Full text: Lübeckische Blätter. 1981 (141)

der Denkmalpkleger allerdings von seiner „Zielplanung“ lösen müssen. Die (böse) § Folge ist, daß auch das Stadtplanungsamt das Erhaltungsgebot nach g 39 h Bundes- Lüb baugesetz nicht aussprechen kann, wenn zun das Denkmalamt dazu nicht die fachliche Eu. Hilfestellung zu geben bereit ist. Die Mög- 114 lichkeit, das ganze Objekt Beckergrube 91 gen nach Sicherung und Teilabtragung der daß Brandruine zum „CGrabungsbereich“ zu er- Ber: klären (das Gesetz hätte dies zugelassen), Tra wurde ebenfalls nicht wahrgenommen. lage Und viertens: Wieder muß die Lübecker Ans Abbruchpraxis beklagt werden. Trotz be- Dr. sten Wissens, vielleicht sogar heiligster Am Schwüre werden Ruinen, deren histori- den' scher Kern nicht zu übersehen ist, als Gan- lichc zes dem Abbruchunternenmer auf Ab- eine bruch verkauft. Die zu bergenden Materia- ne c lien gehören somit zu seinem Geschäft. An- dem ders ausgedrückt: Die Stadt Lübeck, die Vers sich in verbaler Kraftprotzerei über ihre nem stolze Vergangenheit ergeht, ist nicht in der ner Lage, über die Bauaufsichts- und Denk- Rau malschutzbehörde einen angemessenen Für Schutz der Reste dieser Vergangenheit Fun durchzusetzen. Die „Sachzwänge“ gehen her doch - wie in dem hier beschriebenen Fall so kr - erst zuallerletzt von der historischen Sub- Beke stanz aus; alle anderen Argumente sind grols übergeordnet. dürt Nun, das „Kind ist im Brunnen“; Becker- fan grube 91 ist in der ersten Märzwoche 1981 den „getilgt“ worden. Was ist das Fazit? ob , Abbruch-Verträge sollten eine qualitative [r Dimension haben. Im historischen Bereich der Innenstadt muß ein Abbruch zu jeder Wen Zeit anzuhalten sein. Auch muß angesichts germ überraschender Befunde ein nachträgliches dann Unterschutzstellen erfolgen können, trotz se F gegebener Abbruchgenehmigung. Zu den heißt Kosten müßte die Stadt natürlich beitragen. in vic Eine Abbruchgenehmigung sollte erst nach gesr: eingehender Prüfung des betreffenden Ob- dage Abbruch des Renaissance-Flügels von Beckergrube 91 am 5. März Foto: Finke jekt etennr res iq % ‘ ' werden. Erst nachdem eine genaue terer [hoc: Ein Skandal? Ja, ein handfester sogar. Zweitens gilt es ein Ärgernis aufzudecken: suchung durch Bauhistoriker stattgefunden tes Zunächst muß vom mehrfachen Versagen die „Zielplanung“. Auf Anfrage wurde mit- hat, sollte ein Abbruchverlangen über- ti: des Denkmalamtes gesprochen werden. geteilt, daß Beckergrube 9 1 sich nicht in der haupt geprüft werden dürfen. Wie schon so oft, hat hier nach „Augen- „Zielplanung“ befände, daß also ein Denk- Dieser Fall war sicher eine bittere Lehr schein“-Besichtigung das Amt befunden, malschutz „grundsätzlich nicht angestrebt‘. \ Wenn man die Praxis beobachtet, ist zu Ire. M sich den Abbruchplänen des Besitzers Rei- sei. Was bedeutet das? Man muß anneh- fürchten, daß es noch zu mehr te die mers nicht in den Weg zu stellen, wenn auch Men, daß nicht ein beamtetes Fachgrer ser Art kommen wird. Matckced Fire Die mit der in historischen Bereichen üblichen Mum, sondern der liebe Gott - der sich be- Ausn Auflage, „besondere Funde“ sofort zu mel- kanntlich nicht irrt und der nichts vergißt - Muse den. Hier ist zu fragen: Konnte der Denk- die Liste jener Lübecker Bauten erstellt noch malpfleger die qualitativ hochwertige Si- hat, die grundsätzlich und auf lange Sicht SEN, ( tuation nicht erkennen? Wenn es mittler- die Unterschutzstellung verdienen. Anders und d weile durchgesetzt zu sein scheint, daß ein gesamt: Das Amt kann (und will?) den Mitglieder ben v vergleichsweise maroder und wirklich nicht Denkmalschutz nur dann aussprechen, Beh sonderlich aufregender Flügelbau wie der wenn besagte Kostbarkeit zufällig in der berücksichtigen ftand von Königstraße 30 als Denkmal in den „Zielplanung“ ist. werde Friedeschen Neubau integriert werden Und drittens: Gesetze sollten einen Sinn unsere eine N muß, dann kann das Abbruch-Einverständ- haben. Der Paragraph 7 des Denkmal- Inserenten! nicht nis des Denkmalptlegers für die qualität. schutzgesetzes kann ein gefährdetes Bau- ' meist volle Architektur von Beckergrube 91 nur werk bis zur endgültigen Unterschutzstel- gen, mit Verblüffung registriert werden. lung im Bestand sichern. Dazu hätte sich 1981 zu nu )( )
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