Full text: Lübeckische Blätter. 1966 (126)

den Klavierton spürbar, seine gleichwohl herrlich Aber diese gedankliche Dürftigkeit mag Brecht perlende Rundheit aber nicht erreicht. So behielt das verziehen sein; denn er ist nicht nur Dialektiker, Ek Klavier in allen Sätzen die überlegene Führung, ist vor allem Dichter, und die Haupttkigur des Stückes, ohne sie bei der höchst delikaten, sublimen Spielo die Magd Grusche, ist nicht ein »„Zgesellschaftlich weise der Pianistin erstrebt zu haben; aber die geprägter Typus wie der fette Fürst oder die Gou- Klangassimilation schritt im 2. und 3. Satz fort. verneursfrau, sondern ein realistisch gestalteter Später herrschte künstlerische Vollkommenheit. Sie Mensch. Sie ist gewiß nicht die Klügste, aber sie ist trus vorerst das als Neuheit vom Publikum ber kein miütterlich empfindendes, mutiges und ihrem zeistert aufgenommene Klavierquartett von Martinu, Verlobten treues Mädchen, gesund an Leib und seinen scharf akzentuierten, schroff zerfurchten Seele. Wenn die Aufführung so starken und ver- 1. Satz, den langsamen dreiteiligen Mittelsatz, dessen dienten Beifall erhielt, so war das nicht zum wenig- lyrische Breite der AußBenglieder erstmals den Streir sten M aria-M a s dalena Thiesing zu ver- chern (bes. dem klanglich hervorragenden Cellisten) danken. die ihre Rolle mit Leben erfüllte Gelegenheit gab, sich glanzvoll und dicht strömend H Günt Kilian. noch in bester Er- zu entfalten l§zryeitchen Hann jener [tts p derticcn Inne Et ich früheren Zugehörigkeit zum con sordino-Mittelteil mit dem ganz geheimnisträch- übecker E ble, war ein ebenbürtiger Gegen- tig verfremdeten Klavierpart) – und das aus volks- [ü ecker Ensem G Ü ie Vrrer. SEEP tümlich schlichter Thematik in moderne Klang- SYJieler in der Bh S : u. B r Hen kügungen entweichende, aber diese weite Spannung braven ua tzykeres So gten uon Chscha.n L ue zusammenzwingende und aushaltende Finale. Die dritte Rolle, au .o os att zu OMA S O L A Italiener spielten das fesselnde, in seiner Struktur ter erhobene Dorfs xe! f! z sp; U Gr OSO: plastische Werk mit mitreißendem Schwung und charakterisierendem Spie 20) et. t ) einer Vielfalt von Aussageweisen. Dies verstärkte t er diesen Sizzutunlch zi t wen: ct cen sich womöglich noch bei Brahms’ 1. Klavierquartett Feigheit uud Is: §. m Fett ÖH s; im Kreide trwqu op. 25. mit dem aas Quartetto i Korna §).s fr z. genen 'Gerechtiglecit sich erheben- l!ztrzettuns rv rich t z Ldertietvarsr r- den Menschen. Die sehr zahlreichen Uhr GM. Hiegenden Klavierpassagen des Finale, ihre Kopie kenden Zu nennen oder gar zu charakterisieren im Streicher-Unisono!) und Intensität des seelischen Nicht möglich. Ausdrucks bot. Ob es das zart gedämpfte Intermezzo Die den epischen Teil bestreitende Sängergruppe oder den weitausgreifenden Kopfsatz, das mächtig bildeten Henry Kielmann, Ann emarie wachsende und danach verwandelte Andante oder Schla ebitz und M ara Hetze 1., die aber das wild-populäre Rondo alla zingarese galt ~ über- gelegentlich ausscheiden mußten, da sie außerdem all trafen die Künstler mit immer neuen gemäßen noch ihre Rolle auf der Bühne zu spielen hatten. Die instrumentalen Mitteln das Wesen dieser ausdrucks- harte Musik Paul Dessaus war allerdings oft schwer tiefen Kunst. Es war ein vollendetes Spiel, bestätigt erträglich. mit noch wieder neuem Ausdrucksvermögen in dem . . . zz iehs. I nzrenios virtuos nuschenden Scherzo aus Schumanns Es-Dur- Die nicht ohne Streichungen mögliche In > Quartett als Zugabe für stärksten Beifall. Eine der rung, von des Dichters Vorschrikt gelegentlich ab nobelsten Kammermusikvereinigungen hatte bei uns weichend, verdanken wir Hans - Karl Zeiser, konzertiert. Dr. Klaus Matthias der mit dem eigentlich zu engen Bühnenraum gut G au auszukommen wußte. Auch das zu Yz ... u r18che uslon zu erweitern. Eine kaukasische Landschaft im Aufruhr gegen die Gewalt des russischen Großfürsten und seines Gouverneurs. Das ist das erste Bild, das Brecht in . § hartem, kantigem Holzschnitt zeichnet; aber auf die Professor Benno von Wiese sprach im dann folgenden Bilder kommt es an. Die lieblose „Lübecker Podium“ Gouverneursfrau läßt ihr eben noch vergöttertes . ;;; imm Kind Michel hilflos zurück, um sich selbst zu retten Es ist verdienstvoll, daß das „Lübecker Podium und die Magd Grusche bringt es nicht übers Herze’ neben Dichtern auch bedeutend Literaturwissen- das Kind allein zu lassen, obwohl sie dunkel ahnt’ schaftler zu Worte kommen läßt. Seit einigen Jah- daß ihr dieses Handeln Unheil bringen wird. Eben ren schon bemüht sich die Buchhandlung W eilan d hat sie sich mit dem biederen Soldaten Simon erfolgreich, solche profilierte Gelehrte für Vorträge Chachawa verlobt, und auch das führt zu Irrungen, zu gewinnen da sie das Kind auf ihrer Flucht als ihr eigenes Im überfüllten Saal der Kammerspiele sprach ausgeben muß, um nicht den von den Empörern Professor Benno v on Wiese, Literaturhisto- gesuchten Sohn des Gouverneurs dem sicheren Tode riker von hohem Rang und weit berühmt Wegen auszuliefern. G seiner zahlreichen Publikationen. Er stellte sich das Es muß eine schlimme Gewaltherrschaft und eine Thema „Büchner und Brecht“ und zeigte das Fol- brutale Unterdrückung des Rechtes geherrscht haben; sende aut: Beide Dramatiker wurzeln in der glei- denn „immer war der Richter ein Lump“, sagt der chen Tradition, sowohl der dramaturgischen wie der Panzerreiter und fährt kort, „so soll jetzt ein Lump sprachlichen. Sie gehen im Kern auf Jabob Michael der Richter sein“. Mit diesen Worten setzen die Reinhold Lenz zurück und bilden die historische Panzerreiter den Dorfschreiber Azdak auf den Kette Lenz - Grabbe - Büchner - Gerhart Haupt- Richterstunl und bekleiden ihn mit dem Mantel mann - Brecht. Beide lieben das vagantenhafte seines gehenkten Vorgängers, und Azdak wird zwei Dasein des Dichters, beide sind Sozialisten und Jahre lang durchs Land reisen, sich bestechen lassen, Anarchisten. Inre Welten haben tragische Züge, und saufen und Urteile fällen, aber nicht nach dem im dramatischen Werk beider handelt es sich um Buchstaben des Gesetzes, sondern zum Woh] des Menschen, die ihre Identität verlieren, sich hinter Volkes, d. h. er wird die Niederen erheben und die Masken verbergen und als Automatenwesen agieren. Hohen erniedrigen. Im Grunde ist's dieselbe Litanei Während aber Büchner schon 1835 resigniert und wie im „Marat“ des Peter Weiß. Die Hohen sind nicht an die politische Vmwälzung glaubt, die er die Schlechten und die Niederen sind die Guten, und mit dem „Hessischen Landboten“ provozieren wollte, wenn die Niederen auch schlecht sind. so haben die und in die Poesie flüchtet, stellt Brecht seine Poesie Hohen schuld daran. bewußt in den Dienst der Revolution. Während bei M!
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