Full text: Lübeckische Blätter. 1968 (128)

tragen. Da man bereits nach füntk Spielminuten sich Fortgang und glückliches Ende selbst auszurechnen vermag, kann der Zuschauer nur durch zwei an- “ § sro r'ettoren fasziniert werden: den Dialog und das . g: el: '" U ‘.Er 1) r.. , . Die Dialoge sind, wie es der Zeit entsprach, ritt. ast. s. t grazil und elegant. Sie ranken sich vergnüglich durch die Geschichte von Silvia und Dorante, die von den Eltern einander versprochen sind, ohne sich zu kennen. Beide kommen, um den unbekannten Partner zu prüfen, auf den gleichen Gedanken, näm- lich mit ihren Bedienten, der Zofe Lisette und dem macht zu gewinnen, folgt Sternheims primitiv-egoi- Diener Arlequin, die Rollen zu tauschen. Gewisse stischer Spießbürser. dessen Machtbereich sich zu- sozialrevolutionäre Tendenzen der Zeit klingen an nächst nur auf seine Familie, dreißig Jahre später (wenn auch längst noch nicht so stark wie dann bei aber über alle von ihm unterjochten Völker Europas Beaumarchais), nämlich daß Liebe notfalls auch erstreckt. Es stent dem Theater der Stadt, die im- Standesschranken zu überwinden vermag. Aber der merhin den Dichter des „Untertan“ hervorgebracht glückliche Ausgang führt doch jedem den inm – Hat, gut an, nach bemerkenswert langer Sternheim- auch von der Geburt her – gemäßen Partner zu. Abstinenz sich dieses Dichters zu erinnern, der Wenn man ein solches Stück heute auf die Bühne schon zehn Jahre vor Heinrich Manns Abrechnung brinét. “o ist das nur M zlich, wenn man dis: Ge- mit dem wilhelminischen Spießertyp die eminente wißkeit hat, daß die Aufführung glückt. politische Gefahr erkannte, die sich in der ,strot- Sie gli cite In. unserer Besprechung von Ri- zenden Dreieinigkeit von Ungeist, Muskel, völki- chard IE x Ü. Set Mir den Satz: „Regie ~ €s gab schem Bewußtsein“ eben in Leuten vom Schlage cor Sr auf dem Lübecker Theater“. Es gibt sie Theobald Maskes (wie Diederich Heßlings) verbarg. wieder. Diese zweite Schauspielinszenierung der Die Lübecker Sternheim-Inszenierung des Jahres neuen Spielzeit bestätigte es. 1968 ist in vielem vorbildlich. Das beginnt beim Ulrich Hüls, den Lübecker Theaterfkreunden noch Programmheft, dessen Bild- und Textbeiträge dem von seinem früheren Engagement an der hiesigen Theaterbesucher eine wesentliche Verständnishilfe Bühne als kluger und immer eindrucksvoller Schaur sem können, das setzt sich fort beim Bühnenbild spieler bekannt, hatte aus dem Stück von Marivaux (Heinz Hansen), dessen stockfleckige, muffige Spie- alles, was es noch an Bühnenwirksamkeit bietet, Bigkeit böse und gefährlich wirkt und bildhafte bis zur letzten und feinsten sprachlichen und mimi- Interpretation dessen ist, was sich in seinen vier schen Nuance herausgeholt. Undci seine Darsteller wänden abspielt. Der Regisseur Wolf-Dieter Pahlke hatten dabei freudig und zuverlässig mitgemacht. läßt den Sternheim-Text in messerscharfem Stak- é der Silvia der Kristin Jentz ließ sich wieder kato sprechen, alles Falsche, Verlogene, Böse in den tn L] k rn ct, fie sr Ur Uh geschickten Füh- sechs Personen wird erbarmungslos freigelegt, De- ta ce euer ir Hedark, um die wirklichen Mög- maskieruns kindet statt, wir sehen geradewegs in lichFeiten eines Darstellers, die bisher mehr oder fis: purusrliche U NT kurioss. Ättkant. scheint : t .. ‘aren, zu entfalten. zuna b l X A. POSSE abzugleiten, aber Freniger verborgen srpuchen Dorante servierte Schon fängt sich die Regie und wird zunehmend LU c ace eifelten - LiepesbslsJerunssn. 39 klus uz: jr meistertttst litensttät werden überzeugend, dalz selbst die uns heute ). é tremd. die Skenen gestaltet, verdichtet § Erhslciein- ; é "1.4 it noch laubhaft mende Stimmung von erotischer Lüsternheit, mora- tors L “es Brrptuezrnt: war ut ste lischer Verlogenheit, Arroganz. Borniertheit. Geld- wurds. Hunter Boro. “jqui gu ch Marivaux seine gier, Bosheit zum Triumph der Unmenschlichkeit. Freude gehabt hätte, und Dagmar Laurens stand Ein hervorragend eingespieltes, diszipliniertes ihm an ,plietscher“ Zokenmunterkeit nicht nach. Ensemble folgte dem Regisseur. Gerd Braasch, am Die beiden in die Verwechslungspläne Einge- Anfang bedenklich in Klamotten-Nähe, steigerte weihten, Vater Orgon und Sohn Mario, Hannes sich in der Rolle des Theobald Maske zu einer Krüger a Werner Schulenberg, Z0gen in verr psychologischen wie sprachlichen Meisterleistung. Die schmitzter K raderie an den Fäden, mit denen Bösartigkeit und Gefährlichkeit des Maske nahm die f tetsr VamsraLLLsick noch ein bißchen mehr beklemmende Ausmaße an, selbst die grotesken L ENV Ert: werden Mußte Pointen, der verzerrte Humor, die Reste von Mensch- t : it einer leicht ins Parodi- lichkeit gerieten Braasch zu dämonischer Hinter- Malte Marks hatte MO SZeNerie den gemäßen gründigkeit. Ihm ebenbürtig die psychopathische stische gesteigerten Roko. Studie, die VIrich Hüls aus dem Benjamin Mandel- Rahmen geliefert. „jsp phesterabend eine stam machte: so EXPressiVe Schauspielkunst sahen g Drtt§a zugt om san L ers test cronss rit tciss tau rztir pet o§mwer Herr Motu. : in Lübecker Theaterabend, ..:; S ; .: Kort Und. pet. §10. tem tischen Pathos and war Ln Uszcrireßpen. Don Juan. Kristin Jentz in der schwierigen Rolle der Frau Maske, „die nach kurzem Traum von einer Carl Sternheim: Die Hose (Kammerspiele) Weide auf üppigerer, bunterer Wiese in Maskes danten Vibach Spielplanpolitik Stall heimfindet“, gab ihrem Spiel so viel echte ; Dts tnsten "rte: Jar dritten Schauspielpremiere Töne erotisch unbetfriedigter Weiblichkeit, daß sie s!rËm!t. hereits N c: t das Thema, unter dem fast zur stillen Hauptfigur des Abends wurde. Daß überzeugende Gesta It an; dieser Spielzeit stenen: sie das Opker ist, das auf dem Altar wilhelminischer die wichtigeren Stücke . ich nach Shakespeares Bürgerlichkeit klaglos ihr Glück hingibt, wurde Mensch und Macht, setzt s Hose“ und Gorkis eindrucksvoll deutlich. Barbara KupkerSchwelien pBichsra In: in Sternueins. . sich für den Zu- als strotzende Gertrud Deuter verfremdete das [Yarbarez- bort zz qrze Le zante Perspektiven; Thema der Weiblichkeit ins Grotesk-Dissonante; ein schauer viele neue und in Sicht das andere; auf Ohrenschmaus die Inbrunst, mit der sie ihre Courths- E! tstusr rtguertt. Ls mer der vor keiner Mahler-Passagen mit allen falschen Tönen schmach- §ttatcespean v ns zurückscheut, um die Königs- tete. Peter Henschel . „Z I:
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