Full text: Lübeckische Blätter. 1975 (135)

Friedrich Griese Ein Wort des Gedenkens Quitzow hieß der Lübecker Buchhändler, der den einen Zug von etwa 200 Wildgänsen. „Und jetzt Ehrgeiz hatte, auch ein Verleger zu sein. Als eines lagen sie hier, kraftlos vor Hunger und so wirr vor seiner ersten Bücher veröffentlichte er, beraten von Angst, daß sie ihr erstes Gesetz in sich vergessen seinem Lektor, der kein Geringerer war als Max hatten, den Menschen zu meiden und ihn nur ganz Tau, im Jahre 1927 den Roman „Winter“ von in der Ferne und unter sich vorüberstreichen zu Friedrich Griese. lassen. Sie hatten dieses Gesetz vergessen, weil auch Friedrich Griese ist jetzt in Groß Grönau ge- die Natur ihre Gesetze in diesem Jahre aufgelöst storben. Er war 1890. .in Lehsten bei Waren. in hatte.“ In einer Stunde schreibt Griese die Haupt- Mecklenburg geboren. Seine Vorfahren waren Häus- züge des Romans nieder. Aber dann bleibt das Ma- ler und kleine Bauern. Schon vor dem:Roman „Win- nuskript drei Jahre liegen. Griese ist inzwischen ter“ war er mit etlichen Arbeiten an die Offentlich- als Lehrer . nach Kiel versetzt. Dann, bei einem Be- keit getreten. „Winter“ jedoch brachte den „Durch- such in seiner mecklenburgischen Heimat, hört er, bruck Per R tan traf ir cine Zeit die litzxarisch wie er berichtet, Wandervögel ein russisches Volks- stark von Hamsun geprägt war. Griese deshalb lied singen, das er aus seiner Jugend kennt. Er eilt Hamsun-Abhängigkeit vorzuwerfen, wäre unge- in sein Zimmer und schreibt in der Nacht das Ein- recht. Er selbst hatte diesen Vorwurk gleichsam leitungskapitel zu „Winter“: Der Knecht. In knapp provoziert durch den Satz: „Ich lese nur Pan; ich fünk Wochen ist der Roman fertig. erlese ihn mir, um von ihm zu lernen.“ Wir lasen den „Winter“ als Schüler, und ich fand Grieses Werk ist Spiegelbild einer literarischen mich in der Begeisterung über das Buch mit meinem Zeitsituation zu Ende der zwanziger Jahre, eines Zeichenlehrer Hans Peters, dem in diesem Heft an- eigentümlichen, sicher auch durch die Bündische Ju- läßlich seines 90. Geburtstages auch einige Worte gend mitbegründeten „Rousseauismus“, für den auch gewidmet sind, einig. Manfred Hausmann als Beispiel stehen mag, einer Aus Grieses Feder entstanden eine weitere große Bewegung, die dann der Nazismus vor seinen Kar- Zahl bemerkenswerter Romane. Aus seinen letzten ren spannte und zur „Blut-und-Boden“-Dichtung autobiographischen Arbeiten haben wir auch Ab- entarten ließ. Aber die heute schon durchaus mög- schnitte in den „Lübeckischen Blättern“ abgedruckt. liche historische Gerechtigkeit zwingt uns, da zu un- Für jene aber, denen Griese mur noch ein Name terscheiden. ist, schien mir im Gedenken an den Dichter die Den Anstoß zu „Winter“ hatte ein Erlebnis im ,Geschichte“ des „Winter“ aussagekräftiger als eine besonders harten Winter 1924 gegeben. Griese fand Titelaufzählung seiner Werke. Gro. Gulstav Falkes Herkunft und Geburtshaus in Lübeck von Jürgen Schwalm Irrtümer, die schriftlich fixiert wurden, sind er- nur als zweitrangigen Literaten bezeichnet hat, so fahrungsgemäß meist schwer wieder aus der Welt haben die Jahrzehnte inzwischen doch manche Klä- zu schaffen. So konnte man noch im Lübecker rung und Läuterung des Urteils erbracht, und es Adreßbuch von 1970 lesen: „Dichter... Gustav hat sich gezeigt, daß Gustav Falke in guten Stunden Falke. Geburtshaus, Breite Straße 71 (ohne Hin- mit „kleiner bescheidener Feder, die sich nie groß weis).“ Nachdem ich im gleichen Jahre nach eigenen gedünkt, die aber immer in Liebe und Zärtlichkeit Untersuchungen auf die Unrichtigkeit dieses Ver. und Dank getaucht war“ Inspirationen fixierte, die merkes hingewiesen hatte, ist dann die Eintragung sich neben denen „größerer Namen“ auf Dauer über Gustav Falke im letzten Adreßbuch (1973) durchgesetzt haben. Ich finde, daß einem Dichter leider gleich ganz und gar gestrichen worden. Weil nichts Schöneres widerfahren kann, als eben dieses keine Korrektur erfolgte, konnte sich der Irrtum Schicksal seiner Werke. Dieser Umstand gibt mir weiter behaupten, wie ich kürzlich anläßlich einer die Erlaubnis, einige Daten über Gustav Falke in Anfrage erfahren mußte. Außerdem stimmt mich diesen Blättern kurz zu referieren, welche Gustav die Eliminierung des Namens Falke auch in einem Falkes autobiographische Schriften „Im Spiegel“ Adreßbuch traurig, zumal gerade in unserem Lü- (1903) und „Die Stadt mit den goldenen Türmen“ becker Adreßbuch der Einführungsteil sonst eine (1912) in Einzelheiten ergänzen. besonders ansprechende und anregende Gestaltung Für einen Genealogen ist es immer wieder eine gefunden hat. Denn wenn man Gustav Falke auch reizvolle Aufgabe, Familiengeschichten aufzuschla- schon zu Lebzeiten als Epigonen des Dichterfreundes gen, um die Quellen bestimmter Begabungen und Detlev von Liliencron einstufen wollte und ihn oft Fähigkeiten aufzusuchen. Auch Gustav Falke hatte [ K2 l,
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.