Full text: Lübeckische Blätter. 1969 (129)

längst erkannt worden. Und so überrascht es kaum, liches Indiz für die Bedeutung, die einem musi- dak der Begriff der Objektivität, mit dem sich die kalischen Ereignis zugeschrieben wird, so zeigt be- Vorstellung von Nüchternheit und Sachnähe ver- reits die klüchtigste Analyse, daß die Proportion bindet, insgeheim vertrackt metaphysisch ist. Er zum ökonomischen Aufwand, zur Investition, mit besagt nichts Geringeres, als daß ein ästhetisches einer Sorgfalt eingehalten wird, die um so krap- Urteil, kaum anders als ein moralisches, erst dann pierender ist, als sie unbewußt bleibt. Die Zu- restlos adäquat wäre, wenn es gelänge, ein Werk mutung, über ein Orgelkonzert, das ungewöhnlich so zu sehen, wie es sich im Angesicht der Ewigkeit, und geglückt war, mehrere Spalten zu schreiben, sub specie acternitatis, zeigt. Die wirklichen Urteile über eine mißlungene und irrelevante Opernpre- aber sind geschichtlich bestimmt; sie verändern sich miere dagegen wenige Zeilen, würde einem Kri- ständig, sei es drastisch, durch einen Umschlag ins tiker, der in den Gewohnheiten des Metiers be- Gegenteil, oder langam und unmerklich. Die Ge- kangen ist, absurd erscheinen, obwohl sie ästhetisch schichte, in der sie sich wandeln, muß demnach begründet ist; widersinnig ist sie lediglich unter einem Metaphysiker als Trübung und Verzerrung ökonomischem Aspekt, der sich als der insgeheim der ästhetischen Wahrheit, von der er zwar über- herrschende erweist. zeugt ist, daß es sie gibt, die aber unzugänglich Das musikalische Management beruft sich, um bleibt, weil wir aus der Geschichte, die unsere Ge- die Verödung -der Programme. die uiiäblässitre danken, Gefühle und sogar Wahrnehmungen prägt, Wiederholung des Lia h . \vechtkertigen;: k nicht ausbrechen können. Schopenhauers Glaube, dasi Publikum. von cz eshhehauptctdaß es züh dak die ästhetische Kontemplation, die selbst- und unt] nunbeirtht.r awider;Trädit; zur th Ite:tiiretcét weltvergessene Betrachtung, die übergeschichtliche és aufgewachsen sei eu terte. ist je- Realität der platonischen Ideen verbürge, ist tot Hoch,! vie.sich»bei der geringsten:Herausforderung und abgetan. zeigt, zu starrsinnig und gereizt, als dak die Gibt man aber die metaphysischen Ansprüche Sicherheit, mit der er sich präsentiert, glaubwürdig preis, die in dem unscheinbaren Objektivitätsbegriff wäre. Bereits der häufige Gebrauch des Begriffs der ästhetischen Umgangssprache stecken, so zeigt Traditionsbewußtsein, einer Kategorie, die in sich sich, daß das objektive Urteil, sofern man an der widersprüchlich ist, sollte stutzig machen; denn Kategorie festhalten will, als geschichtlich sich ent. Tradition im unverwässerten Sinne des Wortes ist wickelndes Urteil verstanden werden muß. Und die das, was sich von selbst versteht, ohne daß es Geschichte erscheint dann nicht mehr als Sperre vor ausgeprochen werden müßte. Ein Traditionalismus, der ästhetischen Wahrheit, sondern als deren Ent- der sich seiner selbst bewußt wird, hört auf, Tra- kaltung. ditionalismus zu sein und geht in Konservativismus In dem ästhetischen Prozeß. der dartiber ent. über. Und der musikalische Konservativismus ist, in scheidet, ob die Wirkungsgeschichte eines Werkes Senauer Analogie zum politischen, nicht aus sich triumphal oder kläglich gerät, bilden formulierte, selhst heraus, sondern als Gegenzug gegen dis in Sätze gefaßte Urteile eines der Momente die Nous Musik, die musikalische Revolution, zu 1§;; ihn bestimmen und weitertreiben. Kritik ist rc ziger stehen. Er ist von Natur und Herkunft p olemisch, Kontemplation als Aktion, Teilnahme an der Ent- also abhängig vqn dem Gegner, gegen den, er zich wicklung. Umgekehrt aber kann die musikalischer wendet und ist insofern in sich zerrissen, als er Praxis als praktizierte Ästhetik, als Ausdruck und "tional, durch Argumente, eine Tradition zu be- Verwirklichung ästhetischer Entscheidungen aufge- wahren oder zu retten sucht, die eigentlich, um un- kaßt werden. Urteil ist Praxis und Praxis Urteil] gebrochen zu bleiben, als Selbstverständlichkeit hin- j ; L Prc.ir ,; “ genommen werden müßte. Die Mittel durchkreuzen Die spekulative Frage nach der Objektivität von den Zweck, den sie erfüllen sollen Urteilen geht also über in die empirisch faßliche Ind , Mz. lh Z nach dem Verhältnis der Kritik zu dem ästhetisch- fdem aber der Konservativismus sich selbst re praktischen Urteilsprozeß, der sich ständi Il. klektiert, setzt er sich der Diskussion aus, der Ge- zieht, und zu den Îästänzcn diaiha s Wc geninstanz zur Autorität der Tradition. Diskussion. oder beeinflussen. Der Sinn nd die Funktion von tztioriäle Erörterung, ist das Medium der Kritik, Kritik hängen davon ab db der-UYrteilsprazek das Medium, in dem sie zu sich selbst kommt, kormelhaft gesprochen primär k Bil kr j statt Reklamefunktion zu erfüllen. Der Glaube an unreklektierter Überliekerang Jdérfig.;f u ux keste, in der Natur der Sache begründete ästhetische beruht. Normen „und die daraus resultierende Anmaßung, Daß eine Tendenz zur Diktatur des musikali- [18 I Gs: F t Hslitketder k icht: schen Managements besteht, ist kaum zu leugnen; teilsprozeß, als dessen cincr cs sich begreikt, vr sie ist um so gefährlicher, Je unauffälliger sie ist die Formulierung des Kritikers. nichts als ein zl suse 1e Bs Zr gs fr Scheit “s Ansatz und Fragment. Kritik ist ihrem eigenen . Kritik, die sich ü ; s ; unterwirft, verkommt zur Reklame. Nicht, daß sie wdr ti zess leut u en. Und § e tts: 'i se fe fällt, her Kritik der Kritik erscheint darum nicht als deren : le Länge un acie- j ie i rung der Kritik als grobes und h verläß- ÄrtYietrng. snderr alt brrtsstrucg, Ur ij r 21 K
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