Volltext: Lübeckische Blätter. 1968 (128)

sich unter die Liebe und Gnade Gottes beugte – deraufrichtung, an Speisung und an wirklicher Seel- was nutzen die leeren Kirchenschiffe an den Sonn- sorge! tagmorgen, in denen das Wort Gottes ohne Widerr st christlicher Glaube nur ein haltender Anker in hall verhallt? Notzeiten? Verblaßkt sein Wort, da der Wohlstand Doch ich greife vor, denn Sie werden fragen, wer eingezogen ist in unseren Landen? Warum, warum ist der, der dort spricht? Ihr Kirchenvorstand hat nur wurde aus dieser Stunde die Chance der Kir- mich gebeten, der ich nur am Rande der Kirche chen nicht weitergetragen? lebe. Ich bin nur selten in einem Gottesdienst. Mir Vieles hat ‘die Kixche. selhsk p6ttan. [Sie spürte hat einmal der vielen von uns unvergessene Pfarrer plötzlich Macht. Die Kirche als Orgäanizicrte yuree Frommhold ßesgt. © sci gleich, ob § in Pfarrer bensgemeinschaft hatte ja nach 1933 erleben müs- ein guter oder ein schlechter Sprecher sei, es komme sen, wie die Menschen sie verließen, zuerst frei- nur darauf an, daß das Wort Gottes am Sount ag 1m willig, dann unter immer größer werdendem Druck, der Kirche gesagt werde aber Iuenz ich ) die aber auch aus Gleichgültigkeit, weil das Aufgeben Kirche §ébe. Yen yicls; an der heutigen Lithurgie kaum ein Entschluß war, die innere Bindung hatte fremd ist, dann möchte ich von dem Wort erfaßt fehlt werden. Ich bin auf der Suche nach Gott, er ent- Feten. .. . [: gleitet mir wieder, und ein wenig beneide ich die Nun nach 1945 aber spürte sie, wie die Menschen Mitmenschen, die ganz fest in dem Glauben Gottes zurückkehrten, die Kirchenwiedereintritte häuften und der Liebe Christi stehen, die die Wirren und Sid, die Kinder ließ man taufen und die Heran- Üchrecknisse unseres Daseins nicht mehr schrecken. HSachsenden kgnfirmiesév: Und man meinte es meist = aber wie viele sind es in unserer Zeit? §ro?t ;;?! quch die f Pptturritter nicht fehlen Und da kam nun der Anruf, hier heute zu spre- Mt hes Män Sci âucü die Kirche sen chen, etwas davon auszusprechen, was uns Not Mittelpunkt machen. So führte man eine zweijährige macht an unserer Kirche, auch denen, die nur an Konfirmandenzeit ein ~ ich hatte von Oktober bis ihrem Rande bisher angesiedelt sind, die hinein- Palmsonntag Konfirmandenunterricht. Heute sagt genommen werden möchten, aber den Zugang nicht man es ganz offen in der Kirche selbst, daß man finden. die jungen Menschen aus der Kirche herauskon- Unsere Kirchen hatten eine große Stunde, die sie firmiere! Man hatte ja nicht den Mut, den jungen auch ergriffen haben, aber auf Dauer nicht zu Mlenschen, die das Wort nicht hören wollten, zu nutzen vermochten. Es war die Stunde der Kapi- sagen, geht heim, kommt später wieder, jetzt ist tulation 1945, als unser Volk aus aller Überhebr unser Miteinander vertan. Man hatte nicht den lichkeit, aus einem Machtaufstand in Elend und Ver- Mut, die Eltern zu rufen und mit ihnen zu spre- zweiflung herniederfiel. Es war die Stunde, als die chen, aber man hatte den sehr fraglichen Mut, den Feinde von damals, die Freunde von heute in West Kirchenbesuch der Konfirmanden zu kontrollieren, und Ost, das ganze Land besetzt hielten, unsere sei es mit Eintrittskarten, die sie bekamen und ab- Städte noch von den Ietzten Angriffen rauchten, geben mußten, oder anderen Mitteln + und wer Millionen durch die Lande zogen, vor dem Feinde kann sich vorstellen, daß der Herr am See Ge- flohen, Hunger, Not und das Gefühl das Leben nezareth die Kinder zu sich befohlen hätte und lähmte, dak alles, dem man angehangen hatte, kontrolliert hätte, wie viele auch gekommen seien. wofür man gekämpft und gelitten hatte, Trug und Man hätte darüber nachdenken sollen, warum die Lug gewesen sei. jungen Menschen das Wort nicht vernahmen vor In jener Stunde waren es wirklich die Kirchen, lauter Bibelversen, die sie zu lernen hatten! Es ist die sprechen konnten und gesprochen haben. Sie gut, ein Wissen von Versen zu haben, von Worten, hatten doch in einem Ausmaß wie kaum eine an- die einem in der Stunde, da man sie braucht, hel- dere Institution gegen den Nationalsozialiimus und Len können. Aber man muß es ihnen begreiflich seine immer mehr um sich greifende Terrorherrr machen, man muß die Konfirmandenstunde und schaft gesprochen, sie standen nun auch gegen die ihre Aufgabe ernst nehmen, denn was alles gäbe es Besatzungsmächte, sie forderten von ihnen, daß heute, den heranwachsenden jungen Menschen an diese Menschen dennoch das Recht zum Leben diesem Ort über sein Leben und die Gestaltung hätten. seines Lebens zu sagen. Das alles ist weithin ver- Wer damals in einem Gefangenen- oder Inter- tan. Man hält an den zwei Jahren kest, man macht nierungslager leben mußte, wird sich erinnern, daß vielfach noch weiterhin Scheinprüfungen. die Baracken, die zu Kirchenräumen gemacht waren, Wie konnte es geschehen? Da wurden Pastorate überfüllt waren, daß die Pfarrer die Boten nach und Kirchen gebaut, unsere schönen alten Stadt- außen waren, sie allein waren eine helfende Instanz, kirchen wieder hergestellt ~, wahrlich, wir sind sicher umlagert von vielen Opportunisten, die sie noch unserer Kirche gerade dafür dankbar, denn wir kurz vorher verlacht hatten, aber sie haben wie haben das nicht für möglich gehalten, als wir heim- Christus den Gestrandeten nicht ihr Wort und nicht kommen durften, daß wir unsere sieben Türme wie- ihre Hilfe verweigert. Die Kirchen füllten sich, die dergeschenkt bekommen würden. Aber die Petri- Menschen suchten Trost und Mahnung zugleich. Un- kirche ist innen noch voll Schutt, nicht etwa nur, endlich viel haben damals die Kirchen getan an Wie- weil das Geld nicht da sei, sondern weil es keine | 22
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