Full text: Lübeckische Blätter. 1967 (127)

beten und Flüchen in diesen Büchern haben wir den zwischen mittelalterlichem und aufklärerischem Den- k GUT VER SIC HERT ken sich allmählich vollzogenen Wandel in der Stellung des Geisteskranken zu begreifen und zu N ATION AL schildern versucht. II. Auswahl und Pflege der Unsinnigen Das Haus und seine Möglichkeiten waren klein. Höchstens acht Kranke konnten zunächst versorst 4425 Armenhaus dieses Jahr keine Wohltäter ge- werden. Nur strenge Befolgung des Grundsatzes, haht, die sich beim Absterben, da sie doch alles niemand anders als den „von den stärksten und ge- hinterlassen müssen, dieser unglücklichen Menschen fährlichsten Graden des Wahnsinns, der RasereY gcrinnert haben“. Das Maß der Sorge um das täg- oder Tobsucht Befallenen“ aufzunehmen, konnte vor Jiche Brot war abhängig von der Anzahl der zu einer dauernden Überfüllung bewahren. Der Auf- HVerpflegenden, weswegen in mageren Jahren der genommene mußte zudem „,ein hiesiger Stadt Kind“ hjttenden Hoffnung Ausdruck gegeben wurde: „Der sein. Ausnahmen konnten dem zugestanden werden, barmherzige Gott erbarme sich dieser elenden Per- der, minder rasend oder auswärtig, mit teurem Geld gonen um seiner ewigen Liebe willen und helfe bezahlte. Die ständig angespannte Bilanz des auf golchen zu ihrer Gesundheit, oder mache sie, um milde Gaben angewiesenen Haushalts rechtfertigte das Verdienst Christi willen bald durch einen solche Regelung. Die Verpflegungssätze richteten seeligen Tod ewig glücklich“. zich nach dem Vermögen. der Ftleglinge und hee; Diese labile, weitgehend von der Gunst des Verwandten. Auch entfernte Angehörige. unter Up- Schicksals abhängige wirtschaftliche Situation for- ständen sogar langjährige Arbeitgeber wurden zur Jerte eine tragfähige Verwaltung. An deren Spitze Zahlung bewogen. Lieferung und Unterhaltung von stand als Patron des Hauses der jeweils jüngste Kleidern und Wäsche, womöglich Stellung eines Prätor des Stadtgerichtes, der die Oberaufsicht eigenen Bettes und Zahlung einer anschnlichen führte und in schwierigen Fällen Rat und Ent- “tive Efaviicten levsusliuglihe Yettequus vy: scheidung gab. Die eigentliche Administration wurde eerdigung „na er Art des Hauses oder, 1 : : .. ; ich äls Falle IE cx Gesundung, anstandslose Wiederauf- hihsegesn +16! ots. surertret: Be oa nahme bei Rückfällen. Der völlig Mittellose wuede 1819 erhöhte sich ihre Zahl auf vier, wobei ein kostenlos versorgt. Wenn ein »„gäntzlich von Sin- Vorsteher aus der Krämercompagnie, einer aus der nen Gekommener“ im Augenblick keine Fuluahgze Gewandschneidercompagnie und zwei aus der übri- finden konnte, wurde er daheim von Soldaten bc- gen Bürgerschaft auf zehn Jahre zu wählen waren. wacht unter der Maßgabe, „dak erst noch einige Pzje Vorsteherschaft bestimmte einen Speisemeister, Wochen möchte Geduld genommen werden psd der mit seiner Familie im Unsinnigenhause wohnte etwas gebraucht würde, wozu das Haus allenfalls und unter Mithilfe von Knechten und Mägden im etwas beytragen wollte“. Im begrenzten Umfang Hause selbst regierte. Sein weitgehend unkontrollier- wurde auch im Anschluß an die Entlassung nach- bares Amt verleitete zu Veruntreuungen und zu gehende Fürsorge betrieben. Ein Insasse, von des Übergriffen gegenüber den Pfleglingen. 1727 wurde „man erfahren, dal sein betrübter Zustand om deswegen für ihn eine Instruktion ausgearbeitet, meisten von Nahrungssorgen entstanden“, erhielt weil der vorige Speysemeister und seine .. Frau nach seiner Wiederherstellung Geld zur Beför- untreu gewesen und die ihnen anvertrauten Victua- derung und Stabilisierung seines häuslichen Milieus. [; ¿n übel disponiret“ und dazu einen Unsinnigen ;: it 179% „mit Zuziehung zweyer bösen Männer mit einem Vor ders Hause standen. Artiehbschesr. s§c; chen än geschlagen“, s0 daß ein Barbier hinzugezogen fand jährlich eine Hauskollekte statt, in den j ' s Feste, aut dessen attestato Jieser. Morn und auf Maskeraden wurde gesammelt. No. § zy . dem Rücken und Lenden gantz blau, so das blieb man auf die Mildtätigkeit reicher uss 41 uk oM oh ru zehen nd §i- tit biaigeküli- gewiesen, an deren Geburts-, Hochzeits- oder Tcgss: s t iel Mek n rr worden, des fals mar. diese tagen größere Gelder oder Speisungen L; hi " hat dem Gerichte übergeben hat:: Nach wurden. So verfügte im Jahre 1780 die Hoch € neuer Ordnung war es erste Pflicht des Speise- Mademoiselle Lüdemann: „Es sollen für die Agne! neuer r len Ensinnigen éurck gottestürchtiges Le-. im Hause jährlich bis zu ewigen Tagen zwey Sper- ben Vorbild zu sein. Täglich hatte er ihnen aus sungen am 10. November und 29. Vezerbe: Z einer Hauspostille den Morgen- und Abendsegen halten werden als mit Reiss in Milch geko Et er cn Rund mit ihnen abwechselnd Sterbe-, frisch Rindfleisch, Pflaumen, jede Persohn ein ze: - s T ue und Trostlieder zu singen. Dann ling weis Brodt und ein Quartir Bier und nach er Bub r rich um ihr leibliches Wohl zu kümmern Speisung sollen zwey Danklieder gesungen ws. und ihnen „Sonntags ein rein Hemd anzuziehen, den“. Lob, Dank und beredte Wünsche für das jen ; Stroh wenns nötig ist ihnen zu reichen oder seitige Seelenheil des Spenders schließen sich solchen .: n Stro~ open, dabey ihnen die Ordnung der Eintragungen an. Von Zeit zu Zeit werden §§ Unter sn uc ciealie at a55621% YU loscti s jedoch abgelöst von Worten des Bedauerns, „da pey ()
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