ähnliches verfolgt noch 1907 ein bäudes vergleichbarer Wettbewerb in Zittau 24 am Ma Für Lübeck ist das gleiche aus dem Jahr Zusam. 1901 überliefert ?. staltun; Hier hatte die „Gesellschaft zur Beför- u. t derung gemeinnütziger Tätigkeit“ den sehen, Wettbewerb ausgeschrieben. Er sollte geh. . dazu dienen, Fassadenentwürke zu erlan- gleichz: gen, „„die den künstlerischen Charakter Ich kar des StraBenbildes erhalten und den Lü- hauptu becker Bauherren als Vorlagen“ dienen Abb. 11: Erinnerung an die Zeit der Postkutsche bedeut: sollen“ ?“. Gefordert wurden Wohn- . Ö . U 3 und Geschäftshäuser, die ..„neuzeitlir: ralpostmeister in seiner Ansprache zur Gleiches gilt für die 1872-74 der alten den M chen Bedürfnissen entsprechen sollen Eröffnung des Postamtes, wie bereits zz Domkurie vorgeblendeten Fassaden am Westse und sich in Formen und Material dem tiert, hingewiesen, und dabei noch zu- Pferdemarkt 10 und 16, die einen Trep- die Ent Charakter der überlieferten Lübecki- sätzlich betont, daß das Postamt in pengiebel und reiche Verwendung von ist J in schen Bauweisen möglichst anschlier Zweck und Stil Neues mit Altem sinnfälo Form und Glasursteinen aufweisen; die Ben““ 2b Gewinner des Wettbewerbs lig verbinde Nachbarhäuser - vom gleichen Bauun- war der Lübecker Bauinspektor Johan- Umgekehrt werden am Rathaus selbst ternehmer Müller errichtet Se _ greifen nes Baltzer. umfängliche denkmalpflegerische Maß- allerdings Formen anderer Stile auk, und Ku) Allen diesen Bauten und Projekten ist nahmen vorgenommen, von der Wieder- Segen solche Beispiele richtete sich der gemeinsam, und das gilt entsprechend herstellung der Kriegsstuben-Fassaclen Wettbewerb von 1901. Ge! auch für die Post in Lübeck, daß sie mit bis zur angleichenden Erneuerung des Nicht nur mit Rücksicht auf die benach- " maschinell hergestellten Ziegeln sowie Ratswärterhauses direkt daneben. Dar- barte Kirche, sondern auch aut die örtli- : durch freie Verwendung und Umwand- an läßt sich - und ich zitiere hier aus che Tradition, entstand 1874291 das Ka- H meer lung gotischer Formen als Architektur „Nürnberg und Lübeck im 19. Jahrhun- tharineum nach Plänen von Carl Georg ückhn des 19. Jahrhunderts, des Historismus, dert“ und deute das Folgende durchaus Adolf Schwiening. Die vorgesehene gerhavs zu identifizieren sind, ja, sich als Zeug- positiv - in Verbindung mit dem, dem Nlutzung erforderte einen Großbau, des- tine [ü nisse ihres Jahrhunderts durchaus zu er- Rathaus gegenüberliegenden und in der sen lange Fassaden, wie bei der Post, Iq hule kennen geben wollen. So sagt etwa zur Tat die dortige Front des Marktes ber durch Risalite und Fialengiebel geglie- t se Zeit der Errichtung des Lübecker Post- herrschenden Postgebäude beobachten, dert werden. Oéstm: amtes ein bedeutender Architekt der ,wie im späten 19. Jahrhundert dieser ej ej it bentall öffnete Neugotik, Johannes Otzen, über die mit- Platz als das bedeutendste Architektu- EN cue feueren. Ê §2! § J un ten unc telalterlichen Baumeister sowie sich und rensemble der Stadt angeeignet und ak- 1893-96 Êus etreuerou vo w. en Beliebt seine Kollegen: „Wir wollten schaffen in tualisiert wurde. Unverkennbar ist die gj Is fes Ziso liche kreunde ihren Formen und in ihrem Sinne ein Tendenz, dem ganzen Platz eine monu- fvewrew e fene Il ems ! Fig. gn: „Wir p! neues Werk, ein Werk des 19. Janrhun- mentale Fassung zu geben und dabei sei- Err a re Her o st! allerdings dic Pro men ( derts“ 26 nen gotischen Charakter zu potenzie- Ü § s js gt: ; . künstle: Die eben kurz vorgestellten Vergleichs. ren“ . Auch läßt sich bis zu einem gewissen Bücher bauten verkörpern - und das unterscheir Offensichtlich war um 1900 nach dem Grad sagen, daß die Wechselschichten Gaulin det sie zum Beispiel auch von dem Lür Boom der Gründerzeit eine solche Maß- slasierter nnd unglasierter Ziegel die „Nach - becker Reichsbankgebäude, das durch nahme nötig geworden, während sich auch noch schr stark plastisch geslieder- ein Ha den verwendeten Sandstein aus dem dleißig Jahre früher noch oder schon ein te Fassade zu seh r zus ihrer Umgebung und hei Rahmen fällt - zugleich die Absicht, sich Anknüpfken an die Tradition beobachten herausheben. Stilistisch ist aber hier dis mit Ge dem überkommenen Charakter der läßt. Als Beispiel nenne ich den Speicher Einbindung versucht., man stelle sich Kunst.“ Stadt einzufügen. Eben deshalb tritt de der Getreidefirma Mann, 1873 an der for. ve befremdlich sich hie r em-; Mas maltes Post als neuer Behördenbau, wenngleich Untertrave erbaut, der aus Backsteinen I? auch möglich gewesen väre - nesba- somit d nicht mit ausschließlich lübischen For- errichtet wurde und Formsteinprofkile so- rocker Justizpalast ausmachen würde. in die men, in enge formale Bezienung zum wie Blendarkaden und einen kleinen Post und Gericht wurden in Lübeck in ei- beck“ e Rathauskomplex und zieht damit, wie Treppengiebel aufweist. Ahnliches gilt ner der Bedeutung der Stadt gemäßen j kürzlich, allerdings kritisch, angemerkt für den Speicher der Getreidehandelsfirr sehr repräsentativen Form errichtet. j Gratik wurde, „etwas von dessen geschichtli: ma Lienau von 1870 und den benachbar- Dakß sich bei solchen Neubauten eine ge- [Micro: cher Aura auf sich“ %a. - Aber warum ei- ten Speicher der Eisenhandelsfirma Pos- wisse Hierarchie der Orte ergab, ist im Ptirats gentlich nicht, schließlich treten die Ber sehl, beide ebenfalls an der Untertrave. Vergleich zu Lübeck an der etwa in der üer der hörden des Reiches nun neben die über- Es handelt sich um Zweckbauten, die gleichen Zeit entstandenen Post von Bad [us de: kommenen Regierungs- und Verwal- zwar teilweise ihre älteren Nachbarn Schwartau abzulesen, bei der sich der z!§nd. : tungsstrukturen. Daraut hatte als Kenn- überragen, aber immerhin den formalen Formenapparat auf die sparsame Ver- Uteich- zeichen der Zeit nicht zuletzt der Gene- Rückbezug suchen. wendung von Form- und Glasursteinen huwyÙ K] ' Lüb. BI. 6/85 b H]. 6; h
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.