Full text: Lübeckische Blätter. 1967 (127)

nationale Temperament vor das individuelle schiebt. Henrik Ibsen: Die Wildente (Kammerspiele) Engländer und Italiener bevorzugen Techniken, die Flächen und Linien klar wiedergeben, glatte Ober- Ibsens symbolträchtige Tragödie wirkt heute wohl flächen ermöglichen, also Flachdruckverfahren wie nur noch, wenn Charakterdarsteller ersten Ranges Litnographie oder Siebdruck. Tiefgeätzte Radierun- die Rollen übernehmen und den Reichtum an psycho- gen, das Arbeiten mit dem Zufall, den Reiz der logischen Details voll ausspielen, den Ibsen seinen dunklen, satten Töne, durch rauhe Strukturen noch Figuren mitgab; die Gedankenkonstruktionen des erhöht, findet man bei den Künstlern aus Jugor Dichters, die Phraseologie von der „Lebensaufgabe“ slavien, der Tschechoslovakei, bei den Deutschen. und der „Lebenslüge“, der „idealen Forderung“ und Diese interessante Ausstellung vermittelte vieler. der „sittlichen Erneuerung“ sind antiquiert und lei über graphische Techniken, über internationale können wie die Sozialkritik des Jahres 1884 nur noch Stilströmungen und über den einzelnen Künstler. kulturhistorisches Interesse erwecken. Gerda Schmidt Das Lübecker Ensembple zeigte sich von den An- sprüchen, die Ibsen an die Gestaltungsmösglichkeit der Schauspieler stellt, überfordert. Wichtige Rallen Theater und. Musik IUP Ur LON; tet LER das Urteil über den Versuch gesprochen, die „Wild- ente“ heute betriedigend aufzuführen. Zwei so zen- Lehâr: Das Land des Lächelns trale Figuren wie die beiden alten Männer müssen G tragisches Format haben, wenn nicht das ganze Am Erfolg dieses Werkes, das den Weltruf des Stück Fragment bleiben soll. Eine schmerzliche Komponisten mitbegründete und sogar in den HFenhlbesetzung traf einen anderen Nerv des Schau- Staatsopernrang erhoben wurde, war kaum zu zwei- spiels: Gerd Braasch, der in dieser Spielzeit schon keln. Man überschätzt damit keineswegs den gründ- Hervorragendes leistete, konnte als Gregers Werle lich gebildeten Musiker, der es als ausgezeichneter in keinem Augenblick überzeugen. Inm fehlt fast Geiger bis zum Konzertmeister brachte, seinen Vater alles für diese schwierigste Rolle des Stückes, vor als Kapellmeister ablöste, von Dvorak und Brahms allem die pathetische Inbrunst, mit der er die „ideale anerkannt wurde und mit Puccini befreundet war. Forderung“ einigermaßen glaubhaft machen müßte. Lehärs blutvolle Musik gibt mehr als anspruchs- Richard Münch spielte den Gregers vor zehn Jahren lose Unterhaltung. Sie strebt nach höherem Niveau im Hamburger Schauspielhaus, und nur ein Sprecher und stellt inre Ansprüche an die Sänger. Im Musir- deses Ranges kann vermutlich heute noch mit dieser kalischen hatte die Auffünrung der Städtischen Rolle fertig werden. Bühnen unter der Leitung von Klauspeter Seibel Die Figur des Doktor Relling, in inrer Nüchtern- ihre Stärke. VFeinsinnig betreut, wobei man bei neit uns heute die gaubhafteste Rolle des Stückes, Seibels behutsamer Zeichengebung unten wie oben war von der Regie bis zur Unkenntlichkeit be- jeden Kraftaufwand vermied, hörte man ein kulti- schnitten worden. so daß Horst Richter nicht über viertes Ensemble mit wohltuender Diskretion. Das Ansätze zur wirkungsvollen Verkörperung des Arztes hätte freilich nicht ausgeschlossen, daß man geler hinauskam. Relling als Gegenspieler Gregers war gentlich etwas über das ausdrucksvoll aufblühende nicht anwesend. Den „gewesenen Theologen“ Molvik, Orchester hinausgegangen wäre und dabei zuweilen der vor allem in der Schlußszene als groteske Kon- noch etwas mehr Temperament entfaltet hätte. trastfigur unentbehrlich ist, hatte man unbegreif- Ludwig Boder sparte als Regisseur nicht mit licherweise ganz gestrichen. Das Lübecker Publikum fkremdartigem Prunk, eindrucksvollen Aufzügen ung mute sich also mit Fragmenten einer Ibsen-Tragödie Dekorationen. In glücklicher Übereinstimmung Vesgnügen. Daß diese Fragmente stellenweise zu er- schufen Artur Hamm und Annette Heraeus packende schüttern vermochten, war drei Schauspielern zu Bühnenbilder uncl karbige Kostüme, die besonders Verdanken, die allein die Zeitdistanz zum Jahre 1884 die Atmosphäre im zweiten Akt verdichteten, wo Zu überwinden vermochten und das Menschliche Foldits Ballett mit einem gekonnten Tempeitane der Ibsen-Gestalten überzeugend verkörperten. Frtert Ü : . Beate Tschudi spielte die Hedwig mit ergrei- ü n der berühmten Tauber-Partie des Prinzen Sou fender Intensität und Schlichtheit, in jedem Augen- atte man Olaf Thorsten mit asiatischem Nimbus ùldlick rührte sie unmittelbar ans Herz. Ihr gelang ausgestattet, der ihn in der eleganten Wiener Ge- es auch, den Höhepunkt des Stückes, den Schluß selltchakt wie einen geheimnisvollen „Mister &“ des dritten Aktes, zu tragischer Verdichtung zu sikt tauehsn ließ. Man sollte ihm ein wenig die Zügel führen; eine vorzügliche Leistung! Sigrid Hausmann ckern, damit er stimmlich etwas mehr Volumen wear als Gina in jeder Szene gut: vornehm, von über- reisen kann, denn er ist ein guter Sänger, der er- legener fraulicher Reife, die Verkörperung schlichter, uh . r LOW: ZUrhen . hineingewachsen ist. Sütiger, alles verstenender Liebe. stedt, die stimmlich alls Bicherüt i R QU Kupy: Die psychologisch interessantesteRolle des Stückes, mitbrachte. Sehr glücklich war die bitter-sülße GE Hjalmar Ekdal, war bei Johannes Schütz in guten stalt der Prinzessin Mi mit Jutta Reumann PesstZt Händen; er gewann dem Deklamator und sich in die reizend anzuschauen und anzuhören ist. Eine Bie Lebenslüge flüchtenden „Vamilienvater“ immer gute Vigur macht Andreas Tamm als Dragoner- e Nuancen ab und war stets, bei aller Erbärm- leutnant, ein „Großer Junger, derm dis Sema Bus ichkeit, von fast rührender Liebenswürdigkeit. zufallen. Kontraste am chinesischen Hot: Fa en Leicler wurde er, wie fast alle seine Kollegen, von Boder als Tschang, ein markanter Hüter der uus ßer Resie weitgehend im Stich gelassen. Man hatte gen Tradition, und Wilm Weyel als Obereunuch en Findruck, daß sich die Spieler fortwährend im der mit einigen zusätzlichen Glossen die Lacher auf ese stoticen nd zich sezst;;ttis guk gts 11:d seiner Seite hatte. In dem bänderschwingenden das grüne Sofa zienen mußten. Im vierten Akt Washington Chen hatte man sogar sinen. Scht herrschte auf der kleinen Bühne ein geradezu ver- Asiaten zur Vertügung. Kleinere Rollen betreuten jg rendes Hin- und Hergelauke. Der Regisseur zuverlässig Dorothea Steincke und Günter Mönch. Ugufis:! Zeiser sollte alle diese Gänge auf die Die Premiere war ausverkauft. Es gab lebhaften lkts rechizisssn! Beifall und somit einen Erfolg, der anhalten dürtte. Das ELUtietbza Nalt antisctiansens yysr ssetrttich Dr. Gerhard Hanschke S qu !zU Zstwust: és Péter t 225 | 2
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