Volltext: Lübeckische Blätter. 1980 (140)

Es kann als filmhistorisches und kommunalpoaliti- „Durch die Tätigkeit der Musterkinos (!) wird auch sches Ereignis ersten Ranges gelten, daß die Sci!” der Teil des besseren Publikums für das Kino ge- räte von Eickel schon im Jahre 19 12 die Bedeutung wonnen werden, der bisher ihm noch ablehnend gE- des Mediums Film erkannten und die Pflege des gu- genüberstand.“ Und so geschah es, ter Fs sls eus kuttgrslls Avtgsbe betrachteten. In einer Schrift aus dem J ahre 1913 findensich die Kin kurzer Ausschnitt aus der Begründung mag Grundzüge für ein neues Präsentationskonzept für dies verdeutlichen: die Musterbühnen. „Programme statt Filme“ hieß „Wünschenswert erscheint die Anlage ei 1 die Devise, die sich als Alternative und nicht als weil zur Zeit ein ordentlicher derartr es f mmal. Konkurrenz zu den bestehenden Privattheatern Bickel nicht vorhanden ist ... Sodann aus ästheti. Verstand schen, kulturellen und patriotischen Gründen, um Auch Hilmar Hofkktmann entwickelte die Vorstel- dem Schund, der in solchen Privattheatern in der lung, nicht nur einzelne interessante Filme zu zei- Regel geboten wird, entgegenzutreten und an dessen gen, sondern zu Themen oder Genres gebündelte Stelle Filme von wissenschaftlichem, unterhalten- Filme. Das breite Angebot für ein differenziertes dem und volksbildendem Wert Zu setzen, sodann im Publikumreicht von „CGenre-Serien, Zyklen mit Fil- Verein mit auf ähnlichen Grundlagen aufgebauten men eines Regisseurs, eines Schauspielers, eines Ka- Anstalten allmählich Einfluß auf den Filmmarkt meramannes, einer Phase der Filmgeschichte, Kurz- der jetzt vom Ausland fast ausschließlich abhängig kilmstaffeln, Dokumentarfilmen und Filmprogram- ist, zu gewinnen und so die Millionen, die noch aus Men aus Ländern, über die wir außer unseren Vorur- dem Lande fließen, hier zu behalten. Endlich, um teilen nur wenig wissen (etwa aus Israel, Latein- das Kino in den Dienst der J ugendpflege und Hoch- Amerika, Afrika, Kuba, UdSSR, Volksrepublik Chi- schule durch geeignete Vorkührungen zu stellen.“ na. Indien usw.) “ „Es war ein kulturgeschichtlicher Augenblick“. so Dazu kommen die begleitenden Aktivitäten der berichtete der Augenzeuge und Mitautor der Schrikt Kommunalen Kinos, die ebenfalls nicht neu sind, „Kino und Gemeinde“, Franz Bergmann, ,als sich sondern 1912 praktiziert und in der Schrift aus dem der in einem Lichtermeer strahlende Saal verdun- Jahre 1913 formuliert wurden: schriftliches Begleit- kelte und das erste Bild auf der Leinwand erschien; material und Kinokurse. Neu ist, daß heute auch ein neuer Zweig gemeindlicher Verwaltung war ent. Kurse in Filmgeschichte, Filmtheorie und allgemei- standen. Hatte sich doch das Kino einen gleichber ner Medienkunde angeboten werden. rechtigten Platz neben dem städtischen Theater er- Die deutsche Kinolandschaft hat sich in den let;- obert, wo sie nun beide nach ihrer Figenart, das letz- ten zehn Jahren entscheidend verändert. Die Kom- tere durch Pflege höchster Kunst, das andere durch munalen Kinos haben mit dazu beigetragen, daß Wiedergabe der bewegten Wirklichkeit in allen in- zich die kommerziellen Programmkinos entwickeln ren ungezählten Möglichkeiten, an der Bildung und konnten, die „elûcc Netiér. Typus von Filmtheater Hebung des Volkes arbeiten können “ unter Kulturciles wie wirtschaftlichen Aspekten Das erste Gemeindekino machte Schule: Zahlrei- darstellen und recht gut florieren“, „die von altein- che Städte wie Altona, Wiesbaden, Buer, Bottrop Sesessenen Filmkaufleuten betriebenen ebenso wie und Osterfeld, trafen „Vorbereitungen für die Grün. die von iungen Filmenthusiasten geführten“ dung von Kinos nach dem Eickeler Modell . . . In- Walter Schobert: „Manches alte Kino ist vor dem zwischen waren auch zahlreiche westfälische Ge- Umbanineinen Zr Lrraaziet oder vor der Umwand- meinden dem Aufruf des IV. Westfälischen Landge- lung in ein Þ 1 r zperw! sement bewahrt geblieben, meindetages gefolgt, Filmvorkührgeräte anzuschaf- uns sich ein paar junge Leute zusammengetan ha- ken, die an wechselnden Orten zu jeweils festen ben und in ihnen ein erfolgreiches Programm anbie- Spielzeiten eingesetzt wurden, und zwar in den ten, für junge Leute hauptsächlich und nach eben Landkreisen Bochum, Dortmund, Hattingen, Jen Rezepten, die zuerst die Kommunalen Kinos Schwelm und Recklinghausen “ U ESN t: t tete éraursersnnt u zh usiuulvb:ieer Ert Haben sich die kommunalen Kinos“, so kragte die : man anlangs noch einige Befürchtun- % h ; Ir n°nvvoc_.ea aaa... :23 Ô me des Kinobetrie es in eigene "erwaltung der Ge- § ick] fetzt U Herlcht?. Die Lr tvrcit meinde gespannt sein durfte, so läßt sich schon heu- dieser Ertvithlungss jetzt Tun Het i te behaupten, daß das Experiment durchaus gelun- ! Horst Schäfer, dem lang; . en. e Rss ist. Das erste Gemeindekino setzte sich in alen des Duisburger Filmforums und A trüncier de Hevölkerungsschichten durch, so daß schon eine ft EstÔupts füt Ketaitcuials FUqsrbett. ist L Vergrößerung, ein Bühnenanbau mit einem Kosten- r s je! O hc q UE UN aufwand von rund 25 000 Mark geplant werden r gr ru dc r cüt Emtec EE ltonutsä noch vom kommerziellen Kino vernachlässigten Nicht nur Befürworter dieser neuen Kinoform gab Filme, Genres, Gattungen zu präsentieren. Da war- es damals wie heute, sondern auch Gegner. Die gleir tet immer noch viel, was unbekannt ist und mehr chen Argumente wurden benutzt: Während die ei- Aufmerksamkeit verdient - historische Filme eben- nen in dem Gemeindekino eine lästige Konkurrenz so wie Filme von neuen Talenten, Filme aus den jun- sahen, erkannten die Befürworter, daß „die besseren gen Filmländern in gleichem Maße Wie die, die hier- Privattheater sogar indirekt Nutzen von den Ge- zulande entstehen. Bei innen können wir eine große meindekinos ziehen können“ und fügten hinzu: Rolle spielen in einem lebendigen Prozeß des Ent- I7r.
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