Full text: Lübeckische Blätter. 1977 (137)

Für den ganzen Ensemble- und Denkmalschutz Nicht unerwähnt bleiben soll, daß für die gilt, daß er im Zusammenspiel mit der Gestal- innere Struktur der Häuser und slre Ausstattung tungssatzung wirkungsvoller sein wird. Die Ver- eine ebenso dringliche Forschungsnotwendigkeit be- wendung bestimmter Materialien und Farben kann steht. Hier liegt die Zerstörungsquote noch höher. zwingend vorgeschrieben werden. Sicherlich ist Lübeck mit diesen nur angedeuteten In der Folge wird sicher die Bereitschaft, auch Aufgabenstellungen überfordert. Ich kann keine die Qualifikation der Handwerker wachsen, mit detaillierten Vorschläge machen, hoffe aber, daß es alter Substanz umzugehen, ebenso wird der Fertig. Wege gibt, eine fruchtbare Zusammenarbeit mit teilmarkt sich auf die veränderten Bedingungen kunstgeschichtlichen Instituten interessierter Univer- einstellen. Denn 1840 historische Häuser bedeuten sitäten und Architektur- bzw. Städtebaufakultäten ein gewisses Auftragspotential. einzuleiten. 3.4 Verstärkung der Forschung 3.5 Stärkung der Privatinitiative Venn sich die Erkenntnis durchsetzt. daß [ Alt- Nach mehr politischem Willen für Altstadterhal- stadt- bzw. Stadtbildpflege k ein e Gcschmädks- zus zu rufen, ist zwar richtig, kann aber auch be- frage ist, sondern sich weitgehend aus wissenschaft. Jem sein, hesonders anti, fenn dieser Ruf. Yan lichen Befunden ergibt, müßte die Forsch ung fzuser f!?ttalit: sit fish es mit der Privat- entsprechend vorangetrieben werden, darin sollten ! igtire Lübecker Bürger! uns Stockholm, Thorn oder Krakau Vorbilder sein. Auch dies ist eine Zählung: Von zehn Privat- Ich nenne zur Verdeutlichung den barocken Doppel- sanierern ist nachweislich nur einer gebürtiger schweikgiebel Fischergrube 77, als bemühte Restaur Lübecker. Was ist den „Lübeckern“ aus Sereetz und rierung gekeiert. Dieses Haus ist wegen seiner Ratekau ihr Lübeck wert, auf das sie ja, ihren nackten Backsteinoberfläche eine Karikatur. Warum Autoaufklebern zufolge, so unbändig stolz sind? macht sich in Lübeck niemand die Mühe, den jer Anders gefragt: Wie ist der Wunsch zu fördern, weils authentischen Zustand zu erforschen und zur ein Haus in der Altstadt zu bewohnen? Grundlage der Restaurierung zu machen? Zuallererst muk wohl mehr und besser über das Die oben erwähnte Stadtbildsatzung wäre in jer: Leben in der Altstadt, über das Sanieren und Be- dem Fall ein Provisorium, weil neue Erkenntnisse wohnen historischer Häuser informiert werden. Ge- der Forschung ihre Prämissen verändern würden. eignet wären dazu Ausstellungen und Info-Zentren, In Lübeck fehlen D a t e n, die gesamte historische besonders aber kertig sanierte Häuser selbst, welche Masse ist bis ins Detail präzise zu vermessen und die Besitzer im Sinne eines „Tages der offenen Tür“ aufzunehmen. Eine große Hilfe, sowohl was Ar- dier interessierten Vffentlichkeit zugänglich machen. beitserleichterung als auch Kostenersparnis betrifft, Vielleicht ist es psychologisch falsch, sich über Bau- könnte die neue Foto v erme ss un g sein, die schäden, Arbeitsleistung und technisch-statische Pro- präzise und verzerrungsfreie Ansichten liefert. Die bleme auszulassen, besser wäre wohl, den besonde- Auswertung eines solchen Inventars stünde unter ren Charakter sanierter alter Häuser herauszustel- zwei Leitzielen: Einerseits sind kunst- und bauge- len, ihre unvergleichliche wohnliche Atmosphäre, schichtliche Befunde, die auch für die tägliche denk- die Ruhe und den Charme der kleinen Höfe und malpflegerische Praxis Grundlage sind, darzustel- Cärten. Daß der gleiche Standard an Komfort WIe len und ihre normativen Entwicklungslinien zu ver. in Neubauten erreicht wird, dürkte bekannt sein; folgen. Ein verdeutlichendes Beispiel: Entwicklung daß in der Regel aber § e h r viel Platz zum des Sprossenfensters in Lübeck. Mir scheint, daß für YW'ohnen gewonnen wird, sieht man den schmalen diese Art von Vorhaben zunächst ein Themenkata- Straßenfassaden kaum an. log erstellt werden muß. Andererseits ist die von Besonders gut sollte über die Finanzierung in- Michael Trieb erstellte Stadtbildanalyse um die formiert werden, z. B. daß es Zuschüsse von der kunstgeschichtliche Komponente zu erweitern. Dazu Possehl-Stiftung und vom Denkmalpfleger gibt, müssen kleinste, für die Altstadt sehr typische D e- cbhenso Zinsvergünstigungen und Steuererleichte- t a i ls berücksichtigt werden. Es hat ganz den An- rungen beim Kauf historischer Häuser. Durch die schein, als ob ohne diese zusätzliche Maßnahme die (angekündigte) steuerliche Gleichstellung mit Neu- Authentizität der vorhandenen Substanz nicht zu hauten – d. h. praktisch: Die Grunderwerbssteuer retten ist. Da es in Lübeck wohl weiterhin zu Ab- fällt weg, und 40 % des Kaufpreises können abge- brüchen kommen wird, sehe ich hier eine zwingende schrieben werden & ist allerdings eine spekulative Chance für die Hausforschung: In leerstehenden Erhöhung der Althäuserpreise zu erwarten. Der Abbruchgebäuden können alle Untersuchungen er- Gesetzgeber sollte sich schnell etwas einfallen las- folgen, die Licht in das Dunkel ungelöster Fragen sen, um den lukrativen Handel mit solchen Häusern bringen könnten. Das Amt für B o d e n denkmal- zu unterbinden, etwa: Die Vergünstigung gilt nur pflege hat für seinen Forschungsbereich diese für eigengenutzte Wohnhäuser, und sie wird pro Chance okt genutzt. Person nur einmal gewährt. 19
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