Full text: Lübeckische Blätter. 1966 (126)

Jahre 1952 seine Säkularfeier durchführte, hielt Stadt sein könnte, unser vornehmster Mitbürger. Burckhardt einen Vortrag über „Städtegeist“. Aus Die „Gesellschaft zur Beförderung gemeinnütziger ihm wird deutlich, daß dieser Sohn der einstigen Tätigkeit“ grüßt ihn an seinem 75. Geburtstag in freien Reichsstadt im Süden ein „Verwandter“ ist, dankbarer Verehrung. kein Fremder, daß er auch ein Bürger dieser unserer Dr. Drinkuth Zur Neugestaltung der Mühlenstraße In der vergangenen Woche begannen in der dessen Fassade die Holstenstraße für immer ver- Mühlenstraße die Vorbereitungen zum Abriß der schandelt hat, sind Beispiele, die uns das Gruseln elf Häuser zwischen Kapitelstraßke und Fegefeuer. gelehrt haben. In den Lübecker Nachrichten vom Wie man weiß, hat die Düsseldorfer Grundstücks- g. August sah man das Foto eines Pappmodells, das verwaltungsgesellschaft „Plento“ diese ell Häuser leider nur einen sehr ungefähren Eindruck vom samt der dazugehörenden Grundstücke gekauft, um Kaufhaus-Neubau in der Mühlenstraße gibt. Danach auf der so gewonnenen Fläche ein neues „Ge- muß man das Schlimmste befürchten. schäftsgebäude“, sprich: ein Großkaufhaus zu er- " : Y . ~ ctce W ru ar tit weil. tet des Neue des Warum informiert man nicht bei wichtigen Groß- Eigentlichen Käufers und Häukrrn ~ man hört die ba urorhaben, die das ehrwürd ige Bild der Altstadt Ä ; cr Neckcemz nn. Kaufhof Hertie, Brennink- kür immer verändern, rechtzeitig die Vffentlichkeit? cr 2 was UR KSL V iasen; möchte ict der Sicherlich prüfen der Bauausschuß der Bürgerschaft Name des verantwortlichen Architekten, isl der ge- und der Senat alle Entwürfe und Baupläne sehr neue Entwurf, ist die städtebauliche Konzeption im sorgfältig unc machen sich die Entscheidung nicht gesamten Raunt. „Mühlensträker. Wicder einzal leicht, für welchen Entwurf sie schließlich die Bau- ist der Bürger rü Zaungast in seiner eigenen genehmigung erteilen. Nach den Pannen, die mit Stadt: er bemerkt eines Morgens, daß vor elf alten dem Kepa- und dem Karstadt-Bau geschahen, liegt Wohn- und Geschäftshäusern mit z. T. wohlerhal- aber der Schluß nahe, daß Bauausschuß und Senat tenen klassizistischen Fassaden in einer der letzten ! ihrer Verantwortung überfordert sind: warum noch ganz geschlossen wirkenden Stralken Lübecks also beteiligt man nicht alle interessierten Bürger Bauzäune entstehen, er beobachtet den Abbruch der An der Entscheidung und damit an der Verant- alten Mauern, das langsame Emporwachsen eines wortung? Es müßte doch möglich sein, die Modelle neuen Stahlbetonriesen, der unweigerlich dem aus- geplanter Großbauten öffentlich auszustellen, mm gewogenen Bild der Mühlenstraße das Gewicht Börsensaal des Rathauses etwa, und nicht eher die Seiner. Baurmassen aufdrücken wird: und mußt sich Baugenehmigung zu erteilen, als bis die Vffentlich- bei all dem auf die Einsicht und die Verantwort- keit ihr Urteil abgegeben hat! lichkeit anonymer Baubüros und der eigenen Bau- In der Mühlenstraße können wir uns nur noch behörde verlassen; denn seine, des Bürgers Person, jherraschen lassen; wie gut haben es andere Städte. sein Urteil, seine Stimme gelten erst vom Tage der Nürnberg zum Beispiel, oder Augsburg. wo seit Eröffnung des neuerrichteten Gr oßkaufhauses: dann MWMonaten in breiter Uffentlichkeit die verschiedenen ist er König, wird hofiert und umworben. Entwürfe diskutiert werden, das Renaissance-Zeug- Leider haben wir wenig gute Erfahrungen mit haus in einen Kaufhaus-Neubau einzubeziehen. dieser Methode, vollendete Tatsachen zu schaffen: Glückliche Breiten, wo der Bürger nicht nur Steuer- das Ungetüm Jes Karstadt-Hauses, dessen Häß- zahler und geschätzter Kaufhauskunde ist. sondern lichkeit und Maßstablosigkeit in Deutschland einzig- wahrer Herr in seiner Stadt! artig sein dürften. der völlig mißratene Kepa-Palast. Peter Henschel Zur Verwüstung des jüdischen Friedhoks in Lübeck Unter den bösen und gehässigen Leidensreak- bock dafür in die Wüste des Hasses und der Diffa- ticncii der Zeit. den schlimmen Palliativen, die sie mation zu schicken; einen Popanz der Verruchtheit sich zur Erleichterung zur närrischen Erklärung und Minderwertigkeit aus ihm zu machen, um sich sogar ihrer Nöte und Angste gönnt, ist der Anti- in seinem Anblick dann vielleicht ein wenig kräf- semitismus das verbreitetste, beliebteste, populärste tiger, besser, sogar vo rnehmer zu fühlen, §§ dss = ein Grund. mehr, so sollte man denken, für den Bedürfnis ist menschlich. Aber man soll mit dem geistigen Vienschen. ihm am entschiedensten zu Worte .menschlich‘ nicht die Schwäche, Torheit. Un- widerstehen. es EIn entschlossensten zu verwerfen. gerechtigkeit zudecken wollen, denn das sogenannte Das Bedürfnis einer Zeit, für ihre Schmerzen, ihre Menschliche ist oft das Allzumenschliche, das Ge- Übergangsnöte und kiiüicchen Verlegenheiten einen meine, das Menschenunwürdige, das man so nennen. Schuldigen zu suchen und zu finden; einen Sünden- und dem man widersprechen und widerstehen muß. 21 5
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.