Full text: Lübeckische Blätter. 1968 (128)

Mitbürger geben würde, die dieses Schiff der Petri- sagt zu all den Fragen, die uns bedrängen + aber kirche füllen würden, wenn es wieder erstanden sie gibt sich die Ehre zu Empfängen! wäre! Natürlich ist es richtig, die Kirchen dort zu Warum schweigt die Kirche? Sie hat einmal ge- bauen, wo die Menschen heute wohnen. Aber es sprochen zu der Frage Polen und der Oder-Neiße- sind Kirchlein, sie fassen 300–9500 Personen, die Grenze. Es war ein Wort ihres Gewissens und ihrer Pfarrbezirke solcher Gemeinden haben 8000 und Liebe. Ja – es gab Aufruhr, ihr Wort hat die mehr Kirchenmitglieder, die Monat für Monat ihre Wasser bewegt, sie Ist gescholten und gelobt WOLk- Kirchensteuern zahlen. den & das sollte die Kirche nicht rühren, wenn sie Warum zahlen sie eigentlich noch? Einmal, weil aus ihrem christlichen Gewissen heraus sich zum der Lohnsteuerzahler es nicht unmittelbar spürt, Wort meldet. Warum aber schweigt die Kirche zu denn die Kirchensteuer wird ja gleich einbehal- dem furchtbaren Morden in Vietnam? Wir wissen ten – es würde vermutlich unserer Kirche viel und erkennen es dankbar an, wie der Papst sich besser tun, sie mültte sich selbst um diese Steuern immer wieder bemüht um cinen Frieden in diesem bemüken: entsetzlichen Gemetzel. wo niemand mehr weiß, Warum zahlen sie noch, wenn sie die Kirche nicht Wer F reund, wer Feind ist. Die Welt rüstet und besuchen, nach dem Wort nicht verlangen? Sie rüstet, eme ungeheure Not steht auf der einen brätich k Jie Kirck it Woru?lßie' ist die De- Seite, Milliarden in Bombern, Raketen, Kanonen frau L Zee cee no sitz gs ! s L CHO Le. und Soldaten auf der anderen. Es kann nicht heißen, Kora M E eur r s R . Pfarrer so Warum Gott das alles wieder und wieder geschehen schwer fertig würden. Das klingt wie Hohn, aber es läßt, denn Gott hat dem Menschen, wenn Sie so ist Wirklichkeit. Es sind eigentlich nur drei Sta- wollen, die Hölle der freien Entscheidung gegeben, tionen, wo wir sie nicht missen möchten, am Be- kr hat HW .:: Mex. kum Giten und uu. ust ginn wünschen sie unsere Eltern für uns mit dér Seigegeben; aver er:13t uns auch: seinen Bonn; cen Taufe – und dazu kommen sie nur in die Kirche, Christus, geschickt, der uns einen Weg gewiesen weil die früher weit verbreitete Haustaufe nicht hat, der die Menschheit aus allem Elend heraus- gewünscht wird von der Kirche – würde sie doch füt: lüswtn rss WIL ih V eben würden, en nur lernen, daß dieser Zwang so gar nichts nutzt, erLieve;und Entsagung tur en BNacngten. ; den sie da leise, aber doch bestimmt ausübt! Geht die Kirche diesen Weg? Das heikt nicht, . [ . daß wir hungernde oder schlecht wohnende Pfarrer Die Konfirmation muß dann sein, weil sonst bei haben müßten, aber sie müssen da sein, wo die den beiden anderen Stationen, der Hochzeit und Menschen sind, die ihrer bedürfen. Unsere Kirche dem Tode, Schwierigkeiten kommen könnten. IM „gllte endlich ihre Sucht, auch repräsentieren zu übrigen ist sie ein großes Fest mit Geschenken und wollen, aufgeben, oder wenn sie sich darstellt, Feiern ~ nichts gegen das fröhliche Zusammensein sollte sie es eben ganz anders machen als die Ver- mit der Familie und den Paten an diesem Tage, treter von Staat, Parteien, Gewerkschaften, In- aber alles gegen den Aufwand, der hier getrieben dustrieverbänden und Städten etc.. einfach unter wird! Und wann hört man in der Öffentlichkeit yerzicht auf alle Außerlichkeiten, damit sie auch ein Wort der Kirche gegen den Aufwand? Und ausdrückt, daß sie ehrlich ist. wenn, dann nur zögernd. Wenn eine Kirche in einer Stadt wie Lübeck ein Die bauende Kirche, könnte man sagen, erleben Haus für die kirchliche Frauenarbeit schafft, wenn wir nun seit 1950 etwa, aber nicht am Menschen sie das nicht in jedem Stadtteil schaffen kann, dann baut sie, sondern an Pastoraten und Kirchen. Die hiätte sie es zentral schaffen sollen, aber nicht in Kirche selbst ist nicht in Not, sondern sie hat der einer vornehmen Villenstraße in einer Villa der materiellen Güter allzu viele. Unsere Kirche ist Jahrhundertwende ~ das finde ich nicht glaub- einfach ebenso gesättigt wie diejenigen in den Par- würdig. Sie kann in der Innenstadt eine große lamenten, unseren vielen Regierungen und Verbän- Leuchtschrifkt über ein solches Haus setzen, daß die den, die herrschen und alles tun, ihre Macht zu Menschen es finden, es muß auch so eingerichtet halten. Sie genießt deshalb auch ein öffentliches sein, daß es den Menschen anspricht, aber es mul Ansehen, das in gar keinem Verhältnis zu den glaubwürdig bleiben. Daran stoßen sich die Men- wenigen steht, die ihr als wirklich Gläubige anger schen und sie wollen doch glauben, sie wollen doch hören in den Menschen der Kirche Maßstäbe finden für rs . ab jetzt einen Empfang, als die oberste ihr eigenes Leben. Sie stoßen sich daran, wenn sie U f ! itze unserer Lübecker Landeskirche immer wieder hören, wie selbst die Vertreter der in süngere Hände überging. Hier konnte man hand- Kirche einander nicht in brüderlicher Liebe begeg- greitlich erleben wie etabliert unsere Kirche ist. nen, sie begreifen es nicht. : Schon die Fiala war größer als solche, die die Und unser Gottesdienst? Wahrlich. das Wort der Stadt zu ähnlichen Anlässen zu verschicken pflegt, Schrift ist neu wie an dem Tage, an dem cs ge- selbstverständlich eine doppelte Karte in Bütten, sprochen worden ist. Aber wie viele Verse singen Porto 0,50 DM + eine einfache Drucksachenkarte wir, die in einer vergangenen Zeit aus gläubigen hätte vollauf genügt. Und dann war alles da, was Herzen geschrieben sind, die aber uns nichts mehr die Stadt aufbieten kann – ja, die Kirche soll sagen können, denn unsere Worte sind andere ge- reden, wir warten darauf, daß sie spricht, ihr Wort worden. ub 122
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