Full text: Lübeckische Blätter. 1966 (126)

Werke seit 1946 in einer persönlich abgewandelten gerische Melos waren nicht mehr Ergebnis bloßer Zwölftontechnik geschrieben, die das Unwirkliche, künstlerischer Organisation, sondern wie Ausfluß Marionettenhafte der Personen und der sparsamen dier eigenen Natur, die diese Musik aus sich hervor- inneren Dramatik mit gläsernem Klang kommentiert. zauberte. Die Fülle der Aspekte, ein gelindes Fluten, Lorcas „Don Perlimplin“ ist schon als Schauspiel dessen Allgegenwart den zwei Händen allein fast ein schwer verständliches Stück. Mit seiner dissor nicht zuzutrauen war, und die starken, raffenden nanten, unsinnlichen Musik verdichtet Fortner die Akzente verrieten die ganz große Begabung. Hazay Atmosphäre des surrealistischen Märchens und das scheint weit über das Stadium hinaus, wo es noch unwirkliche Spiel der Verwandlungen im differen- technische Probleme gibt, er hat sich offensichtlich zierten Klang des Kammerorchesters, dessen unger freigespielt für seine eigenen geistigen Konturen, wohnter Ausdruck nicht schockiert, auf die Dauer und das sollte der Beginn für eine große Laufbahn jedoch ermüdet und durch seine Problematik ber sein können. – Wie eine verpflichtende Wende im lastet, um (mit Belisa auf der Szene) Seele zu ger Konzert wirkte dieser hinreißende Beitrag. Auch winnen. die abschließend gebrachte 3., die gewaltige Konzert- Dabei hatte man sich musikalisch und szenisch sonate von Brahms (d-moll op. 108) hielt die frei- sehr eingesetzt und mit Klaus p et er Seibel, gelegten Energien; der Pianist zog die nun auch ganz (Dirigent), VIriceh M elchinger (Regie), und gelöst gewordene Geigerin mit in den Sog dieser Rolf Christiansen (Bühnenbild), eine bemer- leidenschaftlichen Kunst, zu weithin verwirklichter kenswerte Aufführung zustande gebracht, die schon Partnerschaft. – Marie-Luise Matthes, die in ger des intensiven Einsatzes aller Mitwirkenden wegen winnender Bescheidenheit vor einem Pult spielte, Beachtung verdiente. Hier darf man uneingeschränkt obwohl sie das gesamte anspruchsvolle Programm die Solisten anschließen: Barbara Rondelli auswendig beherrschte, und Tibor Hazay fanden (Belisa) und Rolf Ob erste - Brink (Don Per- nach dieser temperamentgeladenen Leistung reichen limplin), die sich in ihren ungewöhnlichen Partien Beifall, für den sie mit der stillen, nach innen ger großartis bewährten. Scharf umrissene Randfigu- richteten Aussage des langsamen Satzes aus Mozarts ren waren Sylvia Stone (Magd) und Antje Sonate in Es-Dur KV 380 dankten. Sch mä d ek e (Mutter) sowie Elis ab eth Bähr Dr. Klaus Matthias und Jutta Reum ann als Kobolde, während Ftor und Balstt 197 Hzsetehsn mehr aus dem intergrund zu begleiten hatten. Erstaunlich wurde i man auch im Orchester mit den subtilen Klangge- Shakespeares Romeo una Julia bilden fertig, die das Unaussprechliche zu deuten in den Kammerspielen suchen. Ehrlicher Beifall klang auf. Er galt allen, Im Januar dieses Jahres gastierte das Volks- die sich mit ganzer Kraft für eine schwere, undank- theater Rostock mit einer brillanten Aufführung des bare Aufgabe eingesetzt hatten, der man in Lübeck „Marat“ von Peter Weiß im Lübecker Stadttheater. in der zweiten Aufführung mit weniger als zweir Am 9. und 10. Mai erwiderte das Lübecker Ensemble hundert Besuchern bereits die kalte Schulter zeigte. Jen Besuch der Rostocker, leider nicht mit einem Dr. Gerhard Hanschke Stück der Gegenwartsliteratur, leider auch nicht mit einer Aufführung, deren Stil und Niveau als repräsentativ für westdeutsche Schauspielkunst gel- 10. VAM-Konzert: Junge Künstler ten könnten. u j ie Premiere von Shakespeares „Romeo un g FO User § aon s eU LE Nsr: tus in den Lübecker H hinterließ die Geigerin M ari e- Luis e Matthes u k tor. zwiespältige Eindrücke. Der Regisseur Georg Immel- bereits vom 31. Hauskonzert der CC n O. en mann wollte einen modernen, „harten und realisti- (17. 13: 1963) bekännten und. tegckütcier J r Een ßeren ' Hualsspsaro hren; nicht Nortpogsis. sen- Ha za y. Das Programm war in der Planung besser dern „Einfachheit und Klarheit , z js i ~ i i , idealisierte Liebe“, sondern „Einfachheit, ft oV, Fuss ql!za auzreuusen sercrcn U STbNteit Qua Okkenheit. sollten die Bühne beherr- den drei Werken für Violine und Klavier nur en schen. So bearbeitete er zunächst den Schlegelschen reines Klavierwerk. Dabei hätte Bartoks 1. Rhap- Text, entkleidete ihn des romantischen Zaubers, der sodie für VI. u. KI. gern fehlen dürfen. zumal ? schwebenden Musikalität: „Shakespeare ist überall Eröffnungsstück dieses Abends mit Beethoven Las härter und realistischer, als das in Schlegels Über- mann und Brahms; die dreiteilige Komposition von Setzung zum Ausdruck kommt, auch in den Liebes- 1928 wirkt wenig tief oder ergiebig, ehnestens ver.. Szenen“ — meint Immelmann im Programmhnhett. mögen einige virtuose Effekte (Flageolett) im Schluß- Die Konzeption scheint diskutabel: die Aufführ- teil zu fesseln. Marie-Luise Matthes spielte vorerst rung allerdings widerspricht ihr. Weder der Re- zurückhaltend, technisch makellos, im Ton in den gtisseur noch die Schauspieler fanden einen über- unteren Regionen füllis und satt, in der Höhe dar- zeugenden neuen Stil; sie verzichteten aut die gegen etwas eng. Beethovens c-moll-Sonate op. 30, 2 Sprachmusik und die Liebespoesie Schlegels, boten hätte einige stärkere Akzente vertragen können; die statt dessen aber nur ein sehr lautes, sehr direktes, gedämpft dramatische Wiedergabe der Geigerin ver- gleichsam aus Holz gezimmertes Theaterstück. Der anlaßte auch Hazay, den höchst sensiblen Partner, Romeo Folker Bohnets war ein moderner junger zu mehr untergründig erregter Gestaltung. Ganz er. Mann, unreif, laut, etwas exaltiert; die Julia Rein- küllt klang das Adagio cantabile, in dem die Iyrische hild Solfs drückte ihr erotisches Begehren viel zu Anlage der Geigerin frei und beglückend ausschwang. direkt aus, ihre harte, sachliche Stimme wirkte Der Reichtum von Hazays Anschlagskultur und auf desillusionierende Weise norddeutsch-nüchtern. seine künstlerische Reife hatten schon hier trotz „Es war die Nachtigall und nicht die Lerche –'? seiner geschmackssicheren Zurückhaltung verraten, Dies Liebespaar hätte überzeugender von zeitge- daß er der überlegene Künstler und sichere Solist. mäßeren Dingen gesprochen. Der gesellschaftskri- ist. Seine Darstellung von Schumanns Klaviersonate tische Hintergrund der Liebestragödie, von Immel- s-moll op. 22 wurde so eindeutiger Mittelpunkt dier mann im Programmhett erwähnt, blieb ganz blaß: § EKopxerts; daß man seine großartigen Fähig- keine der wichtigen Nebenfiguren (die Väter, die eiten lieber an einem reinen Soloabend aufzunen- Mlütter, der Prinz, der Graf Paris, Bruder Lorenzo) {zen. wünschte. Hier spielte jemand mit eiserner gewann überzeugendes Profil. Das erwies sich aufs sziplin und gleichwohl gelockert bis in die Ietzte Deinlichste in der Schlußszene, die zur geschmack- Note, die stürmische Jugendkratft und das schwel- losen Klamotte absank. Nur ein Schauspieler des | GBG
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