Full text: Lübeckische Blätter. 1971 (131)

Moliêres „Schule der Frauen’ Zur Festaufführung am 26. September Die Festaufführung zum 20jährigen Jubiläum des Theaterringes der „Gemeinnützigen“ bringt die „Schule der Frauen“ von Molitre mit Günther Lüders in einer Aufführung des Berliner Tournee- Theaters, inszeniert von Hans Schweikart. Der verstorbene Wiener Kritiker Hans Weigel hat das Stück in neue Alexandriner gebracht. Seine Fassung wird allgemein gelobt. Infolge der Durchsichtigkeit der Dialoge und der Transparenz der Handlung bekommt die „Schule der Frauen“ eine Symbolik, die eine ganze Epoche, ihre Gedanken und Vorstellungen, ihre Moral und ihre Sitten aufzeigt. Darauf beruht der ungeheure Erfolg gerade dieses Werkes von Molitre bis auf den heutigen Tag. | E ESE tt Ec Der Mann namens Arnolphe in der „Schule der Frauen“, der ein Kind von einem Bauernhof zu der Dynamik der Geschehnisse und nicht mit der sich genommen und aufgezogen hat, indem er es Rebellion der Leidenschaft. von der Welt absperrte, und der dieses Mädchen Unser Szenenbild zeigt von links nach rechts: nun heiraten will, verkörpert ein Regierungssystem, Gerti Gordon, Jürgen Arndt, Günther Lüders, Kurt das autoritär ist und das die Frau dumm, unger Mleinzierl. Ferner wirken mit: Gerlinde Locker; bildet, aber hübsch haben will, um sie allein und Richard Rüdiger, Karl Striebeck und Walter Gnilka. ungefährdet zu besitzen. Aber er rechnet nicht mit Gtö.: Großeltern - Hüter der Familiengeschichte Der Arbeitskreis für Familienforschung verr Namen des Dargestellten, mit Jahr und Ort der sktentlicht in diesem Heft seinen Veranstal- Aufnahme. Meist ist dies bei der verständlichen ungsplan für den Winter 1971/72, in dessen : ; s Halmen: aueh das- Thema dicses. Beitrages Vertrautheit der Vorbesitzer mit dem Abgebildeten behandelt wird. damals unterblieben. Ohne diese Angaben ist das Von der zunehmenden Lockerung der mensch- Lichtbild wertlos! Denn der Täufling oder Hoch- lichen Beziehungen bleibt die Familie nicht unbe- Zeiter, Schul- und Sportfreund, Bundesbruder und rührt. Die Anderung der Lebens- und Berufs-, der Regimentskamerad von damals sind den Nach- Wohn- und Verkehrsverhältnisse hat den Abstand Kommen unbekannt. Dabei handelt es sich um den der Generationen vergrößert. Hektik des Alltags Urgroßvater unserer Schulkinder! Die Großeltern und Mechanik der Massenmedien tun ein übriges, Serinnern sich jedoch noch sehr gut der Gesichter um die Einstellung der Eltern zum Kind, der Groß- und auch mancher Anekdote aus den Erzählungen eltern zum Enkel weitgehend zu verändern. Es ihrer Eltern. droht die Gefahr, daß die Fäden zur ererbten Welches Kind hört da nicht gern zu? Erst recht, Kulturwelt der Vorväter, die uns nach Krieg und wenn zwischen den Einzelfotos noch Gruppen- Vertreibung noch geblieben sind, abreißen. bilder auftauchen: Geburtstags- und Hochzeitsfeiern, Der Genealoge beobachtet diese Entwicklung nicht Ausflüge, Richtfeste und Jubiläen. Hier ist für die ohne Sorge. Er sieht Aufgaben, die jetzt un d Beschriftung wichtig, daß Ort, Anlaß und Jahr heute erledigt werden sollten, eh € es zu sp ä t angegeben werden, ehe man die Personen kenn- is t! Er wendet sich an die Großeltern und lenkt zeichnet. Kleidung und Haartracht, Raum und Mo- ihre Aufmerksamkeit auf das gute alte Fotografie- biliar, Gruppierung und Haltung geben Anlaß zu album in Samt- oder Lederbezug mit Metall- Vergleichen, zu lustigen und ernsthaften Fragen schließen – sofern es Entrümpelung und Brand- vorausgesetzt, dak sich Eltern und Enkel während bomben, Flucht und Umzug überstanden haben des Besuchs bei den Großeltern Zeit und Muße sollte. zu geruhsamer Darstellung lassen und den Krimi Von vielen belächelt, sieht der Familienforscher im Fernsehen nicht für wichtiger halten. Vielleicht in dem sperrigen Band ein Vermächtnis von ist es das nächste Mal schon zu spät! hohem Wert. Er setzt allerdings voraus, daß alle Warum ruht auf den Großeltern gerade unserer Fotos auf der Rückseite beschriftet sind: mit dem Zeit eine besondere Verantwortung? Sie wurden ) Q
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