Full text: Lübeckische Blätter. 1969 (129)

3. Mit der Demonstration tat man Herrn von Vergangenheit sollte uns lehren, klare Linien zu Thadden und seiner Partei nur einen Gefallen. ziehen.“ So schrieb Pastor Werner Apelt. Man verschaffte ihr Aufsehen, eine billige Pro- Nun ist zwar die Gaststätte der Gemeinnützigen paganda. Man tat ihr mit dem Aufwand der De- verpachtet, aber der Pächter, Herr Greilinger, lehnt monstration viel zu viel Ehre an. Wäre es in der es grundsätzlich ab, der NDP die Räume zur Ver- Königstraße ruhig geblieben und hätte man das fügung zu stellen. Auch ins Kolosseum kommt diese Zehn-Männer-Treffen in der Gemeinnützigen ein- Partei nicht mehr. kach ignoriert, so wäre die ganze Veranstaltung Die Reservierung eines Konferenzzimmers fär überhaupt nicht, auch in der Presse nicht, zur eine Pressekonferenz um 13 Uhr mit zwölk Per- Kenntnis genommen worden. Aber so bekam Herr sonen wurde während der Abwesenheit von Herrn von Thadden. was er haben wollte. Greilinger vorgenommen. Er erfuhr erst wenige Schade, aber vielleicht fürs nächste Mal einer Lage vorher durch einen Zufall, dak : von Pberlegüne tert U ;} 11%» dqtiz v35 bs cohls ketus: Mit den Protesten war es damit aber noch nicht einbarung nicht mehr rückgängig zu machen. zu Ende. Jetzt richteten sie sich gegen die Gesell- Die bisherigen Erfahrungen mit dieser Partei schaft zur Beförderung gemeinnütziger Tätigkeit. haben gezeigt, daß die Überlassung von Räumlich- Und sie kamen aus den Reihen ihrer Mitglieder. keiten an sie für eine Institution wie die Ge- „Die NDP gehört nicht in die Gemeinnützige. Die meinnützige nicht in Frage kommen kann. Luba Kann Musikkritik objektiv lein? Von Carl Dahlhaus Fragen der Kunstkritik wurden bereits in es ausüben, begründet ist. Autoritäres Gebaren Nr. 13 der »„»Lübeckischen Blätter“ vom 21. Juni täuscht nur schlecht über sie hinwe 19689 in Form einer Kritik unserer Ausstel- ; E . p ; B: : lungskritiken angeschnitten. Wir werden dar- Die Fragwürdigkeit aber ist unaufhebbar; nichts auf noch zurückkommen. wäre falscher, als in ihr einen zufälligen Mangel Der folgende Aufsatz handelt von den Schwier zu sehen. Kritik, die etwas taugt, ist Reflexion, rigkeiten der Musikritik und damit weitgenend die nirgends, auch nicht vor der eigenen Existenz th. ei ; nta Hor. Kunst- und deren Grundlagen, haltmacht und haltmachen sehr wesentlichen Beitrag zu diesem Thee ren darf. Zur Kritik gehört die Kritik der Kritik. Nicht, Der Aufsatz der Berliner Professors Dr Cart daß der Kritiker den einzelnen Urteilen mißtraut, Dahlhaus erschien in der im Verlag B. Schott's die er fällt: Von deren Triftigkeit und Angemes- Söhne, Mainz, „erscheinenden „Neuen Zeit- senheit muß er überzeugt sein, um sie prägnant schrift für Musik“. und wirksam formulieren zu können. Unentschie- Dem Verlag und dem Autor danken wir für denheit verdirbt den Stil, der einem Kritiker, so- die freundliche Genehmigung zum Abdruck. kern er sich als Schriftsteller versteht, nicht weniger Seit ungefähr zwei Jahrhunderten ist Musik- wichtig ist als der Sach- und Wahrheitsgehalt einer kritik eine Institution, und zwar nicht nur in dem Rezension. Was zweifelhaft erscheint, ist vielmek- Sinne, daß sie Einfluß ausübt, sondern auch in- die Legitimität des öffentlichen Urteils übernauprt, sofern, als sie gegenüber den Voraussetzungen, eines Urteils, von dem nicht feststeht, ob es einen auf denen sie beruht, und den Funktionen, die Abschluß oder einen Anfang darstellt, ob es als sie erfüllt, eine L EWisse Selbständigkeit erlangt Richtspruch gemeint ist oder den Leser dazu an- hat, so dak es fast scheint, als wäre sie dadurch, regen soll, sich durch Zustimmung oder Wider- daß sie existiert, bereits gerechtfertigt. Gerade in Spruch seiner eigenen Meinung bewußt zu wer- ihrer institutionalisierten Form, als tägliche Re- den und sie zu artikulieren. rension von Aufführungen; aber miktrazt Musik- Ebenso widersprüchlich wie die Erwartungen, kritik sich selbst, auch wenn sie es selten einger denen die Musikkritik begegnet, sind die Vor- steht. So fest sie einerseits, trotz des dumpfen würke, denen sie ausgesetzt ist: Vorwürfe, die sich Widerstandes, dem sie manchmal begegnet, im gegenseitig neutralisieren müßten und die dennoch, allgemeinen Bewußtsein etabliert ist, und sei es nur sogar im selben Bewußtsein, nebeneinander Platz als notwendiges Übel, so deutlich empfindet sie haben, ohne sich zu stören. Die Kritik der Kritik andererseits ihre eigene Fragwürdigkeit. Die An- ist ebenso zerspalten wie die Kritik selbst, deren maßung, die aller Kritik, auch und gerade der Widerpart und Fortsetzung sie bildet. Der eine be- lobenden, untrennbar anhaftet und als deren sub- klagt, daß Kritik sich autoritär und dogmatisch ge- jektives Moment die Fitelkeit der Kritiker er- bärde, der andere dagegen, daß sie standpunktlos scheint, ist blok die Kehrseite einer Unsicherheit, sei. Wer über feste Maßstäbe zu verfügen glaubt, die primär im Metier selbst, nicht in denen. die macht sich nicht weniger verdächtig als ein Skep- >21 4
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