Full text: Lübeckische Blätter. 1966 (126)

Zur Einweihung des Sweder Hoyer-Heimes Nach zweijähriger spannungsreicher Bauzeit wurde Prediger mitfuhr, um den Seemännern mit der am 7. Mai mit einem Festgottesdienst in St. Jakobi, Kraft des Gebetes und der Tröstung des HIl. der Schifferkirche Lübecks, und einem sich an- HSakraments beizustehen. schließenden Festakt im Saal der Gemeinützigen Wieder einmal stand der Krieg vor der Tür. in Anwesenheit des Herrn Ministerpräsidenten das Man schrieb das Jahr 1563. In Lübeck herrschte neue Seemanns- und Secefahrtsschülerheim an der große Unruhe. Denn auf keinen Fall durfte die Untertrave feierlich eingeweiht. Es ist ein moderner Baltische Ostsee und damit die so viel Gewinn Bau geworden, der sich für uns ungewohnt selten bringende Narvafahrt durch den schwedischen harmonisch in das Stadtbild einfügt. Dabei lag die König Eric XIV gefährdet werden. Dänemarks bauliche Schwierigkeit nicht nur in der Beachtung König hieß Friedrich Il... der seinem Bruder der darüberliegenden alten Burg, sondern auch im Herzog Magnus von Holstein die Bistümer Oesel- Überbau eines alten Luftschutzbunkers. Wiek und Kurland gekauft hatte. Der Krieg war Das neuerrichtete Heim bietet 72 Seeleuten und nicht zu vermeiden, ein siebenjähriger Krieg be- Sceefahrtsschülern Platz. Ein- und Zweibettzimmer gann. Lübeck unterstützte den dänischen König stehen zur Verfügung. Duschen und Wannenbäder, und entsandte seine Flotte. Der Ratsherr Friedrich Fernseh- und Lesezimmer machen das Haus Knevel und Bürgermeister Bartholomäus Tinnappel heimelig. Für die Seefahrtsschüler, die sich auf ihr befehligten diese als Admiräle. Lübeck war zu Patent als Steuermann, Funkokffizier oder Kapitän großen Anstrengungen bereit, die Schiffe waren vorbereiten, steht eine wissenschaftliche Bücherei teilweise mit Landsknechten überlastet. Auf Grund zur Verfügung. Das Haus dient dem Mann an der gültigen Schiffsordnung und der allgemeinen Bord, der fern von seiner Familie seinen schweren Ratsverpflichtung fuhr auf jedem großen Schiff ein und immer noch gefahrvollen Dienst tut, ihm soll Prediger mit, ausgestattet mit eigenem Abend- Hilfe und Halt geboten werden. Doch nun in einer mahlsgerät. In den Lohnregistern wurden die veränderten Form, die der auch seemännisch anders Geistlichen im Range eines Schiffers geführt und gewordenen Welt gerecht wird. erhielten auch ihren sorgfältig reglementierten An- Ursprünglich lebten Schiffseigsner und Mana. teil an der Beute des Rates, das bedeutete 1/17 schaft in einem patrizrchaltocgk H erhäls tts. wobei der Beute, während ein Adcmirgl 5/ 17 erhielt. die Reeder zugleich meist die Kaufleute waren. Wie Auf einer dieser lübschen Kriegskoggen fuhr Väter hielten sie ihre Männer an, alle Morgen als erster evangelischer Schiffsprediger Swedero und Abende Gott dem Allmächtigen ihr Gebet Hoyer mit, Prediger an St. Jakobi, ein noch junger zu tun. Mit dem sich zum Ende neigenden 13. Jahr- Mann. Seine Familie war in der Fischergrube hundert schlossen sich Kaufleute, Schiffer und ansässig, sonst wissen wir nicht viel von ihm. Schiffsvolk als selbstbewukter Stand zu ciner Bru. Seine Unterschrift finden wir in der Formula derschaft zusammen. Das war am Tag des Erz- Concordia, dieser abschließenden Bekenntnisschrift märtyrers Stephanus des Jahres 1400. In dem Jahre des Luthertums, die von jedem lübschen Geist- der großen Reichswirren, da des Kaisers Karl IV. lichen und den Rektoren des Katharineums unter- ältester Sohn, Wenzel, durch die vier rheinischen schrieben werden mußte. Sein Dienst auf der Kurfürsten zum Verzicht auf die Kaiserkrone ge- Flotte dauerte nur drei Jahre, am 4. Oktober zwungen wurde. Sie bildeten eine ewige Bruder. 1565, er war gerade 28 Jahre alt, raffte auch ihn schaft und Gilde Gottes, aller Heiligen, nament- eine giftige auf der Kriegsflotte wütende Seuche lich des HI. Nikolaus, der seit alters als Be- dahin. schützer der Seefahrer gilt. Durch Pftlichtgelder Das war also noch in der Zeit, da Lübeck zu und Stiftungen war man in der Lage, den Witwen den Städten zählte, die man neben Rom und und Waisen der auf See Gebliebenen hilfreich Venedig, Pisa und Florenz zu nennen pllegte. beizustehen. Das Jahr 1531 bedeutete auch für diese Jahrhunderte vergingen, der Glanz verlosch, die Gilde, für die das Geistliche die natürliche Mitte Macht der Hanse versank, doch die Schiffahrt war, ein gewaltiger Umbruch, zumal Johannes blieb, der Hafen und die Seeleute! Bugenhagens Kirchenordnung vom Jahre 1530 die Es war also ein sehr weiter Weg bis zu dem Vermögen der vielfältigen Stiftungen in der Spätherbstabend des Jahres 1904, da man in der Hauptarmenkasse zusammenfkaßte. Die Nikolaus- Schiffergesellschakt nach einem Vortrag eines gilde konnte ihr Vermögen bewahren. Sie schloß Stettiner Pastors beschlok, in der Hafenstraße 20 a sich mit der St. Annen-Bruderschaft, der nur ein Seemannsheim einzurichten, d. h. ein Schreib- Schiffsleute angehörten, zur Schiffergesellschaft zu. und Lesezimmer. Bald genügte der Platz nicht Fammen und bildete nun mit dieser eine sich weit- mehr und man Z0g nach dem Hause Hafen- hin säkular verstehende Gemeinschaft. Fürbitte straße 22 b um. Da es jedoch an den dringend und Gebet kür die Schiffahrt waren nun Sache von benötigten Schlafgelegenheiten fehlte, wurde ein St. Jakobi. Damit blieb natürlich die alte hansische Neubag geplant und an der Untertrave errichtet. streng bewahrte Tradition bestehen, dak auf jedem 30 Betten standen in Schlafsälen zur Verfügung. die Handelsflotte begleitenden Kriegsschiff ein Das war ein gutes Jahr vor dem Ersten Welt- 1 54
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