Full text: Lübeckische Blätter. 1967 (127)

lichen Beratung über Empfängnisverhütung, indem hundert „Famlilienplanungskliniken‘, davon siebzig er auf erschreckende Zahlen hinwies (vgl. auch in London. Obwohl die „Family Planning Asso- Dr. Berndt: „Familienplanung und ärztliche Ethik“, ciation‘ eine private Organisation ist, sind neunzig Lübeckische Blätter 1966, S. 277): Man rechnet von hundert ihrer Beratungsstellen in den Gebäu- heute in der Bundesrepublik bei einer Million Ger den der staatlichen Gesundheitsfürsorge mietfrei burten pro Jahr mit einer Million Abtreibungen untergebracht. Tausend Spezialärzte bemühten sich (wahrscheinlich ist die Zahl der Abtreibungen noch im vergangenen Jahr um nahezu eine halbe Mil- höher); 30235% aller Frauen, die eine Abtreibung lion neuer Besucherinnen; die Zahl der Gesamt- an sich haben vornehmen lassen, tragen Dauer- besuche betrug 1,25 Millionen. schäden davon; die Säuglingssterblichkeit ist bei Das Honorar von 22 Mark für jede Patientin unehelich geborenen Kindern signifikant höher als _- (die Lübecker Beratungsstelle wird 20 DM bei ehelich geborenen; 79% aller im 1. Ehejahr Honorar für eine etwa halbstündige fachärztliche geborenen Kinder in Lübeck wurden vorehelich ge- Beratung einschließlich einer gynäkologischen Un- zeugt. tersuchung verlangen; d. Verk.) + schließt alle Die unabsehbare menschliche Problematik, die gewünschten Beratungen und Behandlungen ein sich hinter diesen Zahlen über Abtreibungen und und steht in keinem Verhältnis zu dem geleisteten ungewollte Kinder verbirgt, soll nun wenigstens in Aufwand. Zur Untersuchung gehört zum Beispiel Lübeck mit Hilfe der Beratungsstelle für Familien- ein sogenannter „Smeartest‘, der Unterleibskrebs planung (der ersten Stelle dieser Art in Schleswiger schon im Vorstadium erkennen läßt. Die empfohle- Holstein) etwas eingedämmt werden. Daßk dies erst nen Verhütungsmittel werden extra berechnet, sind ein relativ bescheidener Beginn der Verwirklichung jedoch zu einem niedrigeren Preis zu haben als in einer ungemein wichtigen ärztlichen Aufgabe ist, Apotheken. Nach Inkrafttreten des neuen Gesetzes zeigte Dr. Berndt am Beispiel Englands, wo es wird die Family Planning Association‘ wahrschein- bereits mehr als sechshundert private „Familien- lich als Bevollmächtigte des staatlichen Gesundheits- planungskliniken“ gibt, die ähnlich arbeiten wie die dienstes auftreten.“ neue Lübecker Beratungsstelle. Die Frankfurter Das englische Beispiel zeigt, wie modern und zu- Allgemeine Zeitung schrieb am 18. 3. 1967 über die kunftweisend die Lübecker Gesellschaft zur Beför- Geburtenregelung in England: „Das britische Un- derung gemeinnütziger Tätigkeit handelte, als sie terhaus billigte in zweiter Lesung einen Gesetz- sich trotz erheblicher Bedenken und Widerstände entwurf, wonach alle Frauen Anspruch auf Be- aus den Kreisen ihrer Mitglieder dazu entschloß, ratung über Geburtenregelung und die Verschreir dem ärztlichen Ruf nach einer neutralen, privaten bung von antikonzeptionellen Mitteln haben. Die Familienplanungsstelle ihre Hilfe zu gewähren. Die Vorlage, die nicht zwischen Verheirateten und Un- Last der Arbeit und der Verantwortung liegt nun verheirateten unterscheidet, hat die Unterstützung auf den Schultern der beiden Fachärzte, die sich aller Parteien; daran, daß sie Gesetz wird, herrscht in den Dienst dieser wahrhaft gemeinnützigen Sache kein Zweifel. England wird das erste Land sein, stellten: Frau Dr. Theresia Priebe und Privatdozent in dem man einen solchen „Service‘ im Rahmen Dr. Friedhelm Oberheuser. Wir wünschen ihnen, des nationalen Gesundheitsdienstes gewährleistet. daß sie sich in ihrem Idealismus belohnt sehen In Großbritannien gibt es bereits mehr als sechs- werden. Dr. Peter Henschel Zwanzig Jahre Kammerlpielkreis Lübeck Mit einer Bühnenwoche „Kirche und Theater“ feiert kreis regelmäßig zu Gast, und auf Auslandstour- der Kammerspielkreis Lübeck sein 20jähriges erkolge- neen (England, Norwegen, Schweden, Finnland, reiches Wirken für das dichterische Wort, die geistige Italien, Griechenland, Türkei) trägt die Bühne den Auseinandersetzung mit der Zeit und die christ. Namen Lübecks als eines kulturellen Zentrums liche Verkündigung. Was im November 1946 unter durch ganz Europa. Ein so weit gespanntes Pro- schwierigsten Bedingungen mit der Aufführung gramm kann natürlich nur geleistet werden, wenn des „Lübecker Totentanzes* in der Katharinen- Zuschüsse aus öffentlicher Hand der Bühne den kirche begann, hat sich längst zu einem profilierten finanziellen Rückhalt geben. Erfreulicherweise hat Bestandteil des lIübeckischen Kulturlebens entwickelt. man die außerordentliche Bedeutung dieser geistig Der Kammerspielkreis stellt, was viele nicht wissen, engagierten Kammerspielbühne gerade auch für Lübecks zweite Berufsbühne dar, die mit festen Jah- die theaterfkerne „Provinz“ und das an deutscher resverträgen und Berufsschauspielern arbeitet und Kultur interessierte Ausland erkannt und gibt ihr in jedem Jahr 240 bis 260 Aufführungen absolviert. die Unterstützung, die sie braucht. Vom Jahresetat Nur etwa zehn Prozent dieser Aufführungen finden der Bühne (110 000 DM) werden 60 000 DM aus allerdings in Lübeck statt; der überwiegende Teil öffentlichen Zuschüssen bestritten, in die sich die (etwa 150 Aufführungen) wird in anderen nord- Lübecker Landeskirche, die Kirche Schleswig-Hol- deutschen Städten gespielt. Auch in Süddeutschland stein und die Hannoversche Landeskirche sowie die und in der Schweiz ist der Lübecker Kammerspielo Länder Schleswig-Holstein und Niedersachsen, die 114
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