Full text: Lübeckische Blätter. 1969 (129)

faszinierend, daß man ab und zu betroffen bei der Es gibt drei Gruppen von Autoren, die eigentlich Lektüre das Buch für einen Augenblick sinken läßt, zu bedauern sind, das sind die Statistiker, die Me- ob der Vielfalt dieser unserer Stadt. „Lubecka du teorologen und die Systematiker. Ihre Veröffent- stolze Schöne von hehrem Ruhme tragest Du die lichungen sind für den größten Teil der Leserschaft Krone“. So erfährt man mannigfaltig Neues, das trocken, spröde und uninteressant. Dabei erfordern zwar gestern war, doch noch heute mit uns durch sie ein geradezu ungeheures Maß an Vorarbeit, und die Straßen wandert, unser Leben teilt: „man glaubt gar manches Mal steckt in einer einzigen Zeile weit Musik zu vernehmen, eine heimliche Stimme der mehr Arbeit, als bei einem anderen Buch in einer Stadt“. Sicher ist es nicht mehr diese Lübeckerin, ganzen Seite. Um so mehr ist es zu bewundern, daß die uns begegnet, „mit blondem Teint und blondem obige Arbeit erscheinen konnte. Der Verfasser ist Haar, blauen Augen, einem vollen üppigen Körper- nämlich in keiner Weise beruflich mit diesem Gebiet bau, kurz, mit den Vorzügen der nordischen Wei- verbunden, was bei anderen Lübecker Vogelkund- ber“, – und doch ist sie es auch wiederum, das ist lern, wie Hagen, Lunau und Hering, dadurch der eben alles nur Ansichtssache! Lübeck in gekonnter Fall war, daß sie alle drei im Lehrberuf standen. Selbstironie, damit liegt dieses Büchlein außerhalb Orbahn dagegen ist im graphischen Gewerbe tätig der üblichen Städte-Literatur, es ist eine verr und kann die gesamte Arbeit nur in seiner Freizeit enügliche Dokumentation, die dadurch noch beson- leisten, genauso, wie er es mit seiner Tätigkeit ders unterstrichen wird, daß man an Stelle von als Kreisbeauftragter für den Naturschutz halten [Mlustrationen Ansichtskarten eingefügt hat, in lier muß. benswertem, unvergänglichem Kitsch. Nun liest aus seiner Feder diese Arbeit über die Wie sich alles ändert und doch bleibt, wie oft der Vögel des Lübecker Raumes vor, der natürlich nicht lächerliche Zufall das Historisch-Wertvolle bewahrt. mit den politischen Grenzen übereinstimmen kann. Was sollte man sonst auf die Rückseite unserer Zum Glück vermochte er dabei mit einer Arbeits- Fünfzig-Mark-Scheine drucken, wenn das baufällis gemeinschaft zusammenzuwirken, die er auf Seite 9 gewordene Holstentor nicht mit einer Stimme Mehr- aufführt und von der die Herren Arndt, Borgwardt, heit gerettet worden wäre? Wie viel ist heute im Schütt und Vermehren durch einzelne Beiträge auch alten Lübeck baufällig, wie viel droht abgerissen zu an dem Buch beteiligt waren. Ihren gemeinsamen werden, weil selbst die eine Stimme zu Fehlen Beobachtungen gelang es, im Lübecker Bereich nicht scheint? Wie wechseln doch die Ansichten! Was wir weniger als 277 Arten festzustellen, eine Zahl, die heute restaurierend bewundern: St. Marien, der sicher bei gar manchem Leser ein großes Staunen Dom, St. Petri, galt damals ,als überladene, gotische darüber hervorrufen wird. daß es überhaupt derart Höhlen“. „Wer sich den Geschmack an deutschen viele verschiedene Vögel gibt. Welch eine gewaltige Altertümern nicht verderben will, suche sie hier Menge an Vorarbeit notwendig ist, diese Arten über- nicht auf.“ Doch das war nur eine Stimme, die nicht haupt erst einmal kennen und dann in der freien unwidersprochen geblieben ist: Carl Jakob Burck- Natur selbst bei einer nur flüchtigen Begegnung hardt, Thomas Mann, Heinrich Mann mischen sich richtig ausmachen zu können. läßt sich für den ein, Felicitas Rose, auch eine Lübeckerin. gesellt sich Laien nur ahnen. zu ihnen. Is scha sediegen. Orbahn geht in seiner Arbeit von dem 1913 er- Und damit wären wir bei dem eingefügten schienenen Buch von Werner Hagen ,Die Vögel des Kleinen Lübeckischen Lexikon: bei der lübeckischen Freistaates und Fürstentums Lübeck“ aus, so daß Sprache, die Professor Bernhard Eschenburg so zwischen beiden Arbeiten ein Zeitraum von gut herrlich beherrschte, daß sein II h halben Jahrhundert liegt. Das ist nun das am Katharineum unvergessen geblieben ist. Da un- auch sicher manchen Laien Fesselnde an dieser Ver- ser Leben aber nicht nur ein Leben des Geistes ist, öffentlichung, daß sich Orbahn bzw. die Arbeits- sondern von einem handfest verlangenden Magen gemeinschaft nicht damit begnügt hat, das Auftreten mit bestimmt wird, wird die Tür lübscher Küche der einzelnen Arten in unserem Bereich genau fest- einen Spalt geöffnet und der Duft der sauren zustellen. Darüber hinaus wurde untersucht, wie Suppe, in die auch Pflaumen hineingehören, strömt stark sich inzwischen einzelne Arten notgedrungen einem verlockend entgegen. Vom Marzipan, „dem der sich immer weiter ausdehnenden Stadtlandschaft Süßen aus dem Harem“, wird natürlich auch ber angepaßt hatten bzw. ihr zum Opker gefallen waren. slztzt; ssch interestanter itt ts zu hören, daß gor ccrn H ttn hr ihr zum Opfer sekakten waren: lübsche Rotspon teils in den Kellern unter der Re-! Vogelwelt machts man zum Gegenstand gründlicher kormierten Kirche, teils in den Gewölben an der Untersuchungen. Zwar werden etliche davon den Breiten Straße lagernd seine letzte Abrundung er- meisten Leuten unbemerkt bleiben, aber eine wird fährt. Wer von Lübeck redet, darf, wenn er ber jedem auffallen, das ist die inzwischen beinahe zur stehen will, nicht Travemünde vergessen. Und was Landplage gewordenen Türkentaube mit ihrem sab es Jamals für eine Ostsee, „mit Wogengebraus meist sogar in Gesellschaft vorgenommenen durch- über einer fürchterlichen wilden Unterwelt“, das dringenden Gurren Masser wird:schön tnd dunkelgrün beschrish En; und “s ist eine BB Fülle von Tatsachen in diesem : Stratlg stehen Us Icarren, die s niedlichsn schmalen Uns sorens Ful daß es unmöglich ist, sie les Ui ener UP rt s tühlen. stietsl.: aufzuzählen. Hingewiesen sei nur auf die auf Seite 10 nicht schon alles in Travemünde, selbst Gogol, Dosto- Aukgeführten Gesichtspunkte der Beobachtung, z. B. iewski und Turgenjew. Ja, wer kommt nicht Brutvogel, Wintergast, Sommergsast, Fizqhszdi
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