Full text: Lübeckische Blätter. 1979 (139)

Lübeck mit der Signatur Ms. theol. lat. 65 handelte haltsverzeichnis, seinerzeit ausgeführt von dem und informierte Lübeck. Sie besorgte auch zugleich Lübecker Bibliothekar Dr. Weber, befindet sich im die Ausfuhrgenelimigung, so daß der Kodex für die Handschriftenkatalog im ehemaligen Direktor- Rückkaufsumme von DM 10000,- (der heutige Wert zimmer der Lübecker Bibliothek. liegt wesentlich höher) sofort seinen Platz in Lübeck hätte wieder erhalten können. Was sagt dieser Vorgang aus? Einmal hat es Direktor Dr. Bock versäumt, unbeschadet der Frage Und nun geschieht das Unglaubliche, für das es 0©b Rückkauf oder Rückforderung, die Rechtsan- keine Parallele gibt: Der neue Direktor der Stadt- sprüche der Hansestadt Lübeck an ihrem Eigentum bibliothek Lübeck, Dr. Bock, vom 1. 7. 1971 bis zum gdeutlich zu machen. Er selbst war überhaupt nicht 1. 7. 1973 mit Beratervertrag für drei Tage im Monat petugt (Beratervertrag!) über städtisches Eigentum in Lübeck tätig, lennt in seinem Antwortschreiben zy betinden. Es wäre seine selbstverständliche an das Antiquariat den Erwerb mit der fadenschei- Pflicht gewesen, sofort Bürgermeister, Senat und nigen Begründung ab, daß die „beschränktenMittel" Rechtsamt von dem Auftauchen des Kodex und einen Rückkauk nicht erlaubten. Daraufhin über- gJessen Erwerbsmöglichkeit zu informieren. Die nahm die Deutsche Staatsbibliothek in Berlin-Ost, „beschränkten Mittel" der StB hätten hierfür nicht die sich bereits vorher das Vorkaufsrecht gesichert herzuhalten brauchen. In solchen Fällen hätten in hatte, höchst glücklich über den Erwerb und milde einem besonderen Verfahren außerplanmäßige lächelnd über soviel Lübecker Torheit, den Kodex Bewilligungen beantragt und erreicht werden als Ms. lat. fol. 664. können. Außerdem wäre es nicht das erste Mal gewesen, wenn die Possehl-Stiftung (vergl. Lübecki- Einige Details zur Handschrift: Kodex aus der Sche Blätter vom 2. 6. 1957, ,47. Deutscher Biblio- Mitte des 15. Jahrhunderts in gutem Erhaltungs- thstsrstas , S 139) stand sinergrikten hätte, um zustand (Holzdeckel mit Leder, Buchbindersten- ÖZÖulturgüter für Lübeck zu bewahren. pel), 333 Blatt, Sammelband von theologischen Schriften bedeutender Verfasser, u. a. des Johannes Diese Ablehnung von kultur- und geistesge- Duns Scotus (gest. 1308), der in Oxford, Köln und schichtlichem Material, wie es sich durch eine solche Paris lehrte. Der Kodex gehörte dem Lübecker Handschrift als historisches Dokument der geistigen Syndikus Simon Batz de Homborch. Batz war Pro- Kapazität Lübecks um 1450 darbietet, ist für die rektor der Universität Erfurt gewesen und galt als Bibliotheksführung seit 1971 symptomatisch. Wer einer der ersten Vertreter des Römischen Rechtes. wie Dr. Bock historische Bestände einfach ver- Deswegen wurde er von dem Lübecker Senat beru- schenkt oder in die unbeheizten Bunker sperrt, wer ken und mit wichtigen außenpolitischen Aufgaben Dublettenvernichtet, werKunstgegenstände, dievon betraut. So vertrat er z. B. Lübeck auf dem Fürsten- vertrauensvollen Erben an die Stadtbibliothek ver- tag in Mantua 1459 (Einzelheiten über Batz vergl. kauft wurden, ohne Rückfrage oder Benachrichti- Gerhard Neumann: Simon Batz, Lübecker Syndi- gung an andereInstitute weitergibt, wer 170 wissen- kus und Humanist. Zeitschr. d. Vereins f. Lübeck. schaftliche Zeitschriften und Jahrbücher abbestellt, Geschichte u. Altertumskunde, Bd. 58 1978, S. 490 wer Standardwerke des. Bestandes verkauft und 73). diesen Verkauf mit unwahren Behauptungen begründet, der kann die von ihm eingeschlagene Er, der Lübeck als „Licht der Tugenden" bezeich- Richtung nicht mehr leugnen. nete, vermachte seine umfangreiche und bedeu- tende Bibliothek dem Rat der Stadt. Sie bildete mit Die von Dr. Bock konsequent betriebene Aushöh- den Beständen der Klosterbibliotheken und der des lung und damit Negierung der Wissenschaftlichen Katharineums den Grundstock für die heutige Bibliothek darf weder von der Verwaltung noch von Stadtbibliothek Lübeck, wie der Direktor der den politischen Gremien übersehen werden. Der Handschriftenabteilung der Deutschen Staatsbi- jetzt bekannt gewordene Fall, Verschweigung der bliothek Berlin vermerkte. Die Lübecker Stempel Erwerbsmöglichkeit und ihre Ablehnung, sollte sind inzwischen herausgeschnitten worden (doppel- nunmehr die Verantwortlichen auf den Plan rufen. köpfiger Adler mit Schild). Ein ausführliches In- Dr. Christa Pieske Zum 100. Geburtstag von Professor Paul Brockhaus Am 3. Februar 1879 wurde in Godesberg Paul und Sangesfreude als Charaktermerkmale erbte. Brockhaus geboren, der in den mehr als 50 Jahren, Dazu kam aus der Generation des Großvaters ein die er in Lübeck lebte und wirkte, so viel in gemein- starkes Interesse an theologischen Fragen und nützigem Sinne angeregt und durchgeführt hat, daß pädagogischen Zielen. Er verlebte in seiner Heimat- sein Name mit der Geschichte dieser Stadt und mit stadt eine glückliche Jugend, absolvierte die Reife- der „Gesellschaft zur Beförderung gemeinnütziger prüfung 1898 am Königlichen Gymnasium in Bonn Tätigkeit" verbunden bleiben wird. Er verstarb am und ließ sich zum Sommersemester des gleichen 2. Juni 1965. Jahres als Student der Theologie in Tübingen imma- Paul Brockhaus war der Sohn eines angesehenen trikulieren. Zäh und mit ganzem Herzen widmete er westfälischen Arztes, von dem er Schaffensdrang sich während der nun folgenden vier Jahre seinen 32
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