Full text: Lübeckische Blätter. 1967 (127)

Das alte Pesthaus verschwand St. Lorenz verlor ein wichtiges Kulturdenkmal Schon im Mittelalter haben die Herren unseres Die Inschrift auf dem Kreuz wurde in großen Rates dafür gesorgt, daß die damals in kurzen lateinischen Buchstaben eingegraben, wie es dem Abständen auftretenden Seuchen in der engbebaur damaligen Brauch entsprach. Des besseren Verständ- ten Stadt nicht alles dahinrafften. Wie auch in an- nisses wegen ist sie hier mehr unserer heutigen deren Städten, legte man, um die Ansteckungs- Schreibweise angepaßt worden. gefahr zu vermindern, draußen vor den Stadttoren Vainit wan hiei- also auch. vor: dem dritten. Tor besondere Begräbnisplätze für die Seuchentoten an. «ijne Zuflucht für die. Pestkranken. ertichlet -AuGF;: Bald gesellten sich dann Siechenhäuser für an den hIecn, zu deren Unterhaltung seitens des Rates ein Seuchen Erkrankte dazu, und daneben erbaute Ka- Stück aus der großen Gemeinweide herausgenom- pellen sollten den Kranken zur Bitte um Ge- wen und den vier Vorstehern übereignet wurde." nesung, vorüberziehenden Reisenden aber zur Al- Dies Stück, zwischen der heutigen Klappenstrakße mosenspende für diese Armen Gelegenheit geben. und der Gloxinstrake belegen, ist der „Garten“, Die älteste Lübecker Anlage war das schon 1290 welcher auf dem Kreuz genannt wird. Auf ihm stand erwähnte St. Jürgen-Spital. Es lag etwa an der auch das dort angegebene Haus, das Zusammen- Gabelung von Kronsforder und Ratzeburger Allee, kunftsort der Vorsteher war. Das Wort Garten hat wo bei verschiedenen Gelegenheiten Überreste von bekanntlich seinen Ursprung in dem Wort „Gerte“, ihm ans Tageslicht gelangten. 1629 wurde es dann also „Zweig“. Was nämlich aus der gemeinen wegen des Ausbaues der Befestigungen an die Weide herausgenommen wurde, das mußte gegen jetzige Stelle verlegt. Wohl sind Friedhof und Ka- das weidende Vieh geschützt werden, was am ein- pelle uns erhalten, aber von dem dazugehörigen fachsten mit einem Flechtzaun aus Gerten geschah, Aussätzigenhaus blieb keine Spur. den man dann durch Wall und Graben verstärkte. Der Schwarze Tod war dann 1350 der Anlaß Noch heute ist hinter der Adlerstraße mitten im zur Gründung einer zweiten Anlage. Sie war der Baublock ein Haus erhalten, im Volksmunde der Beschützerin der Reisenden, der heiligen Gertrud „Pesthof“ benannt. das die Nachfolge dieses alten geweiht und lag nahe vor dem Burgtor, dem da- Vorsteherhofes angetreten hat. mals einzigen Landzugang. Auch dies Spital mußte Am Ende ihres Pestfriedhofes aber erbauten die vor den sich dehnenden Befestigungen weichen yier Vorsteher 1603 auch eine Unterkunft für die und wurde auf das weite Burgkeld verlegt. Nur Pestkranken. Es lag am Steinrader Weg, und eine der Straßenname „Am Gertrudenkirchhof“ ist als Inzgchrifttafel verkündete: „Anno 1603 hebben die letzte Erinnerung an dieses Werk der Nächsten- HVorstender dit Borgerpesthus buen laten.û Ein liebe geblieben. Mischbau von Ziegel und Fachwerk, war es mit Als dann 1597 die Pest wieder einmal die Lande seiner gebrochenen Dachlinie von 1720 ein stim- durchzog und auch Lübeck heimsuchte, reichten diese mungsvoller Bau in seiner meist nüchternen Um- beiden Heime nicht aus. Wie stark die Seuche gebung. Lange Jahre diente das Erdgeschoß dem wütete, berichtet uns ein damaliger Prediger am Kirchendiener als Wohnung,. während sich im Ober- Dom: „In dißem 97. jar erhoff (erhob) sick eine geschok der Konfirmandensaal befand. Esyyinde und ßskarlike Psstilenrie -~. und wareds Jetzt ist dieses einzige uns erhaltene Pesthaus ser lange, starven över 7000 uth allen stenden ... vom. Erdboden. verschwunden, und -dic;.an Bemer-. Das bewog den Rat dazu, eine dritte Stätte 0 kenswerten Bauten ohnehin so arme Vorstadt schaften, die diese Gefahr bannen sollte. Von ihr St. Lorenz wieder ein Stück ärmer geworden. berichtet das riesige Kalksteinkreuz, das noch heute \ s § Z ; auf dem St.-Lorenz-Friedhof steht. Welche schwerwiegenden Gründe mögen zu die- Wer sich einige Mühe gibt, der vermag die In- sem für sehr viele Bewohner von St. Lorenz un- schrift noch zu entziffern. Sie lautet: „Anno 1597 verständlichen Schritt geführt haben? Hat man denn auff den Tagk Laurentzius hebben disse nachr ganz vergessen, daß die Überschüsse dieses St.- folgende Vorstender uth (auf) Hete (Geheiß) des Lorenz-Pesthokes, dessen Ländereien ja verpachtet erbaren Rades dissen Karkhoff angefangen, Gott wurden, 1660 zur Errichtung der alten St.-Lorenz- zu Ehren und den Armen thom Beste. Ao 1598 Kirche geführt haben? Ob man wenigstens die In- hebben de Vorstender dat Hus bi den Garden schrifttafel vor dem Untergang bewahrt hat? bowen (bauen) laten.“ W.. Stier Rettet Die Dichter! Unter dieser Überschrift hat Jens Carstensen Goethe an der Fassade eines Hauses in der Alt- in den Lübeckischen Blättern vom 18. November stadt Lübecks eingesetzt. dieses Jahres auf die Gedenkstätten lübischer Dich- Gewiß sollte Lübeck es als eine Ehrenpflicht an- ter hingewiesen und sich in dankenswerter Weise sehen, die Denkmäler und Gedenktafeln für die für eine Erhaltung der Büsten von Schiller und Dichter in einem würdigen Zustand zu erhalten KZINYI 2
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