Full text: Lübeckische Blätter. 1968 (128)

Stimmtführung der Männer wünschen. Gemeinsam jz mit dem Kammerorchester bildete der Chor unter â |Y der Leitung von KMD Bruno Grusnick einen ge- L lo î Z schlossenen Klangkörper, der den groß angelegten KAUFT MAN BEI BUSCH ; Akzenten beider Werke zu tragender Breitenwir- uiid kung verhalf. LUBECK - HÜXSTRASSE 54:58 - TEL: 0451 77081 Als Einstimmung und zwischen den Werken spielte Johannes Brenneke Bachs Orgelbearbeitun- . ; . . gen zu „Nun komm, der Heiden Heiland“ und „Ge- Juliu Edlis: Abel, wo ist dein Bruder? (Studiobühne) lobet seist du, Jesu Christ“ jeweils in drei Versionen Die Studiobühne hatte wieder einen großen (Choralsatz – Fantasie bzw. Choralvorspiel – Or- Abend. Wilhelm Semmelrotn vom Westdeutschen gelchoral). Sein Vortrag gehörte mit zum Eindrucksr- Rundfunk in Köln war gewonnen worden, die west- vollsten dieser Abendmusik. Nils Hansen deutsche Erstaufführung der „autorisierten Über- rf. NL UE r EON EIS Oscar Wilde: Bunbury (Kammerspiele) Juliu Edlis zu inszenieren (die Erstaufführung einer anderen Übersetzung fand bereits vor Weih- Wenn Oscar Wilde auchn in seinem persönlichen nachten in Celle statt). „Weil es das Stück eines Leben ein Dandy gewesen sein mag, s0 ist das noch jungen Russen ist über ein Thema, über das noch kein Grund, den Wortführer seiner zynischen Ge- kein Deutscher ein Stück geschrieben hat .... weil sellschaftskritik, Algernon Moncrietf, als einen al- dieses Stück erkennen Iäßt., daß richtiges politisches bernen und oberflächlichen Gecken darzustellen, der Denken richtiges moralisches Denken voraussetzt, malerisch in Sesseln posiert und stets darauf ber daß das politische Gewissen auch ein moralisches dacht zu sein scheint, beim Publikum ästhetisches Gewissen ist“, inszenierte Semmelroth den „Dialog Entzücken ob seines hübschen Aussehens zu err in zwei Teilen“, der eigentlich mehr Hörspiel als wecken. Es hätte vermutlich Oscar Wildes ästhner Bühnenstück ist und allenfalls im intimen Raum der tisches Empfinden mehr befriedigt, wenn der betrek. Studiobühne zu angemessener Wirkung gebracht fkende Schauspieler sich wenigstens in den entscheir werden konnte. denden Szenen auf seine Rolle und aut sein Gegen- Zwei russische Ingenieure, beide Mitte vierzig, über hätte einstellen können. Ein Liebhaber sollte sitzen auf der Terrasse eines Restaurants in einem seinen Gefühlen gegenüber seiner Braut, die ihn Kurort am Schwarzen Meer, erkennen sich nach vom überzeugten Junggesellen und Anhänger des über zwanzig Jahren wieder; in grellen Rückblenden „Bunburyismus“ zu einem verliebten Bräutigam bricht die Erinnerung an das gemeinsame Kriegs- wandelt. anders Ausdruck verleihen können als erlebnis in die Gegenwart hinein + beide gerieten durch ein gelegentliches Auf-den-Rücken-klopfen. in deutsche Gefangenschaft. und der eine wurde Auch Stottern und Stammeln macht sich nicht gut zum Verräter, trat der „Russischen Befreiungs- bei einem Spötter, der die Schwächen seiner Um- Armee“ bei, überlebte, wänrend der andere nur welt in geschliffenen, brillanten und vor allem durch Zufall die Exekution durch Angehörige der witzigen (nicht unfreiwillig komischen) Aussprüchen „ROA“ überstand. Abel hat den Brudermord über- auf liebenswürdige Weise enthüllt. Diese Miniatur- lebt und trifft, zwanzig Jahre danach, seinen Mörder ausgabe des unsterblichen Lord Henry war eine Kain. Eine quälende Gewissenserforschung beginnt, eklatante Fehlbesetzung (Werner Schulenberg), was Gerechtigkeit soll siegen, aus „Verantwortung ger um so erstaunlicher ist, als dem Regisseur (Martin genüber denen in der Grube und den Söhnen“ Ankermann) ja ein vorzüglicher Darsteller des geist. Kains: Müssen diese Söhhne nicht erfahren, wer ihr reichen Zynismus zur Vertügung stand (Günter Vater war und was er tat, um zu begreifen. in Bothur in der winzigen Rolle des Butler). Oder welche Abgründe der Versuchung und der Schuld sollte man den Mut zu einem unverfälschten Oscar der Krieg den Menschen stürzt, um daraus zu lernen, Wilde nicht gehabt haben. weil es der zuschauenden daß es niemals mehr Krieg geben darf. niemals Gesellschaft selbst zur Silvesterstunde nicht zuzur mehr den staatlich befohlenen Brudermord? muten ist, einmal über sich selbst zu lachen? Wilhelm Semmelroth inszenierte den Dialog zwi- Von dem angeborenen Verdienst, ein echter Gert Ezoy resin h N [tit teigrnsensttrutuenr Ernst; leman zu sein, ließ Franz Trager als Jack Worthing LY: G : ! n ZU , S : ihm kreisender Intensität: wer trägt die Verantwortung bienizzten zer ZN “za nesou pr. für die Schuld, in die Kain stürzte? Und hat Abel S nbürtig. Beate Tschudi hätte als inre Kontrast- das Recht, nach soviel Jahren noch Gerechtigkeit fs u mnit natürlich-charmantem " common-sense“ Zu fordern? Mit einfachsten. aber sehr präzise ein- figur, die V Burch föhig ist. einen Algernon zur gesetzten Mitteln wurden die Rückblenden in die begabt i eiten. etwas geistvoller und eben weniger Zeit des Krieges bewältigt. Schwach vom Stück her Es: ask ls! dürken. und auch schwach inszeniert war der allzu konven- seleüinstolt sein Ur sine Oscar Wildes und sotve- trsenutnis und ‘vun Rirsostätanis vciner Schu räne Verfügung über ihre darstellerischen Fähig- geführt hat, einer Herzattacke, die er gleichsam bis fine . te irene Marwitz. als Lady Brecknell Zu diesem Augenblick der Gerechtigkeit aufser Das Ergebnis war okt von entzückender Komik: eine ¿choben hat. vollkommene Leistung. . Gerd Braasch in der Rolle des Abel war von Sehr seltsam mutete das Bühnenpild an (Artur verbissener moralischer Konsequenz, von fast Hamm). Da Oscar Wilde in seinen Stücken bereits quälend starrem Gerechtigkeitsdrang, dabei von er- eine Parodie der Gesellschaft liefert, kann die Ab- greifender Menschlichkeit. Henry Kielmann in der sicht. ihn seinerseits zu parodieren, leicht zu einer psychologisch interessanteren Rolle des Kain gab über Erwarten gelungenen Selbstparodie des Bün- keine ausgefeilte Charakterstudie; daß der „Dialog“ nenbildners führen. s0 spannend verlief, war vor allem sein Verdienst. Der Dichter hätte an dieser Silvesterpremiere Hervorragend diszipliniert spielte Kielmann die LEk f. sr kt sagt, besten Stückes vermutlich Ausbrüche der Angst und Verzweiflung in den ons g man y bt –~ aber wie verschieden sind RückblenderSzenen. Kristin Jentz fügte sich mit ts treue yehqtt ZIL zre. amüsierte sich in wohltuender Bescheidenheit in die dramaturgisch fle rug Es hatte die Kunst, ernst zu sein, aus ziemlich überflüssige Rolle der Kellnerin ein. ' dieser Aufführung nicht gelernt. Peter Henschel Peter Henschel
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