Full text: Lübeckische Blätter. 1968 (128)

den üblichen, routiniert auf „malerisch“ zurecht- fassende Photographie H ein z D u d a s , die auch frisierten Fremdenverkehrs-Werbefilmen. Schon dem Altvertrauten ganz ungewohnte, packende nach den ersten Einstellungen weiß man: dem Agxpekte abzugewinnen weiß und über eine erstaun- Drehbuchautor und geistigen Urheber, Dr. G u s t a v lich breite optische Skala von zarter, Iyrischer Be- Robert Knüppel, ging es keineswegs darum, schwingtheit bis zu unbarmherzig entschleiernder, die bekannten Sehenswürdigkeiten Lübecks wieder oft ironischer Zustandskritik verfügt; die profunde einmal unc möglichst originell abzuphotographieren Vertrautheit des Drehbuchautors mit seinem Stokk — er setzte sich vielmehr die anspruchsvolle Auf- und vor allem der hohe Anspruch beider auf kom- gabe, das aus Tradition und Gegenwart geformte promißlose Wahrhaftigkeit, der die Bildfolge immer Gesicht der Stadt mit allen seinen Licht- und wieder über das real Ausgesagte hinaus transzen- Schattenseiten aufzuzeigen und damit gleichsam dieren läßt. ihren Lebensnerv bloßzulegen. Denn was anderes A ichtet'sich: di Filni? Gewili:nicht än ist das architektonische Gesicht einer Stadt, als der d n co. rt Yet set c se iten“ p c th Niederschlag des Geistes ihrer Bürger, als die „sicht- en : § 18 Je guns : eus. U YE ENU- bare Hülle für den unsichtbaren Lebensatem der [zus teu. .o s en. C er sf V vici. kur Stadtsemcinde:. als die steinerne Chronik ihrer das L cgenwärtigs wie für das künftige Gesicht seiner Vergangenheit: Stadt und nicht zuletzt an die Jugend, der ein Es handelt sich aber auch nicht um einen „Kultur. Weesensbild ihrer gewohnten und deshalb kaum film“, sofern in dieser Bezeichnung etwas von ziel mehr bewußt wahrgenommenen Umgebung vor- gerichteter, überhöhender Wirklichkeitsdeutung mit- geführt werden soll. schwingt ! sondern um eine sachliche, ehrliche, nichts So wird hier denn auch nicht gespart mit Kritik beschönigende, N ichts verheimlichende Dokumen- an dem Wiederaufbau der letzten Jahrzehnte, der tztign: da s Gesicht Lmer Stadt, gesehen seit den ja vor allem die Grundkonzeption, eine einheitliche Augen eincs unsentimentalen, kritischen, künstle- Linie vermissen läßt. Drastischer als alle Worte risch-sensiblen Betrachters unserer Tage, gettältet SIE U PLaUg F ihutttes zeigen sich die Bausünden cher suf Gruni] ener wötillurchgacter geistigen der Gegenwart: die maßstablosen Bauklötze der Konrep tion un betlägelt son einem sp Ürbar be- Schulen und Warenhäuser, die uniformen, gesichts- keirtetten Engagement ür die Aufgabe, wie sie in los-additiven Wohn- und Geschäftszeilen der einst een solchen Falle vielleicht nur der Amateur, kriegszerstörten Straßen; die Mißachtung des alten, der „Liebhaber“ im wörtlichen Sinne, aufzubringen organischen Stadtplanes im wiederaufgebauten vermag: Gründerviertel; der beschämende Abbruch eines Denn es verdient weiterhin betont zu werden. Kulturdenkmals wie des Lemkehauses in Trave- daß wir es hier mit einem Amateurwerk zu tun münde .... Es wird aber auch gezeigt, wie zeit- haben, hergestellt im Auftrag und aus Mitteln der gemälie Bauformen sich mit einigem Fingerspitzen- „Gemeinnützigen“ und, nebenbei bemerkt, mit gekühl sehr wohl malstabgerecht einfügen lassen einem Bruchteil an Kosten, die normalerweise ein in den überlieferten Bestand, wie mit gutem Willen, „Professioneller“ Dokumentarfilm erfordert hätte. veranwortungsbewuliter Behutsamkeit und etwas Dies sei gesagt, nicht um von vornherein die Kritik schöpferischem Geist das Gesicht der Altstadt be- auf einen wohlwollend-onkelhaften Tenor herabr wahrt werden kann, ohne den berechtigten Forde- zustimmen, sondern im Gegenteil: um seine Meriten, rungen der Gegenwart Abbruch zu tun. nicht zuletzt die unkonventionelle Frische der Beob- Dieses ‘überliskütte Alte: die Türme und die achtung herauszustreichen. Kirchen, das Rathaus und die Staffelgiebel, die Man mag vielleicht den gelegentlich etwas ab- Stiftshöfke und die Gänge in ihrer einzigartigen, rupten Schnitt und damit eine gewisse Hektik der harmonischen Bezogenheit aufeinander neu zu ent- Bildabfolge beanstanden, die mitunter in Kontrast decken, zu erhellen, zu rühmen wird die Kamera gerät zu dem souverän-distanzierten, von Hoher nicht müde. Ja, es könnte bei solch ye! pellurs Sprachkultur geprägten Kommentar aus der Feder f Hilettss:scer oouzzzken lest der 4.7 Ds O ystss tittz Ls “er v Z N s r fzquu g uscasn.. uus und auf ein paar Ab- rt fu 1 §ett sts. rsihticitäden tek ssches brüche hier und dort käme es nicht an – was nun ntermalung Pro f essor U we R ö hls ; man N fs: : ; : mag unterschiedlicher Meinung darüber sein, ob tert nicht. in Js? Ab cht ;!er riyprr; luz: chor das Staccato kaleidoskopartig wechselnder Stand- hütte mn wgsu. » photos an Stelle einer mehr gleitenden, schweifen- amera-) Auge über. den Kameraführung mit fließenden Übergängen Möge sich etwas von diesem uneigennützigen dem Film zum Nachteil gereiche oder aber bewußt Engagement für eine gute Sache, etwas von dieser eingesetztes Stilmittel sei; man mag das Aussparen Klarsicht sowohl den drohenden Gefahren wie auch mancher wesentlicher Lebensbereiche, wie z. B. des den positiven Gestaltungssätzen gegenüber jedem Hafens, bedauern – was wiegen diese Einwürfe Betrachter des Filmes mitteilen + insbesondere schon gegenüber den Qualitäten des Films: die ein- aber allen für das künftige Gesicht unserer Stadt fühlsame, stets den charakteristischen Moment er- Verantwortlichen! | N08
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