Full text: Lübeckische Blätter. 1969 (129)

der Distanz zur Sache, sondern darauf, daß sie von Konzeptionen als geschichtlich notwendig zu lIegi- früheren Urteilen zehren, sei es durch Zustimmung timieren, nicht zufällig an den des Sachzwangs, der oder durch Widerspruch. unleugbar dem konservativen Repertoire entstammt : f und die Funktion erfüllt, Politik als Technologie Andererseits ist es unverkennbar, dak die Kritik zu verkleiden. Parteilichkeit ist, nicht anders als seit ungefähr anderthalb Jahrzehnten dazu neigt, Subjektivität, ein notwendiges Moment im Urteils- die jeweils neue Musik weniger ästhetisch als histo- prozeß, das nicht verleugnet werden sollte, dem tisch oder pseudohistorisch zu betrachten: weniger aber die Legitimation abverlangt werden darf. So unter der Kategorie des Werkes, das für sich steht, ist etwa eine Entscheidung darüber, ob eine musi- als unter der des Ereignisses, dessen Bedeutung kalische Restauration, wie sie Hindemith versuchte, in den Konsequenzen liegt, die es hat. Nur schein- eine Erneuerung oder eine Regression bedeutet, bar ist noch vom Glück oder Miklingen des ein- ohne Parteilichkeit kaum denkbar. Zwar muß sie, zelnen Gebildes und von der Gegenwart, der un- um nicht starr dogmatisch zu bleiben, durch kompo- mittelbaren ästhetischen Erfahrung, die Rede; was sitionstechnische Analysen gerechtfertigt werden; den Kritiker in Wahrheit beschäftigt, sind die doch sind deren tragende Kategorien nicht unab- lgemeine Lage und die Möglichkeiten für die hängig von dem Urteil, das sie begründen sollen, Zukunft. die sich in ihr abzeichnen. Manchmal s€ und man kann dem Zirkel, der dadurch entsteht, bärden sich sogar Komponisten als Historiker ihrer nicht entkommen, sondern nur versuchen, die Auf. selbst, und im Extrem scheint és, als bemühten lösung von Voraussetzungen in Erkenntnisse so zie sich weniger um Werke, mit denen sie die weit zu treiben, daß die Parteilichkeit, die den An- Gegenwart zu überdauern hoffen, als darum, eine stoß und Ausgangspunkt des Urteilprozesses bildete, Position im Geschichtsbewußtsein der Zeitgenossen schließlich in Objektivität übergeht. tteröbreitt Allerdings ist die Objektivität des Kritikers von Der Kritiker wird zum Historiker der Gegen- der des Historikers grundverschieden. Gegenstand wart, dem das, was sich gerade ereignet, so er- der Kritik, an dem sie Objektivität zu bewähren scheint, als wäre es bereits vergangen. Indem er hat, ist der Kunstcharakter musikalischer Werke, ordnet und unterscheidet, und zwar nicht so sehr wie er sich in der Gegenwart zeigt und realisiert: Kunst von Nichtkunst als vielmehr Wichtiges von einer Gegenwart, die als ästhetische aus der ge- Nebensächlichem und Neues von Veraltetem, glaubt schichtlich-gesellschaftlichen herausragt und dennoch er das Urteil zu antizipieren, das künftige Histo- nicht unabhängig von ihr ist; sie als Enklave von riker fällen werden. Zeitlosigkeit in der geschichtlichen Zeit zu deuten, < ZP.4: )2je L 00% war eine idealistische Übertreibung, die der ästhe- . In dem Anspruch auf Objektivität, den die histo- tischen Erfahrung nicht standhält. Das Maß der titierende Gegenwart 11 Vergangenheit ferway: Objektivität von Kritik ist nicht eine Zeitlosigkeit delnde Kritik erhebt, steckt jedoch ein Hochmut des Urteils, die unerreichbar ist, sondern gerade der Distanz, der zum Widerspruch herausfordert: umgekehrt der engste und genaueste Zusammen- zu dem Einwand, daß die Anmakung derer, die hang mit der Gegenwart, deren Zeuge zu scin über der Gegenwart und ihren Verwirrungen . ler Beruf des Kritikers ist. Er ist so objektiv, wie stehen meinen, nichts als die Maske ihrer Unfähig- er'sein kann, went es ihru: genügt: uu Fett Qu keit sei, sich im Ernst auf sie einzulassen. Kritik, hucräicker. s citr “rue ye komposi- die den Namen verdiene, sei Aktion; und wer tionstechnisch und ästhetisch, als Artefakt und als handle, set. gerviungen; Partei zu ergreiken; hinter Sinnzusammenhang, hier und jetzt bedeutet. Ent- dem Schein von Parteilosigkeit stecke, in der Musik Cieidend--sst s, ci: § éhnten Recht tu nicht anders als in der Politik, ein Konservativis- k rens L ser qs f“. ue. gur einer Zu- mus, der sich scheue, sich als das zu bekennen. was kunft zu sein, die dümmer ist als die Gegenwart ~, “ust sondern das im Augenblick Triftige zu sagen. Der Es mag absurd erscheinen, daß Komponisten und Kritiker ist ein Chronist, der in die' Aktion, die er Kritikern, die sich nicht zu Unrecht zur Avant- beschreibt, selbst verstrickt ist – denn Kritik ist garde zählen, eine Tendenz zu konservativem Den- Aktion . und der: dennoch versuchen muß, in ken zugeschrieben wird. Doch erinnert der Begriff eigener Sache so gerecht. zu sein. als. wäre sie eine des Materialzwangs. den sie benutzen, um ihre fremde. Senatsplakette für Dr. Fiedler An seinem 70. Geburtstag, am 29. August 1969, Die Verleihungsurkunde hat folgenden Wortlaut: wurde dem Lübecker Chirurgen und Chefarzt des In Würdigung seiner langjährigen verdienstvollen Marienkrankenhauses, Herrn Dr. Ernst Fiedler, im Arbeit zum Wohle der Lübecker Bevölkerung wird Rathaus durch den stellvertretenden Bürgermeister, dem Chefarzt des Marienkrankenhauses zu Lübeck, Senator Ehrtmann, die Senatsplakette verliehen. Herrn Dr. med. Ernst Fiedler. gemäß Senats- 21 K
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