Full text: Lübeckische Blätter. 1981 (141)

(s anderen Worten, man stand vor einem wickelte. Lebensnerv war aber die Verbin- rung einer Anzahl von Fabriken oder Ma- hf- Scherbenhaufen, den es in irgendeiner dung nach Hamburg, denn Lübeck bezog ja nufakturen im späten 18. Jahrhundert wa- . Form langsam zu beseitigen galt. Das war die meisten Güter für seinen Export von ren durch die Franzosenzeit vernichtet wor- n, aber nicht so einfach, weil der Handel, die dort. Gerade hier waren aber größte den. In den späteren Jahren konzentrierte h;: Haupterwerbsquelle der Stadt, sich inzwi- Schwierigkeiten zu überwinden. Eine gute man sich zunächst auf den wichtigeren ü- schen zum Teil andere Wege gesucht hatte. Verbindung zwischen Hamburg und Lü- Handel, auch schien Lübeck bei der Nähe Es war daher sehr mühsam, die alten Ver- dbveck lag nicht im Interesse Dänemarks, zu und Konkurrenz Hamburgs kein geeignetes t bindungen wieder zu knüpfen und die verr dem Holstein gehörte, und dementspre- Derrain für die Ansiedlung von Industrie zu . lorenen Positionen wieder zurückzugewin- chend verhielt sich die Kopenhagener Re- sein. Der Ausweitung von einheimischen [ nen. Dabei war Lübeck von vornherein in gierung ablehnend. So verhinderte sie 1334 Gewerbebetrieben zu Fabriken stellte sich N. einer wesentlich schlechteren Position als den Bau einer Eisenbahnlinie durch eine aber die Zunftverkassung entgegen. Sie sQ beispielsweise die Schwesterstädte Bremen englische Gesellschaft. Den Ausbau der schrieb den einzelnen Meistern genau vor, fs und Hamburg. Diese waren aufgrund ihrer Chaussee zwischen Hamburg und Lübeck was sie herstellen durften und wie und mit ! t geographischen Lage an der Nordsee, die verzögerte sie ebenfalls, so daß die Straße wie vielen Hilfskräften. Dieses System hat- M, ihnen unmittelbaren Zugang zum Welt- erst 1838 vollendet werden konnte, obwohl te aber durchaus noch eine gewisse Berech- [§§ meer bot, im Vorteil. Auch gab es kaum ei- sie nach allgemeinem Urteil in einem fürchr tigung, denn gerade nach der schweren ro- ne Stadt an der deutschen Nordsee, die den terlichen Zustand war. Beurmann nannte Franzosenzeit sicherte sie den kleinen Leu- ut. beiden Hansestädten ernsthaft hätte Kon- sie 1836 „unstreitig das Herz- und Rippen- ten wenigstens ein Existenzminimum, in- ler kurrenz machen können, wenn man von Zermalmendste in der Welt“ und „ein klein dem sie, wenn auch bisweilen in bizarrer ßBt- dem holsteinisch-dänischen Altona ab- nes, künstlich zusammengetragenes Fel- Form und auf kuriose Weise, durch ihre Be- Ine sieht. An der südlichen Ostseeküste warter senmeer“, welches „nur von Reisenden, die schränkungen für eine Art sozialen Aus- 2hr ten dagegen gleich mehrere Städte sozusa- sich eines festen Körperbaues erfreuen, ber- gleich sorgte. Trotzdem gab es seit den ren gen nur darauf, in die Rolle Lübecks als fahren werden kann“. Um aber am Vorteil 1I840er Jahren einzelne Fabrikgründungen, rk- wichtigste Vermittlerin von Industriewaren Lübecks und Hamburgs teilzuhaben, erhob und zwar in ganz neuen Bereichen, die mit nt- und hochwertigen Gütern aus dem Westen Dänemark nach dem Bau der neuen Straße den traditionellen Gewerben oder Hand- ger nach dem Norden und Osten einzutreten. einen empfindlichen Transitzoll. Die Eir werken nichts zu tun hatten: 1845 wurde ihr Die holsteinischen Städte wie Kiel und senbahnlinie nach Hamburg konnte erst die Konservenfabrik von Daniel Hinrich am Neustadt wurden dabei massiv von Däner I862-65 eingerichtet werden, doch konn- Carstens in der Fischstraße errichtet, der mark, dem sie ja zugehörten, unterstützt, te Lübeck 1847 mit Unterstützung Ruß- später noch mehrere solche Konservenfa- GE Städte wie Stettin, die nachmalige wichtiger lands, Schwedens, Preußens und des Deut- briken folgten. Eine Grundlage dieser In- Jer ste Konkurrentin, Danzig und Königsberg schen Bundestages die Bahnlinie nach Bü- dustrie bildete die blühende Gartenkultur sl von der Großmacht Preußen. Lübeck war chen durchsetzen. Sie brachte immerhin die rund um Lübeck. er dagegen auf sich selbst angewiesen, dazu Anbindung an Berlin und indirekt auch an Eine Lebensfrage für Iübeck ber eine auf das Wohlwollen und das Gewicht, ds Hamburg. fs ev 5 Y wech vu .. bersu. c Schweden und Rußland Lübeck gleichsam gelhstverständlich widmete man dem See- wurde es erst, als der traditionelle Handel als ihr ém südlichsten Hafen beimaßen. Auf hyerkehr ebenfalls größte Aufmerksamkeit nicht mehr ausreichend expandieren konn- un- Unterstützung Hamburgs, das Lübeck als und damit auch dem Hafen. 1824 wurde te, ja, sogar gefährdet war. Diese Situation Ist- seinen Ostseehafen benutzte und damit sei- „weimal wöchentlich eine Dampfschiffver- trat teilweise durch die Schutzzollpolitik nan Pen Welthandel nach Westen und Osten bindung mit Kopenhagen eingerichtet, des Deutschen Reiches seit 1879 ein. Noch or“, betrieb, konnte Lübeck ebenfalls rechnen. 1831 mit Riga und St. Petersburg. Der Ha- dringlicher wurde die Industrialisierung seit an- Trotzdem war es eme nicht Z1 verachtende fen wurde seit 1851 modernisiert, später 1895, und zwar veranlaßt durch die Eröff- SET große Leistung, daß Lübeck in: der Ostsee auch der Travelauf korrigiert. 1995-1900 nung des Kaiser-Wilhelm-Kanals, heute ten seine alte wirtschaftliche Position gegen ¿rfuhr dann das Wasserstraßennetz, das Nordostsee-Kanal. Er nahm mit einem Mal ne- große Konkurrenz zurückgewinnen und Lübeck nun auch mit dem Binnenland ver- Lübeck die bevorzugte geographische Lage fast bis zum Ende des 19. Jahrhunderts be- band, durch den Elbe-Travekanal seine und öffnete Hamburg und Bremen unmit- Sie haupten konnte. Vollendung. Der lübeckische Staat verfolg- telbar die Ostsee. Die beiden Schwester- 1 ir- Da der Handel traditionell die Haupter- te also durch das 19. Jahrhundert hindurch städte wurden zu unmittelbaren Konkur- on werbsquelle der Stadt bildete und ganz of. kontinuierlich und beharrlich das Ziel, die renten Lübecks und nahmen bedeutende Ka- fensichtlich keine Ursache bestand, dieszu Grundlage des Handels, der Haupter- Handelsanteile weg. In Lübeck erkannte Das ändern, war die Politik des Stadtstaates werbsquelle der Stadt, zu sichern. Wie man man durchaus die Lage und widmete sich aus ganz auf die Wiedergewinnung verlorener sah, mit Erfolg. diesem für Lübeck ganz neuen Problem mit V Ur- Positionen und Sicherung des Besitzstandes (3egenüber der Sorge für den Handel traten Eifer. 1889 wurde der Lübecker Industrie- 1nd. ausgerichtet. H scuuper a tt ße zu vorhandene oder verein gegründet, der es sich zur Aufgabe uen Als wichtigstes Ziel mußte die Sicherung anzusiedelnde Industrie zurück. Dies hatte machte, die vorhandene Industrie zu för- We- der Verkehrswege unter Benutzung der seine Gründe. Die Anfänge einer Art von dern und neue anzusiedeln. ; Mittel gelten. die die Technik damals ent- früher Industrialisierung durch die Etablie- (wird fortgesetzt) ie- ZU- ht: Verkehrsverbund für Lübeck sétr Vor etwa einem Jahr wurde in der Glosse stig, das heißt, der Individualverkehr wird und daß „autogerechte“ Verhältnisse eine fich der LV „Rund um die sieben Türme“ vor- wahrscheinlich noch mehr zunehmen. So Entwertung bedingen. Trotz der Versuche, é!4 geschlagen, auch in Lübeck eine V-Bahn zu jedenfalls liest man im November-Heft (Nr. die Innenstadt zu umfahren, ist dennoch ge- YH bauen, sie vielleicht sogar auf Hochgerür 20) der Lübeckischen Blätter 1980. rade die Innenstadt Ziel und Quelle für ei- . sten in die City zu führen. Möglicherweise Wohl keine Stadt dieser Größe in der BRD nen großen Teil des Lübecker Verkehrs. So fckt- war der damalige Vorschlag nicht nur hu- kann auk ein so bedeutendes zukunkftsträch- werden auch nach dem neuen Verkehrs- fh: moristisch gemeint, denn in der Tat ist die tiges Kapital historischer Bausubstanz ver- plan weder der Busverkehr, noch Fußgän- [26: Prognose für den Verkehr in Lübeck auch trauen wie Lübeck. Man hat erkannt, daß ger oder Radfahrer die Innenstadt ausrei- !!: aufgrund des Generalverkehrsplans ungäün- man mit diesem Fundus wirtschaften sollte. chend vom Verkehr entlasten und man soll- NF A
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