Full text: Lübeckische Blätter. 1975 (135)

Nach einem Entwurk von Georg Weiland prägte die Interop-Münzprägeanstalt eine okki- zielle Gedenkmedaille aus Anlaß des 100. Geburts- tages von Thomas Mann. In einer Auflage von 5.000 Stück sind die numerierten Münzen zum Preise von 59,50 DM bei den Lübecker Banken und der Sparkasse erhältlich. Der Durchmesser der Gedenkmünze beträgt 45 Millimeter, die Münze ist aus Feinsilber und wiegt 42 Gramm. gen der Familientradition gerade noch gewachsen. E. Kahler) Außenseiter durch Mißgestalt und Miß- Auf der anderen Seite aber steht die Mutter mit geschick (in den Novellen „Der kleine Herr Friede- ihrer „südlichen Frohnatur“, Julia da Silva-Bruhns, mann“, 1897, „Der Weg zum Friedhof“, 1900. portugiesisch-kreolische Brasilianerin, die Gerda der ,„Luischen“, 1900, „Tobias Mindernickel“, 1898), „Buddenbrooks“, die beinahe bis zur Unbürgerlich- den religiösen Außenseiter (in: „Gladius Dei“, keit verfeinert ist, distanziert und sehr musikalisch. 1902, „Fiorenza“, 1905), den Aulenseiter durch Sie ist die Fremde unter den Buddenbrooks. Und krankheit (in: „Der Kleiderschrank“, 1899, „Der Hanno, ihr einziges Kind, schläft unruhig, ist ein- Bajazzo“, 1897 ! Tristan®, 1903). sam unter seinen Altersgenossen und interessiert : . " s sich nicht für die Firma, er ist ohne Tugenden eines Diese Novellen sind, ebenso wie „Die Budden- künftigen Bürgers und Geschäftsherrn, dazu der brooks“, realistisch gestaltet, realistisch in einem oft Musik erlegen und stirbt jung. Mit ihm erlischt des 8rausam und peniblen Grad. Die Darstellung der Erbe einer bürgerlichen Tradition, und in ihm ist Wirklichkeit, die eine Grundleidenschaft des Dich- das Ende einer liberalen Bürgerwelt symbolisiert. ters wird, ist dabei nicht ohne Ironie, die relativiert Thomas Mann selbst geht einen neuen Weg: den und enthüllt. Diese Merkmale ziehen sich durch das Weg des Künstlers, den Weg des geistigen Men- gesamte Werk Thomas Manns, das in seiner Er- schen innerhalb einer Gesellschaft. Hieraus ergibt fassung von Konflikten zwischen Bürger und Künst- sich das Grundproblem der neuen Epik, wie sie ler, Kunst und Leben zum Ausdruck der Zeit wird. sich zu Beginn des 20. Jahrhunderts in bezug auf In ihr sind Kunst und Leben für Thomas Mann den Menschen zeigte. „Der Mensch überhaupt, der gleicherweise in Frage gestellt, wie es z. B. im „Tod übriggebliebene, ausgesetzte, preisgegebene Mensch in Venedig“ (1912) gezeigt wird. Später, im „Dok- inmitten einer sachlich, kollektiv, überdimensional tor Faustus“ (1947), tritt erneut dieser Konflikt determinierten Welt“, wird zum Grundproblem zwischen Kunst und Leben auf. f smer Zeit. Jenas Mans vgr vic keit )tücrer Diese frühe Schaffensperiode des jungen Thomas dazu geeignet, dieses Problem darzustellen, da in Mann begann erst nach dem Tode des Vaters im [tri selbst Mieses s szhletn vos. vil rar aut Jahre 1891. Zu Lebzeiten des Vaters war an eine ten Merkmale des bürgerlichen und des künst- tt ]güskeit uicht Fz]lch tosgst Icciscen Elementes JA Einem Bruder Heinrich, Iübeck (1894) und siedelte Von dieser Spannung in dem jungen Thomas Mann hnach München über, wo die Familie bereits mit der ausgehend, „die das geistige Grundthema unseres Mutter seit 1892 lebte. In München, in der Kunst- Zeitalters ist“, ergeben sich kür den Dichter Proble- undWeltstadt, fühlte Thomas Mann sich frei und war me, die ihren Niederschlag in seinen Werken fin- fest entschlossen, sich ganz der Literatur zu widmen den. Bürgertum und Künstlertum begegnen sich 1n und Schriftsteller zu werden. Hier war es auch, wo Thomas Mann. Nas eine wird das andere nie aus ger bereits aufgezeigte Gegensatz zwischen „Bürger schließen: Der Künstler wird mit seinen Mitteln ynd Künstler“ Thomas M bexrulit Ts. sein Bürgertum darstellen, die Welt seiner „Väter“, Spannung zwischen E lem hut rue Us und in dieser Weise sein vie sie:. wenn auch in Jjchen Erbe in ihm. Die Beschäftigung mit der „anderer, kreierer, vergeistigter, symbolisch darstel- Philosophie Schopenhauers führte schließlich zur lender Form“. Entstehung des Romans „Die Buddenbrooks“. Von Leben und Werk Thomas Manns sind in bezug den Lehren Schopenhauers wich Thomas Mann bald auf die Gestaltung dieser Spannung von Bürger und wieder ab und wandte sich Nietzsche zu (,„Fioren- Künstler eng miteinander verbunden. Sie spiegelt za“, 1905), vor allem seiner Trieblehre, in der der sich wieder in den Novellen der Frühzeit, die ale „Geist „instinktiver Wille zur Macht“ wurde. den . Außenseiter“ zum Thema haben. den (nach Nlietzsche war es schließlich auch, der dem jungen
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