Full text: Lübeckische Blätter. 1980 (140)

che. Das Probekostüm wurde am 16. 7. 1913 im Se- stüm 1000 Mark nicht überschreiten würden. Fest- nat vorgeführt und gebilligt „mit allen gegen vier gelegt wurde auch noch, daß bei Tafel Mantel und Stimmen“. Anderungen wurden nur gewünscht in Krause abzulegen sei. Gegrüßt werden solle nur bezug auf den Westenstoff, der aus reiner Seide sein durch Verbeugen, nicht durch Hutabnehmen. sollte, und hinsichtlich des Mantels, bei dem man ei- Eine lange Dauer war der nach soviel Mühen end- ne „leichte Wattierung“ (Beschluß bei Vorlage der J1;ch wieder aufgenommenen Amtstracht nicht be- Stoffe am 26. 7. 1913) für erforderlich hielt. Zum er- schieden. Das letzte Mal hörte man von ihr am 2. 1 sten Male angelegt werden solle die neue Amts- 1915, und zwar negativ: Wegen der Kriegszeiten tracht zum 18. 10., dem Jubiläumstag der Völker- verzichtete der Senat auf das Tragen der Amtstracht schlacht bei Leipzig, und davon sei „der Bürger- pi der Einführung des neuerwählten Bürgermei- schaft durch Senatsdekr et einige Zeit vorher sters. Zwar sollte dies ausdrücklich „ausnahmswei- Kenntnis zu geben“. se“ geschehen, doch scheint es dabei geblieben zu Zu guter Letzt war dannnoch ein „Regulativ“ hin- sein. sichtlich des Tragens der Senatstracht erforderlich. Wie sahen nun aber die historischen Quellen zur Ein diesbezüglicher Entwurf wurde am 24. 9. mit [ jjhecker Senatstracht aus? Hielt man sich 1913 einigen sofort eingefügten Anderungen genehmigt wirklich an das Vorbild von vor 1813? Hierzu sind und zum Druck befördert. Nach dem Regulativ war einige Anmerkungen angebracht. Diese müssen sich die Amtstracht anzulegen bei der Einführung des indessen, wie seinerzeit, auf die Bildnisse im Rat- Bürgermeisters, bei der Wahl und Einführung eines haus, in den Kirchen und im Museum stützen, weil neugewählten Senatsmitgliedes, bei dem Begräbnis Lchriftliche Unterlagen keine mehr vorhanden zu des Bürgermeisters, bei dem Begräbnis eines Se- gein scheinen; die diesbezüglichen Akten des Ar- natsmitgliedes seitens der hierzu abgeordneten Der (Chivs sind nämlich seit Auslagerung im letzten putierten, bei festlichen Veranlassungen, an denen Krieg verschollen. f? Fest teiluimn t. yeuy che Anlsgun f tt amts- Zunächst ist zu bemerken, daß für die Amtstracht tigen feierlichen Veranlassungen nach Beschluß des 2:9 q s. sera Hürgermeistersteachtvsr Sarjztz. : . _1: . schließen, daß die Senatoren vor 1813 anders als die Bezahlen solle jedes Senatsmitglied seine Amts- Bürgermeister gekleidet waren, und nach den erhal- tracht selber, während man den Senatssekretären tenen Bildern war das wirklich so. Denn mindestens und dem Staatsarchivar die Kosten aus den Besieh geit etwa dem letzten Viertel des 17. J ahrhunderts tigungsgeldern des Rathauses erstatten wollte. Da- trugen die Ratsherren über der, wie es scheint, nor- bei ging man davon aus, daß die Kosten für ein K- malen, aber schwarzen Festkleidung der Zeit, nur einen halblangen schwarzen Umhängemantel mit breitem umgeschlagenen Kragen und ebenfalls breiten, umgeschlagenen Armeln. Der Mantel, der keinen Pelzbesatz zeigte, wurde offen getragen und ließ daher die charakteristischen langen, bäff- chenähnlichen Kragenenden sichtbar. Der Kragen lag unter dem Mantel und dem darunter getragenen schwarzen Rock, aber über der Weste. Neben Man- tel und Kragen gehörten zwei goldene Gliederket- ten, welche unter dem Kragen angelegt wurden, zu den Würdezeichen der Senatoren, wie übrigens auch zu denen der Bürgermeister (lat. Consul bzw. Proconsul; letztere Bezeichnung war im Mittelalter üblich und kommt vereinzelt bis ins 17. Jahrhundert vor. Seit der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts wurde jedoch in engerer Anlehnung an die römische Antike die Übersetzung von Bürgermeister mit Con- sul üblich. Damit hatte man im Mittelalter Ratsherr ~ später Senator - übersetzt). Selbstverständlich trugen die Senatoren in der Zeit, seit der die obigen Feststellungen Geltung hat- ten, also seit dem letzten Viertel des 17. Jahrhun- derts, Perücken. Eine Einheitlichkeit ist hier nicht festzustellen, doch scheint eine gewisse Tendenz er- kennbar, an altertümlicheren, dafür offensichtlich als „ehrwürdiger“ empfundenen Perücken festzu- halten (2. B. Bildnis Senator Wildtfanck, um 1800, St.rAnnen-Museum). Gegenüber den Senatoren waren die Bürgermei- ster vor 1813 prächtiger und eher so, wie 1913 für 1913: G. Behrens-Romberg, Entwurfsskizze für die cen Senat insgesamt beschlossen, gekleidet. Den- damals eingeführte Senatstracht. noch galt auch für sie, daß die untere Kleidung der Foto: Archiv der Hansestadt Lübeck Mode der Zeit entsprach, also aus Hemd mit Spit- 362
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