Full text: Lübeckische Blätter. 1966 (126)

tischen Zielen als sein Gegner Anno von Köln be- Im Zuge dieser wendischen Erhebung, die durch he stimmt war. Ein Zeugnis für seinen staatsmännir- den Sturz Adalberts ausgelöst war und zur Er- he schen Weitblick ist der von ihm entworkene Plan mordung von Gottschalk geführt hatte, waren auch M des nordischen Patriarchates, der freilich auf ent- Bistum und Kloster Ratzeburg gefallen und hatten de scheidenden Widerstand bei der Kurie selbst ger auch hier Ansver und seine Genossen den Märtyrer- di, stoßen war. Gleichwohl hatte ihn Adalbert niemals tod gefunden. Als man Ansver und die ihn beglei- [!! ganz aufgegeben. Gerade die Entwicklung in den tenden 28 Mönche zum Tode führte, bat Ansver Je wendischen Gebieten und die unter der Führung darum, als letzter seiner Ordensbrüder getötet zu an von Gottschalk erzielten Erfolge der Mission ber werden. Er fürchtete, daß diese selbst noch zu störkten ihn im Festhalten an dieser Idee. schwach sein könnten und vielleicht im letzten Ir Aber diese Politik, die auch auf die Steigerung Augenblick, penn zie die Tötung „Mxres Altes mit t der Macht der eigenen Diözese gerichtet war, brachte ens chen mäükten, den Glauben wieder Yerleugnen z ihn in Gegensatz zu den geistlichen und weltlichen würden. So Z ist Ansver, dem die Heiden diesen bz Fürsten its Reiche A] ih ] Wunsch erfüllt haben, als der Letzte der Bene- ist §cit u V [e q.. vt ê z gor ge!mnger Y!: diktiner von Ratzeburg gesteinigt worden. Es war Fe r R Tü ue Fru E Zr. . ku zewen z dies eine Todesart, die man aus der heidnischen di lichen Stellun aufen en Ge ttt tr e §s- Überlicierant kennt. Die Legen de sicht Ansvér als di C catz Ew us ir z ! Epi den zweiten Stephanus, der mit diesem Martyrium s übrigen . Fh uw s Ltlvpst LÔ. äes jene Vision besiegelt habe, die ihm vor Eintritt in O alleinige Regent des Reiches Un der entscheidende das Georgskloster zu Rattéburg zuteil. geworden Ratgeber für den jungen Heinrich IV. Als dieser Ar. . . ô . nach seiner Mündigkeitserklärung einen Zug nach Wenn wir die rechte Deutung des im Zuge einer Rom plante, scheiterte die Ausführung desselben Politischen Erhebung erfolgten Martyriums von am Widerstande von Adalbert, der befürchtete, dak Ansver gewinnen wollen, so dürken wir uns mit damit die Stellung seines Rivalen Anno von Köln, diesen historischen Feststellungen nicht begnügen. der zugleich Erzkanzler von Italien war, aufs neue Wie die seinen Tod verursachende heidnische Reak- gefestigt werden könnte. Schließlich führte sein tion nur in größerem, geschichtlichem Zusammen- Versuch, sich die beiden Reichsklöster Korvey und hang verständlich wird, so ist auch die religiöse v Lorsch anzueignen, zu einem offenen Ausbruch des Kraft, die hinter diesem Leben steht und heute nur s1 Konfliktes zwischen ihm und den Fürsten. Auf dem noch gebrochen in den Quellen erscheint, nur ver- U Reichstag zu Tribur, der im Januar 1066 gehalten ständlich, wenn es uns gelingt, sie im Zusammen- G wurde, forderten die Fürsten die Entlassung Adal- hang mit dem kirchlichen Leben der Zeit zu sehen. ri berts als Ratgeber des Königs. Auch die alte Gegner- Das kirchliche Leben der Zeit Ansvers ist durch m schaft der gräflichen Geschlechter gegen ihn trat drei fast gleichzeitig auftretende geschichtliche Er- e! bei dieser Gelegenheit so stark hervor, daß der eignisse bestimmt, die für die Entwicklung der zt junge König das Leben Adalberts kaum schützen abendländisch-katholischen Kirche entscheidende Be- U; konnte. Dieser mußte aus Bremen flüchten und den deutung gewonnen haben. Sie haben dadurch auch k größten Teil seiner Erwerbungen wieder abtreten. die kirchliche Geschichte nachhaltig beeinflußt, deren 4 So ist Adalbert von der Höhe, die er als Ratgeber Erben wir, die katholischen und evangelischen Chri- t des unmündigen Heinrich IV. erzitegen n der Gegenwart, sind. Beide sind wir dadurch f herabgestürzt. Sein Sturz hatte sofort verheerende Senötigt, uns mit der Deutung der mittelalter- " Folgen, vor allem für das wendische Missionsgebiet, lichen Vorgänge zu befassen und diesen einen Sinn \ kür das er selbst mit der kirchlichen Organisation ZU geben, in dem sich das eigene religiöse Empfin- " soviel getan, zugleich aber auch darin eine ent- den ausspricht. scheidende Stütze für seine politische Stellung ge- Das erste bedeutsame Ereignis, das ganz sicher b funden hatte. Sofort erhob sich bei den Liutizen in die Lebenszeit von Ansver fällt, stellt der Bruch der Widerstand, der schnell auf das Gebiet der der abendländisch-katholischen und der morgen- Obotriten übergriff. So ist es schon im Jahre 1066 ländisch-orthodoxen Kirche dar. Im Jahre 1054 " zu jener furchtbaren Verfolgung der gerade neu wurde die Kirchengemeinschaft zwischen der öst- ; gegründeten Kirchen im wendischen Missionsgebiet lichen und der westlichen Kirche aufgehoben. Am gekommen. Der Großfürst Gottschalk wurde bei 16. Juli dieses Jahres legten die römischen Ge- dem Kloster Lenzen erschlagen. Seine Frau, die sandten auf dem Altar der Sophienkirche in Kon- dänische Prinzessin Sigrith, wurde schmachvoll aus stantinopel die Bannbulle nieder, die den östlichen dem Lande vertrieben. Die Erhebung der Wenden Patriarchen Michael Caerularius aus der Kirchen- t sing weit über das Gebiet Gottschalks hinaus. Zu gemeinschaft ausschied und die Gemeinschaft des gleicher Zeit wurden die Bistümer Schleswig und Gebetes und der Fürbitte aufhob. Ebenso verhängte " Hamburg überfallen und ihre Kirchen und Klöster die Ostkirche über die römische Kirche den Bann B vernichtet. Auch auf Schweden sprang der Auf- und die Aufhebung der Gebets- und Kirchenge- stand über. Auch hier multen die deutschen Bischöfe meinschaft. Diese Spaltung zwischen Orient und ihre Kirchen verlassen, sie flohen nach Bremen und Okzident hat trotz der dafür vorgebrachten dog- brachten sich bei den Sachsen in Sicherheit. matischen, rechtlichen und politischen Gründe ver- 3 54
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