Full text: Lübeckische Blätter. 1978 (138)

eine bewußte Lenkung oder Steuerung stattfindet, Erscheinungsbild gehören, wir in ihren Restaurants entstehen beinahe über Nacht städtebauliche und essen, sie mit uns zusammen oder für uns arbeiten, soziale Problemgebiete. Nicht weil hier viele Aus- sind für uns die Ausländer: die Türken, die Grie- länder wohnen, sondern weil über Jahre Instand- chen, die Italiener. Kaum jemand differenziert, ver- setzungen unterbleiben, Modernisierungen nicht mutet, dak es auch bei Griechen und Türken so durchgeführt werden und zu dem noch eine Über- etwas wie soziale Schichten gibt, daß es ein Unter- belegung stattfindet. Die Überbelegungen wiederum schied ist, ob ein Türke aus einem industriellen haben eine höhere Abnutzung zur Folge. Dies wier Ballungsgebiet, einer Großstadt oder einem Dorf derum bestärkt viele Deutsche, aus solch einem Ge- kommt. In den Augen der meisten sind sie schlicht biet auszuziehen, mit dem Erfolg, daß in die freir Ausländer und wollen angeblich nur schlecht aus- werdenden Wohnungen wieder Ausländer nach- gestattete, möglichst billige Wohnungen. Also wer- ziehen. Bei alledem steigt der Mietpreis ständig. So den ihnen auch nur diese angeboten. wurde z. B. in der Innenstadt festgestellt, daß in den G . , Sanierungsgebieten die Ausländer für den gleichen At Qrund soziologischer Untersuchungen in den (schlecht-)ausgestatteten Wohnraum 50 bis 100 % rei Lübecker Sanierungsgebieten ist bekannt, dal Ur Aictc Fall ; § tstehen. in. Lites es sehr wohl eine Differenzierung bei den unter- e. x z es . en ssen. H B s en m G . schiedlichen Ausländerfamilien verschiedener Natio- E Van Pole et ée m U uren eur . fs nalitäten gibt, hinsichtlich sozialem Status, Einkom- bauliche und soziale Problematik so gravierend wer. ner, Familiengröße, Wohnungswünsche, Wohnungs- den, daß die öffentliche Hand die Sanierung für Komfort, Ausbildungsgrad und Arbeitsplatz. Im Lol che Feilbcreiche-in 1Angritt nehmen multi: Sbtorr wesentlichen hängen diese erkennbaren Unterschiede Lickt. wic.tu den städticchesz §anierungsgehieten cines it der sozialen Schichtung sowie in den daraus unter- Umfzssende Sozialplanung dafür Sorge trägt. daß schiedlich resultierenden Einstellungen ab, von auch die Ausländer entsprechend ihrem Standort uad ~ der Familiengröße, ihren finanziellen Wünschen Ersatzwohnraum anger ~& der Dauer des Aufenthaltes in der Bundes- boten bekommen, kommt es für die meisten Auslän- republik Deutschland, der zu Sanierungsver treibungen. Das bedeutet in dna . und der beruflichen und finanziellen Situation. meisten Fällen Vertreibungen in ein anderes städte- ; bauliches Problemgebiet, das dann übermorgen sa- Vereinfacht formuliert kann man behaupten, je niert werden muß. Es ist in Lübeck zu beobachten, vollständiger die gesamte Familie in der Bundes- daß Ausländer von der Innenstadt zunächst in republik Deutschland ist, je länger die Familie hier Wohngebiete aus den zwanziger Jahren ziehen. So- 'S. je sicherer der Arbeitsplatz ist, desto größer ist bald diese in Modernisierungsprogramme aufgenom- die Integrationsbereitschakt und der Wunsch nach men werden und mit neuzeitlichem Komfort ausge- Anpassung an hier geltende Wertvorstellungen, an stattet werden, setzt eine weitere Vertreibung ein. die Übernahme kultureller Eigenarten und gleich- Diesmal in den sozialen Wohnungsbau der fünf- zeitig die Distanzierung zu den eigenen Landsleuten. ziger Jahre. Die dort zur Zeit laufenden Moderni- Je sicherer der Arbeitsplatz, die Arbeitserlaubnis sierungsmaßnahmen lassen befürchten, daß es auch und die Aufenthaltsgenehmigung ist, desto eher kön- hier zur Vertreibung kommen wird. Noch ist der nen Zukunktsperspektiven entwickelt werden, desto soziale Wohnungsbau der sechziger Jahre „nicht ab- cher ist man bereit, dem Faktor Wohnen/Miete mehr schreibungsreif“. Es ist aber nicht unwahrscheinlich, Gewicht beizumessen. Solange aber die offizielle daß mit zunehmender Abnutzung und steigenden Ausländerpolitik von Versagungen, Beschränkungen Wohnansprüchen der deutschen Mieter auch diese und Ausweisungen bestimmt ist, solange die Un- Wohnungen „eines Tages leerstehen werden und sicherheit und die begrenzte Aufenthaltsdauer (Ro- dann zwecks ökonomischer Verwertung bis zur näch- tationsprinzip) erzeugt und enwünscht wird, solange sten Sanierung oder Modernisierung mit Ausländern werden sich die Wohnwünsche der Ausländer auf belegt werden. jene schlecht ausgestatteten Wohnungen beschrän- Dieser Teufelskreis, Vertreibung einer ganzen Be- ken, nicht weil sie ihren Bedürfnissen entsprechen, völkerungsgruppe von einem Sanierungsgebiet in des sondern weil angesichts ihrer finanziellen Verhält- potenziell nächste, muß gestoppt werden, weil nisse, angesichts ihrer sozialen und rechtlichen Un- 1. jeder Ausländer den gleichen Anspruch auf cine sicherheiten ihnen nichts anderes übrig bleibt. Aus entsprechend seinen Wünschen ausgestattete der oben zitierten soziologischen Untersuchung ist Wohnung hat wie ein Deutscher, bekannt, daß die Kritik an den mangelhaften Woh- ' zusätzliche Problemgebiete geschaffen werden nungen insbesondere von den Ausländern am größ- soziale Brennpunkte entstetren, deren Fs, . ten ist. Angesichts dieser Tatsache klingt die oft ge- th curch sotials Arkeit lä Tz E Guta te en hörte Behauptung, Ausländer fühlten sich in diesen Lund gemildert «trden mmücset; Wohnungen wohl, geradezu ironisch. 3. eine Konzentration, die zur Gettobildung führen In der oben zitierten soziologischen Untersuchung kann, auf jeden Fall vermieden werden muß. kam ein wesentliches Ergebnis heraus: Es lassen sich Die Ausländer und ihre Wohnungswiünsche tivichthch er Wohnraumversorgung im wesent- Wer sind eigentlich die Ausländer? Obwohl sie unterschied urren unterscheiden, die vollkommen nun schon mehr als zehn Jahre zu unserem täglichen ansprüche ses öhwrünsie ul. d:;s- 174
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