Full text: Lübeckische Blätter. 1967 (127)

dem tut auch hier noch ein Satz weh: „In der spar bers Ouvertüre „Beherrscher der Geister“, dann nischen Hafenstadt San Sebastian geboren, zeigte immerhin als populäre Zugeständnisse Schuberts sich schon als Kind seine besondere Liebe für das ,„Unvollendete“ und Schumanns Klavierkonzert, aber Harfeninstrument.“ Nun, man weiß immerhin, wie dann wieder so erlesene Seltenheiten wie Bruckners es gemeint war. Daß aber im 2. Konzert nicht nur 2. Symphonie und Brahms’ 2. Klavierkonzert, als ein Gastdirigent, sondern auch sein Orchester (die fällige Huldigung für den vor 10 Jahren endgültig Prager Symphoniker) in Lübeck zu Besuch sein verstummten Meister die 5. Symphonie von Sibelius wird, kann nur ein Leser mit hochgradigem deteke und aus der Moderne Bartoks magisch-esoterisches tivischem Spürsinn ergründen – die Angabe ist im 2. Violinkonzert, die Orchester-Variationen op. 30 Text einfach vergessen (und nur aus der Preislite von Webern, Prokofieffs Sinfonietta und Henzes hinten zu kombinieren). – Und bei der Gelegen- Quattro poemi. Man sieht, hier zeigt jemand Cha- heit noch etwas zur Schreibweise: Wenn man der rakter in der Auswahl des wenig Geläufigen, und griechischen Herkunkt des Wortes „Symphonie“ dafür verdient er schon vorweg unseren Dank. Daß schon so abhold oder unkundig ist, dann solle man Bach nicht dabei ist – noch nicht -, auch keiner auch konsequent sein und nicht „Prager Sympho- seiner Söhne, oder daß manche späteren Namen niker“ (eine offizielle Version wie die der Bam- fehlen, können andere Jahre aufwiegen. Man kann berger) und Prager „Sinfonie-Orchester“ durchein- nicht alles in einer Spielzeit bringen. anderwerfen oder die Münchner „Philharmoniker“ I ; Y ô . . eine „Sinfonie“ spielen lassen. Daß die historische Ergänzt wird diese Liste durch die drei Gast- italienische „Sinfonia“ etwas anderes ist als die konzerte. Naturgemäß bringen die Prager ihre Mu- klassisch-romantische Symphonie (wenn auch ihr Vor- sik mit (Smetanas Sarka, Dvoraks Cellokonzert, läufer), sollte man sich gegenwärtig halten und da- Stücke yon Janacek unc Kabelac), der Belgrader nach seinen Schreibgebrauch regeln (die große Gast dirigiert Glinka, Devcic und Dvorak (9. Sym- Musik-Enzyklopädie MGG schreibt sinnvoll „Sym- phonie); und die Münchner Philharmoniker spielen phonie“ — wie es übrigens auch die großen Sym- Zwar Strauß’ „Don Juan“, aber dann Roussels phoniker taten). Man ertappe sich doch selbst dabei: „Bacchus und Arjzue “Suite und die ]: Symphonie wir sprechen das Wort nach wie vor griechisch aus V0N Schostakowitsch. Sind das nun „typische“ Reise- ~ aber warum dann der italienische Schreib- Programme? Das läßt sich nicht durchgehend be- Umweg? Und warum dann nicht gleich „Filharmo- haupten. Und im übrigen ist man auf die Pro- niker“ oder „Filosofis – weil es kurios aussäher Srammangebote dieser Gäste angewiesen und kann Man möge also künftig zu Etymologie und Tra- Öit nicht zu diesem oder jenem bestimmen. dition zurückkehren oder konsequent alles einreißen. Besonderes Interesse verdienen die Instrumental- Der GMD einer Stadt gibt mit dem Jahrespro- Solisten: die Pianisten Philippe Entremont (Schu- gramm selbst seine beredte Visitenkarte ab; warum Mann) und Hans Leygrak (Mozart), der japanische sollte er überdies noch ein zwangsläufig zu karges, Geiger Koji Toyoda (Bartok) und der mit den rhetorisches Vorwort schreiben? Das ist übrigens in Pragern gastierende Cellist Sasa Vectomor sind da- all den Jahren auch nur einmal (1963/64) geschehen. bei, vor allem aber der Harfenist Nicanor Zabaleta Bernhard Klees künstlerische Absichten werden auch, fund Clifford Curzon, einer der bedeutendsten Pia- ohne 14 Kurzzeilen Kommentar deutlich genug. nisten der Welt. Daß es Bernhard Klee überhaupt Sieben der 10 Konzerte dirigiert er selbst, ein weir gselang, diese beiden Künstler für Konzerte in Lü- teres der Belgrader Prof. Oscar Danon; die Gast. beck zu gewinnen, ist eine Leistung kür sich. Und orchester aus Prag und München kommen mit ihren Wer aufmerksam das Programm liest, findet auch Dirigenten Smetacek und Kempe. Klee hat die 19 leicht die Erklärung dafür, warum von den acht Werke seiner Konzerte fast schon zu sorgfältig und Symphonie-Konzerten nur die Hälfte mit Vor- gleichmäßig aus allen Epochen gewählt, aber man konzerten (jeweils am Sonntag vorher) versehen muß ihm dafür danken, dak endlich die ganze werden konnte. Bedarf es einer ausdrücklichen Be- Breite des geschichtlichen Erbes erscheint, von Pur. Sründung, warum die Prager Symphoniker, die So- cell (Jahrgang 1658) bis Henze (Jahrgang 1926). listen Nicanor Zabaleta und Clifford Curzon und Natürlich läßt dieses Prinzip Schwerpunkte fast ver- der Gastdirigent Danon nicht für solche zusätzliche schwinden; der GMD vermeidet Bekenntnisse und Aufführung in einer Stadt von der Größenordnung das Gängige und muk auch noch auf frühere Jahres- Lübecks verfügbar sind? Für die beiden Sonder- programme Rücksicht nehmen. So entgleitet einem konzerte gilt ohnehin Entsprechendes. Daß es sich vielleicht eine geprägte Persönlichkeit, aber das er- bei den vier Vorkonzerten im übrigen keineswegs gibt wiederum den Vorteil einer sehr farbigen Fülle UM Generalproben handelt, versteht sich wohl von der Aspekte in peinlich akkurater Epochen-Dosie- selbst. ~ In einer Pressekonferenz im Sommer kün- rung. Was wird man hören? Streicher-Fantasien digte GMD Klee außer dieser Neuregelung und von Purcell, ein Vivaldi-Gloria, Händels „Saul“, Bereicherung für Lübecks Konzertleben an, daß noch zwei Haydn-Symphonien (Nr. 24 und 102), Mozarts kür diese Saison zwei Jugendkonzerte mit Ein- Klavierkonzert G-Dur KV 453 (wenigstens nicht das kührungen in klassisch-romantische und moderne allerbekannteste), Beethovens 2. Leonoren-Ouver. Musik geplant seien. ~ Man darf zufrieden sein; türe und die Pastorale, ein Harfenkonzert von Sein interessanter Konzertwinter erwartet uns. Boieldieu (eine reizvolle Neuheit für Lübeck), We- Dr. Klaus Matthias 246
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