Full text: Lübeckische Blätter. 1981 (141)

ch § § . Christliche Ordnung der Stadt Lübeck und stli- Wir hatten bereits kurz über die Festsitzung ner Institution sui generis heraus, die nicnt materielle Basis braucht, daß Ideen auf die eili- aus Arles der 450-Jahrkeier der Bugenha- von Menschen gemacht und beherrscht Dauer wirkungslos bleiben, wenn sie nicht Est- genschen Kirchenordnung im Audienzsaal wird, aber doch ohne menschliche Partizi- in Strukturen festgemacht werden. Deswe- den des Rathauses berichtet. Heute möchten pation keine Kratt entfaltet. Auf die Frage gen versucht die „Ordeninge“, die alten be- wir auf die Referate von Prof. Dr. Wolk- „Womit bewältigen wir das Leben?“ gibt Kirchengüter vor yt; §ükularzzierung durch sche Dieter Hauschild und Bürgermeister Dr. die Reformation die Antwort: Durch ein den begehrlichen staatlichen Zugriff zu igen Robert Knüppel eingehen. Alle Anspra- unerschütterliches Vertrauen auf den Len- schützen, was ihr auch in bemerkenswer- ders chen und der Festvortrag von Herrn Prof. ker der Geschichte, durch die Gewißheit, tem Umfang gelungen ist. Die Güter des Hauschild werden im nächsten Jahrbuch daß er es gut mit den Menschen meint, auch Domkgpitels und der Klöster bleiben für st „Der Wagen“ im Wortlauk erscheinen. wenn der Augenschein der Wirklichkeits- kirchliche Zwecke erhalten, die alten i. Prof. Hauschild stellt in seinem Vortrag die erkahrung das genaue Gegenteil lehrt. Freir Pfründen werden, soweit man darüber ver- ce Frage, worin die Bedeutung der Refofma heitsbewegung sei die Reformation also fügen kann, für die Besoldung der Prediger, tr tion für unsere aktuellen Lebensprobleme fr weil sie Mut zum neuen Leben ger Lehrer, Küster und Organisten eingesetzt. den liegt. Er hob heraus, daß es um die Verant- z: der aus hict the Kraft heraussetzt. Fehl- wit dem Evangelium könne man die Welt chet wortung der ganzen Stadt für das Gelingen ' ve lungen zu widersprechen. nicht regieren. Diesen Grundsatz stellte hter des Lebens, also um die Gemeinschatt aller, Ein zweiter Aspekt der Veränderungen, die Luther gegen die Schwärmer heraus. Die an.. der verschiedenen Schichten und Gruppen, die Reformation mit sich gebracht habe, sei Reformatoren meinten, man könne nur mit um den Einsatz der vielfältigen Kräfte, der die neue Orientierung des Lebens. Sie in- einem Gesetz, das im Dienste des Evange- | geistlichen wie der weltlichen, für das, was tendiere eine Reform der Predigtinhalte, liums stehe, d. h. mit Ordnungen, deren Or e, man altmodisch das Gemeinwohl nennt, nicht eine völlige Anderung der Kirchen- Sinnhattigkeit als Lebenshilfe einleuchtet gen- gehe. Im Sinne Bugenhagens müßte man struktur. Der Reformation liege viel daran, regieren. Die Obrigkeit habe Anspruch auf LE- danach fragen, welchen Beitrag Christen die Bürger zu mündigen Christen zu erzzer Gehorsam, damit das Gemeinschaftsleben rtett zur Lösung der Gemeinschaftsprobleme hen, die vom Worte Gottes her in den ger funktioniert. Aber die G d 10to,. liefern können. Dazu sei auch ein histori- [oirten Berufen das für das "fiese is f quer ju Leu z zu gr Alt: scher Rückblick nützlich. der Stadt Erforderliche verantwortungsvoll Gottes Wort hungsle, WO sie esso V MSCdZCCULEZIU sR; sh Gh RG t “js Urag,. Flche \otosermuza u: [rt dr neue Lateinschule zu schicken und le, d. h. den Menschen totalitär zu manipu- ; am Pn LE C U Erick VOC GEF O: ieselbe angemessen zu unterhalten. Bu- llieren versuche. Egg EEEIÏ3ISSSI…Ss S SC OOE ii. [gen huurer ener chicht sozialer tendes Argument zurück: Wenn die Ge- fee A neue s g rs zu zes Yon ti ufsteiger, die gegen die etablierten Mächr gceinschaft Kinder tauft, dann muß sie auch d Autiallon tüuts vcuogus cri: f souen das Büncnis von Dombklerus und urch entsprechende Erziehung dafür or. 1qjiven Bereich. Christlich sei r, die Be- é ;§ En, en, daß sie Gottes Wort verstehen und im ;; rfti ; ! ; ZM; /'! jz 99). E eben amsenden können. Die Retorma. dien Scnici§endn uad ru Shen 'Glie: ret: itt hinzustoßen. kritische Geister fuse errerescruwg.l Zet, Her Stuhtgemewschskteine sehduität enzel f Fs! ; G Veränderungen habe es weiter im Bereich üounälen hinausgeht. Christlich sei zer die Müh- Gegen diese Bewegung stellt sich der Rat, der Armenpflege bzw. Sozialfürsorge gege- Ordnung ein solches Verhalten, das dem Teil- der seine Maßnahmen allerdings wegen be- ben. Da Christus die notleidenden Men- Vorbild Christi und dem Wort Gottes ent- Ab- absichtigter Steuererhöhungen wieder zur schen als seine Brüder der Obhut der Chri- spricht. Deswegen solle die Tätigkeit der st- rücknimmt. 1530 bricht das gesamte alte sten anbefohlen hat, muß die Stadtgemein- Armendiakone nicht nur „ordentlich“ son- \NSE- Kirchenwesen zusammen. Um die Ent- schaft, wenn sie sich an Gottes Wort orien- dern auch ,christlich“ erfolgen, deswegen wicklung nach einheitlichem Konzept in ge- tiert, in völlig neuer Weise dieses bis dahin sollen die Kinder nicht Hur Lunstlick“ (d. "' ordnete Bahnen zu lenken, holt man sich sowohl von der Bürgergemeinde als auch h. pädagogisch sachgemäß) "Sondern auch uur den besten Organisator, den man in Nord- von der Kirche vernachlässigte Aufgaben- ,christlich“ erzogen > crdes; deswegen soll " deutschland bekommen kann, Johannes feld beackern. Aus dem bisher weithin prir das mittelalterliche Stiftungzverinögen §zen Bugenhagen aus Wittenberg. Dieser macht vaten Engagement wird eine öffentliche welches bislang kultischen Zwecken md “zu sich mit den Wortkührern der evangelischen Verptklichtung. klerikaler Selbstbehauptung diente, Zicre unc Ewigen aufgeschlossenen Ratsherren Auch theologische Fragen gewannen nun „christlick“ verwendet, nämlich für die So- Ä GcK an die Arbeit. Am 27. Mai 1531 kann die gn Bedeutung. Theologie, die sich an „Got- zialfürsorge eingesetzt werden. ,t Neuordnung vom Rat beschlossen werden. (s Wort“ orientierte, welches jedermann f hh;csCsbztâle Koniponenicesciqns Neue it ügige Doch nicht der Rat allein trägt diese Ent- zugänglich war, blieb nicht mehr die Sache j¡&formatorischen po! ti der Christlich- is für scheidung. Die Bürger haben sich über die einiger Experten, sondern konnte aut offe-. (eit. und man kann LE E; Gc daß die hung bisherige Mitwirkung in Finanzfragen hin- nem Forum diskutiert werden. l C Z8itlichs Stadtgemeinschaft cécis äiik reuz- aus die politische Mitbestimmung in allen hHje Predigt der evangelischen Freiheit sol- die Dauer geprägt wurde, auch wenn die 1OSSES Grundsatzfragen des Gemeinwesens er- te in der Bevölkerung eine Bewußtseinsän- Wirklichkeit oft schmerzlich hinter dem ehen- kämpft. Ein Ausschuß, paritätisch aus gerung bewirken, aus welcher die organisea- Anspruch zurückblieb. Christliche Ord- 1men, Kaufleuten und Handwerkern zusammen- torischen Veränderungen konsequent fol- nung konkretisiere sich z. B. in der Schul- n Zu- gesetzt, vertritt nun ihre Belange, gleich- gen mußten. Ein Indiz dafür, daß Bugenha- ordnung und in der Armenordnung. Hier othek fam eme Vortorn des heutigen Organs jen und die Lübecker Lutheraner nicht schaffe die Stadt aus christlicher Verant- g die- „Bürgerschaft“. gleichgültig gegenüber äußeren Ordnungen wortung heraus sich neue Aufgabengebie- Stadt Die Reformation brachte ein neues Ver- verfuhren, sei ihr nüchterner Umgang mit te. Der reformatorischen Position sei eine chuli- ständnis von Freiheit. Christliche Existenz den Finanzen. Dieser verrate ein kluges Differenzierung zwischen dem Christlichen 1s/ hiw versteht sich aus „„Gottes Wort“ als aus eir Gespür dafür, daß jede äußere Form eine und der Kirche angelegt. Die „Christliche I: ");
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