Full text: Lübeckische Blätter. 1976 (136)

Die Würde von Curt Stoermers Lebenswerk und gr die Vorbildlichkeit seines Tuns liegen insbesondere . darin, daß er zu keiner Zeit seiner künstlerischen D Entwicklung, die bis zum letzten Tage nicht ab- Fi geschlossen war, sich der Herausforderung durch die §! Geschichte entzogen hat. Curt Stoermer hat den § Mut gehabt, Mythos und Glauben, Orpheus und Christus ins Bild zu holen, Mensch und Erde zu versöhnen, obwohl alle Erfahrungen ihm hätten sagen müssen: Das geht nicht mehr; es ist vorbei! Er wußte das auch, doch er malte seine Bilder trotz- dem. Und nun hat es sich in diesen Tagen erwiesen, daß es sehr viele Menschen gibt, für die Curt u Stoermers Bildsprache nicht nur verständlich, son- § dern vor allem auch wichtig ist. Diese Menschen, — kür die er gearbeitet hat, bilden kein neugieriges fe Kunstpublikum. Sie erwarten keine ästhetischen Sensationen. sondern persönliche Ansprache. ! Seine Ausdrucksweise war geprägt von den frü- Ww hen Erlebnissen des expressionistischen Aufbruchs, st: vom Formkalkül des Kubismus, von Cezannes Reali- bv sationsfanatismus und immer wieder von der dunk- Ei len Klarheit mittelmeerischer Archaik und der ti tri P U A be ur Die Familie M bi abdingbarer Bestandteil seiner Bilder, den wir mit- lesen müssen, wenn wir seiner Person und seinem de Werk gerecht werden wollen. [; Aber nicht nur in Olbildern und Aquarellen, Gra- A fiken, Glasfenstern und Wandbildern hat Curt gr Stoermer sich mitgeteilt. Noch als er in Paris den de Aufbruch der Moderne miterlebte, war er durchaus ko unsicher, ob das Wort oder die Farbe sein Material Madonna mit Tieren sein werde. So ist denn, trotz der grundsätzlichen de Entscheidung für das Bild, die Sprache immer sein D: zweites Medium geblieben. Der Kunstkritiker und zel schlichten Statuarik italienischer Frührenaissance. yor allem der Chronist seiner künstlerischen Epoche Farbdynamik und Formstrenge, metaphysische Er- konnte oft genug das Wort behutsamer und diffe- fahrung und bildnerische Ratio gingen eine untrenn- renzierender einsetzen als mancher Professionelle, bs bare dialektische Einheit ein. Curt Stoermer gehörte dem Wissen und Erkahrung durch eigenes Tun und ! zu den Malern, auf deren Werke das Schlagwort Miterleben nicht zu Gebote stand von der „Kunst als Ware“ noch nicht zutreffen un konnte, weil es ihm unmöglich war, ein Marken- Die Kunst war für Curt Stoermer kein ver- fa: fabrikat zu liefern. Jedes Bild, jede Zeichnung ber schlossenes Heiligtum. Viele Wege führten hinaus deutete Zusammenraffung aller Kräfte für einen in den Werktag anderer Menschen. Ihre Probleme s01 neuen Anfang. Daraus ergibt sich eine viel zu und Nöte sah er, und er fühlte sich in vielfältiger tru spröde Ware für den Kunstmarkt, denn bei dieser Weise gefordert. In Künstlerverbänden hat er für Es Arbeitsweise ist das Risiko des Scheiterns ein un- die soziale Sicherung seiner freischaffenden Kolle- mi ) &
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