Full text: Lübeckische Blätter. 1968 (128)

sprach das übrige der Witwe bar auszuzahlen, das noch vorhandene, mehrfach erweiterte und um- überließ ihr auch sein Haus in Steinrade unent- gebaute Herrenhaus Mori, das heute als Alters- geltlich auf Lebenszeit zur Wohnung.“ heim dient. Nach dem Brand des Gutshauses 1638 ließ Müller Die Gemeinde Stockelsdork aber führt in Er- 1639 ein neues Wohnhaus bauen, 1640 einen neuen innerung an die lange Verbundenheit mit der Fa- Bergfried. An seinem neuen Besitz hatte Adrian milie von Calven im Gemeindewappen die drei Müller jedoch nicht lange Freude; er starb schon Sterne der Calvens und nannte eine Straße (im 1644. Aber er setzte sich selbst ein Denkmal in Neubaugebiet östlich der Ahrensböker Straße) nach dem Zeugnis der Vergangenheit, das er hinterließ: ihnen. Die Lübecker Tesdorpks und Renlefeld Von Rektor i. R. Max St e en, Bad Schwartau Es ist wenig bekannt, daß die noch heute in Hufen“, d. h. Bauernhöfe, deren Besitzer entweder Lübeck ansässige und einst zu den „Ratsverwandten“ gestorben oder bei Nacht und Nebel entwichen zählende Familie Tesdorpf ihren Anfang aus Rense- waren und für die sich dann oft jahrelang kein feld bzw. Kaltenhof herleitet. Ihre Urheimat mag Nlachfkolger bereit fand. in dem Dorfe Thesdorf im Kreise Pinneberg zu Bischok Hans war aus diesem Grunde gern be- vermuten sein, und als erster Namensträger ist reit, der Bitte seines Kaltenhöfer Amtsschreibers Peter Tesdorp überliefert, der von 1598-1628 als nachzukommen. Bereits am 1. März 1646 lag für Vogt auk der Nordseeinsel Neuwerk bezeugt ist; Johann Tesdorp die Überlassungsurkunde vor, die aber schon mit seinem Sohne Johann, geboren 1598 nun allerdings in seinem Falle ganz besonders im Lande Hadeln, führen die Wege der Tesdorpfs „huldvoll“ abgefaßkt worden war: in unsere engere:Heitmät. „Von Gottes gnaden Wir Hannß, Bischoff zu Johann Tesdorp erhielt offenbar eine für seine Lübeck, Erbe zu Norwegen, Hertzog zu Schleswigt Zeit vorzüglich Schulbildung, so daß er als Sekretär Holstein, Stormarn und der Dithmarschen, Graffe in die Dienste des Bremer Erzbischofs treten konnte. zu Oldenburgk und Delmenhorst, thun kundt und Erzbischof Johann Friedrich, der aus dem Gottorper bekennen hiemit, für Uns, unsern Nachfolgern und Fürstenhause stammte und seit 1607 als Bischof auch sonst Jedermenniglich, demnach Unser Ehrbar über das Bistum Lübeck mit der Residenz Eutin Ambtsschreiber zum Kaltenhofkfe und lieber getreuer gebot, kam durch seine schwankende Politik wäh- Johann Teßdörff zeitwärend Unnser Regierungk rend des Dreißigjährigen Krieges in schwere Be- allemahl treu gewesen und nach bestem Vermögen drängnis. Sowohl seine bremischen als auch eutini- gute Dienste geleistet, daß Wir also uf sein Unter- schen Lande wurden abwechselnd von kaiserlichen täniges Bitten ihm Marcus Grambstörfen wüstes und dänischen Kriegsvölkern heimgesucht. Er selber Erbe – zwischen Hennig Prawesß und Harmen mußte von Ort zu Ort fliehen, und als letzte Zu- Westermann zum Rensefelde belegen ~ aus gnaden flucht blieb ihm sein Gut Kaltenhof bei Schwartau. frei gegeben und damit belehnet haben ... Als treuer Begleiter seines unglücklichen Fürsten Zu Uhrkundt deßen haben wir diese Begnadi- war auch Johann Tesdorp nach Kaltenhok gekom- gungh mit Unnserm Fürstl. Handtzeichen und auff- men, und wir finden ihn dort 1633 als Amts- getruckten Cammer Sigell bekrefftiget. So gesche- schreiber tätig. Als solcher hatte er die umliegenden hen uff Unnser Residentz Euthin. Bischofsdörfer Rensefeld, Ratekau, Sereetz, Offen- Den 1. Martz 1646 dork, Ovendork und Ruppersdork zu verwalten. Hanns“ Außer den üblichen Haterlieferungen beliefen sich Bei „Marcus Grambstörften wüsies. Erbe‘. han- seine Einkünfte auf jährlich 30 Speziestaler und delte “s. sich um den heutigen Stammerschen Hof wöchentlich 2 Mark „Kostgeld“. Wenn der Rense- in Rensefeld. Es wax eine Vollkufe und umfalite kelder Kuhhirte damals zwar nur bare acht Taler rund 15 000 Quadratruten (etwa 30 Hektar). Die im Jahr verdiente, ,so war auch mit „dem Einkom- besondere Huld des Bischofs äußerte sich in der Be- men des Amtsschreibers sicher kein üppiges Leben merkung, daß Johann Tesdorp von allen Hof- zu führen. diensten und Abgaben befreit sein sollte. Als Johann Tesdorp dann 1645 die Lübeckerin Die bischöfliche Gunst gegenüber seinem Amts- Christina Holtermann heimführte, war das wohl schreiber war mit der Überlassung des Rensefelder Anlak genug, bei seinem jetzigen Brotherrn, dem Hofes noch nicht erschöpft. Im folgenden Jahr er- Bischof Hans, mit der Bitte vorstellig zu werden, hielt Johann Tesdorp auch noch einen „Ort Landes man möge ihm zur Aufbesserung seines Unterhalts mit Krughaus in Schwartau nahe der Brücke“. Ge- in Rensefeld einen Bauernhof überlassen. Das klingt meint war der spätere Krug „Altdeutsches Haus“ nach heutigen Begriffen ein wenig dreist oder gar in der Eutiner Straße. Johann Tesdorp hat den unverschämt. Aber damals gab es infolge der Segen der bischöflichen Gunst nur vier Jahre ge- Kriegswirren in vielen Dörfern sogenannte „wüste nießen können. Er starb 1651. Die junge Witwe 282
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