Full text: Lübeckische Blätter. 1980 (140)

Band 1: Archäologische und baugeschichtliche Un- zwischen der Entfaltung der schauspielerischen Mög- tersuchungen zur Hansestadt Lübeck. Band 2: Unter- lichkeiten der Darsteller und dem existentiellen Ernst suchungen an Tierknochen. Band 3: Archäologische der Aussage, so daß die Bewunderung der künstleri- und baugeschichtliche Untersuchungen zur Hanser schen Leistung eins wurde mit der Erschütterung, die stadt Lübeck. Band 4: Beiträge des Lübeck-Ssympor das ungemein intensive Ausspielen der Szenen auslö- siums 1978 zu Geschichte und Sachkultur des Mittelalo ste. ters und der Neuzeit. Band 5: Untersuchungen zurro:- Edgar Marcus bewies einmal mehr seine Wandlungs- geschichte im Lübecker Raum. Band 6: Archäologische fähigkeit. Wie er die Figur des KX in ihrer Schwerfül- und baugeschichtliche Untersuchungen zur Hanse- ligkeit, ihrer Orientierungslosigkeit und Treuherzig- stadt Lübeck keit immer mehr erschloß, Funken von Mutterwitz auf- Der Band 1 enthält Untersuchungen zur Vorger dùllitzen ließ, inre Habgier vorführte und ihre Verzweif- schichte in der Hansestadt Lübeck, und zwar fünf all- lung und Traurigkeit auslotete, verdient höchstes Lob. gemeine Beiträge, acht Grabungsberichte und acht Das Gleiche gilt für Horst Vingons Darstellung des AA. Fundbearbeitungen. Tierknochen aus dem mittelalter. Dessen Ausspielen seiner intellektuellen Überlegen- lichen Lübeck aus der Grabung Königstraße 59-63 heit als Ausdruck innerer Schwäche, sein aggressives und des 13. bis 20. Jahrhunderts aus dem Heiligen- Verhalten als mühsam verhüllte Angst vor dem Allein- Geist-Hospital werden in Band 2 vorgestellt. d. sein gab Horst Vingon mit faszinierender Souveränität. Dieser durchaus nicht sympathisch angelegten Figur gewann der Künstler Nuancen ab, die sie dem Zu- Theater und Musik RBG EON Emigranten“ - Stück von Slawomir Mrozek enden wollendem Beifall von einem dankbaren und be- » . geisterten Publikum geteiert. Günter Kohfeldt Die Reihe der Studioaufführungen wurde mit Mro- zeks „Emigranten“ eröffnet. Besser hätte pr usr nicht anfangen können, denn diese Premiere brachte einen : f.. L }-.,. N: G gr fangso ronner Erfolg für den Regisseur Werner W. P. Barillet und J.-P. Grédy: Die Kaktusblüte Malzacher und seine mit geradezu atemberaubender Die hiesige Aufführung der Komödie „Die Kaktus- Intensität agierenden Schauspieler Edgar Marcus und blüte“ erwies die beiden französischen Autoren des Horst Vincon. Christine Hornischer erstellte das realir Stückes als versierte Könner in der Kunst, das Publi- stische Bühnenbild: einen ernüchternden Kellerraum, kum amüsant zu unterhalten. Sie verstehen es, ihre Fi- der dem intellektuellen Emigranten AA und dem yzguren so in Situationen zu verwickeln, daß sich komi- Gastarbeiter XX zur Behausung dient. Beide kommen sche Effekte ergeben, garniert mit unaufdringlichen aus demselben totalitären Staat, haben ihn aber aus Gags. Sie haben vor allem die Gabe, Figuren zu erfin- unterschiedlichen Gründen verlassen. Der Gastarbeir den, die den Schauspielern gute Rollen bieten. ler pz spät.r vssütertheinuchren. umsict zit ßcinst Dis; L cscdiz: sls für den Zahnarzt Julien, der un- : LT â : ] : h ver indliche Flirts mit jungen Mädchen eingeht und ther qe Hetreluns des Menken urch sich seltst Sh, src tmn, segen über sdurch zi wgren schreiben. Kinder zu sein. Die junge Antonia aber meint es ehrlich Die Spannung des Stücks ergibt sich aus der zuneh- und will unbedingt seine Frau kennenlernen, um die mend eskalierenden Konfrontation dieser Männer, die Ernsthaftigkeit seiner angeblichen Scheidungsabsich- völlig aufeinander angewiesen sind. Sie wird vornenm- ten zu überprüfen. Und das führt zu den typischen Ver- lich von dem Intellektuellen provoziert, der den Arbeir wicklungen der Boulevardkomödie, an deren Ende Ju- ter als eine Art Versuchskaninchen für sein Werk ber lienseine Sprechstundenhilfe Stefanie heiratet, die seit trachtet. So suggeriert er ihm, derart Sklave seiner 1I5 Jahren mit der Zuverlässigkeit einer Ehefrau für ihn Habgier zu sein, daß eine Heimkehr für ihn schon un- sorgt. Und diese Gestalt des Stückes ist es, die - jeden- möglich geworden sei. XX erliegt diesem Scharfsinn, falls in der Interpretation von Dagmar Laurens - dem vernichtet sein Geld und muß dann feststellen, daß dier Klischee der Komödienfigur entgeht. Die Entwicklung ser „Befreiungsakt“ ihn nur noch stärker gebunden hat Stefanies von der resoluten, spröd-widerborstigen ~ an seine mörderische Arbeit und an seinen Partner. Sprechstundenhilfe bis zur liebenden Frau zeigt sie, Zugleich ist damit auch die theoretische Konzeption souverän ihre vielseitigen schauspielerischen Mittel der „Selbstbefreiung“, die AA seinem Werk zugrunder- einsetzend, mit hochkarätiger Gestaltungskraft. An- legte vernichtet - und er zerstört sein Manuskript. An- fänglich fast altjüngferlich, fächert sie durch ihr nuan- ders als bei Brecht wird hier der Mensch nicht von seir cenreiches Spiel die Möglichkeiten dieser Frau so faszi- ner Gesellschaftsschicht, sondern von seiner Psyche nierend auf, daß ihre Strategie des verführerischen determiniert. Charmes nicht nur bei Julien, sondern auch beim Pu- Werner Malzacher leitete sein Zweierteam mit sensi- blitumn zuüberr;ältizenden Ertolg kükrt. bler Einfühlung in das Psychogramm der beiden Män- Den in Nöte geratenen Schwerenöter stattet Otto Sa- ner. Mit Akribie wurden die Nuancen des Spiels unaufr wicki mit den Vorzügen seiner erfahrenen Komödian- dringlich vermittelt und exakt die Balance gehalten tik aus. sicher seine Pointen setzend und in der L WERKSTATT EN FOR kondltorel & café MCH LC IN NEN EINRICHTUNG kurt hennig DEKORATION marzipan-ausstellung ys rea s. . POLST ERM DB EL diabetiker-spezialitäten STI LM D B EL holstenstraßBe 13-15 278
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