Full text: Lübeckische Blätter. 1968 (128)

Es ist schwer, die rechten Worte bei Feiern der Wie wollen wir der Überbevölkerung, des Hun- Freude und des Schmerzes zu finden, aber es ist gers und des kommenden Aufruhrs Herr werden, fürchterlich, wenn sich dann Bibelwort an Bibelwort wenn wir aus der Liebe nicht alles tun, die in dem reiht, oft ohne jede Beziehung zu der Stunde, oder Menschen schlummernden Geisteskräfte freizuma- wenn, wie ich es jetzt erleben mußte, bei der chen, um sie in neue Erkenntnisse, höhere Ernten, Totenkeier für einen jungen Menschen, der seinem bessere Verteilung umzusetzen? Leben selbst ein Ende gesetzt hatte, das Wort ge- Unsere Wohlstandsgesellschaft ist doch nur Fas- sagt wurde, er habe in die Souveränität Gottes ein- sade, hinter der schon die Männer stehen, die sie gegriffen ~ als wäre jener Gott so klein – und gtcinreißen wollen und mit ihr zugleich unsere De- dann der Segen dem sich senkenden Sarg versagt mokratie, die zerstören wollen, wie sie es offen wurde. ausrufen, die sich nicht scheuen, in die Kirchen Komme Kirche zu den Menschen! Es sind keine selbst einzudringen + aber die Kirche muß es heute 5 v. H. der Kirchenmitglieder, die als wirkliche und jetzt wissen, daß sie nicht außerhalb unseres Glieder der Gemeinde angesprochen werden kön- Lebens steht, daß sie mitten in unserem Leben ihren nen. Reibst du dich nicht wund daran, Kircher So Platz haben sollte. ohnmächtig ist das Wort, das du sprichst! Ja ~ Die ungeheure und kaum faßbare Erweiterung wir missionieren draußen in der Welt ~ aber hier, menschlichen Erkennens und Erfassens macht uns in was geschieht denn, um den Menschen zu helfen? dem Suchen nach Gott immer hilfloser und immer Wenn es wahr ist, daß das Heil den Menschen yerlassener. Die Massengesellschaft macht uns immer vom Worte Gottes kommt, dann ist es doch der einsamer, im Hochhaus stirbt man ganz allein. ~ Auftrag an die Kirche, zu den Menschen zu gehen Und wenn es in einem solchen Massenquartier und nicht zu warten, bis sie kommen! In die Kirchen des Nachts ganz still ist, dann schleicht sie uns an, kommen sie nicht, sie sind leer oder so klein ge dle Frage nach unserer Verlassenheit, der Schrei schaffen, daß eben nur jene kaum 5% hineingehen. „ach Gott, der in der Kehle stecken bleibt, dann Will sie nicht mehr haben? schrillen die Telefone in den Telefon-Seelsorge- Zwei Jahre Konfirmandenstunde, aber immer stellen, die eine neue Form des Helfens und des mehr Frühehen, Ehen, die auch vor dem Altar Redens von Gott sind. Gottes geschlossen werden, weil man es nicht Gott. 'w6tbist dus! Jr den’ Häusern der Kirchen, missen möchte. Und wie oft weiß es der Pfarrer, jg iti dich Laum nude chen. auch. aft. zuckik.ein dal sie nicht halten kann, daß sie nur heiraten, Jen, selbst wenn wir lißcingehcg! Die Liebe, wo weil das Kind erwartet wird, und up emem Jahr finden wir sie? Auf den Zebrastreifen des Todes, stehen sie vor dem Scheidungsrichter! Wo ist der wo wir. an. den. zittermden, alten. MenschEN,.; Cie flammende Aufruf der Kirchen gegen die Ver- hinüber wollen, vorbei rasen als die Stärkeren, in zerrung des Sexus und der Zerstörung der Intime (len vollgestopkten Bussen, in denen die Schüler sphäre, der Übertreibung der Mode, des Aufruhrs hyreit sitzen und die alten Mütterchen stehen, und der Kinder, wie wir ihn jetzt erlebt haben? wo keiner mehr die Liebe hat, den Beladenen und Wo ist die Hilke für die junge Generation, die Alten zum Sitzen zu verhelfen. aufwächst ohne Richtbilder, ohne Vorbilder, denn Die Welt ist weithin liebeleer, sie genießt, sie was können wir Erwachsenen ihnen bieten? Was jchenkt sich auf den Straßen und Gassen ~ „Sprich bieten wir ihnen außer unserer Sucht nach mehr gdloch von der Liebe, Kirche, tue sie vor allem!“ Gewinn, nach höherem Lebensstandard, nach we- gicher, es gibt unzählige Werke der Liebe, die aus niger Arbeit und mehr Komfort? Woher sollen sit unseren Steuergeldern geschaffen werden, Kinder- Achtung finden vor Politikern, die im Zeichen der gärten, Beratungsstellen, Altersheime, Heime für abschwächenden Konjunktur nach der Alterssicher- Schwachsinnige und Krüppel, ein ungeheures Werk, rung rufen, die sicher in einem gewissen Rahmen ,gjwyir brauchen nur an Bethel und an die Alsterdorfer berechtigt ist, aber den Jungen doch nur sagen Anstalten zu denken oder an unser Heim Vorwerk. kann, auch nur dafür zu sorgen! Und wir wundern uns, wo sie noch die Menschen Wo ist das Wort der Kirchen gegen die Uni- linden, die aus der Liebe diesen ungeheuer schweren versitäten, gegen die Professoren, die aus erwor- Dienst tun, denn man kann ihn nur aus der Liebe benen und erstarrten Positionen nicht weichen wol- und dem Auftrag tun. len und die Jungen einfach auf die Straße zwingen, Wir sind glücklich, daß gerade in unserer Stadt weil sie sonst nicht Gehör finden? das Werk der Vkumene blüht und wächst, daß der Wo ist das Wort der Liebe, das die Welt der Zwiespalt der Kirche überwunden werde, denn die Herrschenden in Staat und Universität für die Menschen wollen ihn nicht mehr wissen, die un- Jugend haben sollte dak sie ihren Weg der Bil- zählig zunehmenden Mischehen sind ein beredter dung und Ausbildung nehmen kann, der für das Beweis dafür. & Leben einfach notwendig ist, wenn es in der Be- Aber auch hierbei will einen manchmal das nackte völkerungsexplosion bestanden werden soll? Grausen ankommen, wie lebensfremd das geschieht. Wo ist das Wort der Kirche zur Familien- Schon das Wort „Okumene“, wer weiß denn, was planung, offen und ehrlich - dies ist bei uns in sich dahinter versteckt? Warum nicht eine Bezeich- Lübeck gut bestellt – aber in der Welt drauken? nung für den Willen der Zusammenarbeit und des 124
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