Full text: Lübeckische Blätter. 1976 (136)

vogt Giesenhagen seine Tischlerwerkstatt hatte. hältnis zur Kirche ausgewirkt, wir hatten wohl Ihm sah ich gern zu, und manches, 2. B. das ein- [„zu viel gekriegt“, ganz abgesehen von der wach- fache Sägenschärfen mit der Dreikantfeile, habe senden Kritikfähigkeit. Unser Vater predigte nach ich von ihm gelernt und wende es noch heute ger unserer Meinung immer zu lange, und namentlich legentlich an. nachdem wir nicht mehr den Kindergottesdienst. : ; ! ich sondern den der Erwachsenen besuchten, haben Ztatörlick kiel . Es w.. Ez lsrcnbivaen. ht wir ihn deshalb oft aufgezogen, aber ohne Erfolg. f ws U z u ! GU cs. Rc -dER Er nahm auch seine seelsorgerische ! [ Cniiiche;. E es eine kleine Zwcite Treppe zum tut xos lzt fe atvist tert te it riesigen Kirchenboden, und die war die unsere. cu C rau denen bf -zu C UE, Aus Angst vor Entdeckung verhielten wir uns bei ,; s e t diesen s craekzumgen immer leise, und ich weiß sch prvcsal hsrigitets. Heszz ders lopes! ihm uch nicht. ob unsere Eltern oder sonst irgend f? ie alten f zue. im y:.llörelu.tang a) jemand Etvéâs davon erfuhren. Die dicken Ge- [l: die er o t esuchte: û G slIbe und das unübersehbare Gewirr der Balken Die Jahre vergingen. Allmählich wuchsen wir fs! L un Fruuerre s lar Ziuu fingerdick nun über den Spielbereich unserer Großen Peters- .: raren. tfeheimliches: Über eine sehr grube, über Diele und Hof, Dächer und Dachrin- b ;te. fest eingebaute Leiter gelangte man unter nen hinaus. Kirche und Kirchhof wurden einbezo- ::: D St eus uud konnte dort eine schwere, gen, das kleine Bollwerk an der Obertrave wurde f ckiagene Klappe abheben. Man mußte. zur Faltboot-Einsetzstelle. Vor allem aber blieben pres. außen beiseite legen, und leicht hätte sie wir fkünk nicht mehr unter uns. Erste erotische abrutschen und über das riesige Kupferdach hin- Beziehungen griffen in den Freundeskreis ein. In absausen können. Einen herrlichen Ausblick hatte den Gruppen der Jugendbewegung fanden wir den man von hier, schöner als vom Hauptturm, zumal geistigen Wurzelboden jener Jahre ~ im Grunde man ganz im Freien stand und nur durch dünne noch bis heute. Eisenstangen gesichert war. Das Holstentor konnte Das Haus in der Petersgrube wurde eine gast- man natürlich hinter dem Hauptturm nicht sehen, liche Stätte für viele Freundinnen und Freunde. wohl aber das berühmte Bild der geschwungenen An die gemeinsamen Abende mit Lesen, Singen Großen Petersgrube mit „unseremÿ Haus + dien. und Musizieren und manchmal endlosem Pro- ses Bild, das noch nicht durch das heutige Ga- blemewälzen erinnern sich manche noch. Daneben ragenungetüm, dieses Glanzstück bodenständigr aber wurde uns das „Haus der Jugend“ im Fege- maßstabgerechter Architektur, verschandelt war. F feuer, das alte Waisenhaus, an dessen Stelle heute Schlugen plötzlich nach unheimlichem Gerassel der das Idun-Mädchenheim steht, zur zweiten Heimat. langen Drahtzüge vom Hauptturm her die Uhr- Und bei den wöchentlichen Volkstanzabenden auf glocken des Dachreiters an, s0 erschrak man fürchr der Freilichtbühne schlossen wir Freundschaften terlich, wobei das schlechte Gewissen wohl auch mit vielen jungen Menschen und Gruppen in Lü- eine Rolle spielte. Unvergeßlich ist mir der Tag, beck. Ein Unterschied gegenüber der heutigen jun- an dem der Zeppelin dicht über uns kreuzte. aber gen Generation kommt mir manchmal in den Sinn: auch die Nacht, in der ich die zur 700-Jahr-Feier Wir hielten es für selbstverständlich, bei unseren Lübecks feierlich angestrahlte Marienkirche von jugendlichen Idealvorstellungen, etwa Ahbhstinenz. hier oben aus fotografieren konnte. Toleranz oder naturverbundenem Leben, bei uns . Trtet dieren Kirchenboden mit dem Dach | FS anzufangen. reiter, wo wir nie jemanden trafen, fast als unser Kaum ein Wochenende sah uns nun mehr zu privates Refugium angesehen. Als es im Bomben- Hause. Zu Fuß, mit Fahrrad oder Faltboot erwan- hagel unterging, war ich als Soldat fern der Heir derten wir uns unsere schöne Heimat, groke Wan- mat, und als ich davon erfuhr., dachte ich an den derfahrten (fast ohne Geld) führten uns weit dar- großen Löschwasserbehälter und die kleinen über hinaus. Und unsere Eltern erlebten den Kum- Feuerlöscher und Ledereimer dort oben, die natür-, mer, der allen Eltern beschieden ist, wenn sich die lich wirklich nur einen Tropfen auf den heißen Kinder langsam von ihnen lösen und häufig mit Stein und das brennende Gebälk hätten hergeben wenig Taktgefühl hinausstreben. Auch wir hatten können, falls man überhaupt zu ihnen vordringen wenig Verständnis dafür, daß zu Hause die Mut- konnte. Wenig später erlebte ich den Angriff auf ter in steter Furcht lebte, wir könnten beim Baden Rostock aus nächster Nähe und konnte mir den ertrinken, mit dem Fahrrad stürzen oder unter die Untergang unserer Heimatkirche nur zu gut vor- Räuber fallen. stellen. In der Klassengemeinschaftt am Katharineum In der Kirche selbst hielten wir uns weniger führte dieses jugendbewegte Leben ein wenig zur gern auf. Natürlich legten unsere Eltern Wert auf Vereinzelung. Im Gegensatz zur OzD eines Sebald unsere möglichst häufige Teilnahme am Gottes-. Schwarz herrschte hier noch der alte Pennälerstil. dienst, wenngleich sie uns nie gezwungen haben. und der Elan der pädagogischen Reformbewegung Aber das hat sich wohl auf unser späteres Ver- der 20er Jahre war trotz des Direktors Rosen- ' ZI
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