Full text: Lübeckische Blätter. 1966 (126)

Veröffentlichungen von eigenen Beobachtungen aus Unter den Arzten Lübecks aus der ersten Hälfte der Anatomie, Chirurgie und Medizin legte er im des vorigen Jahrhunderts wollen wir hier zwei er- Jahre 1772 eine von dem schwedischen Chirurgen wähnen, die für die Kultur- wie die Mledizinge- Olof von A crel geschriebene Sammlung von schichte der Stadt zugleich im Hinblick auf deren chirurgischen Fällen aus dem Serafimer-Lazarett, Ausstrahlung nach Norden von nachhaltiger Be- dem damals einzigen Krankenhaus in Stockholm, in deutung gewesen sind. Es ist einmal G e or g einer deutschen Übersetzung vor. Im gleichen Jahr Heinrich Behn, der 1773 hier in Lübeck brachte er noch eine weitere schwedische Arbeit als Sohn des Rektors des Katharineums zur Welt in deutscher Sprache heraus, nämlich die Schrift kam. Er studierte in Jena, Wien, Berlin, Kopen- von David von Schulzenh eim „Wie man hagen und Paris und ließ sich dann in seiner allen Arten von Friesel vorbeugen und sie heilen Vaterstadt nieder. Fünf Jahrzehnte lang hat er kann.“ Ob nun Zacharias Vo g el selbst über ärztliche Praxis ausgeübt. Sein Name lebt weiter so gute schwedische Sprachkenntnisse verfügt hat, in dem 1823 von ihm erworbenen prächtigen Haus daß diese Ubersetzungen wirklich sein eigenes in der Königstraße, das seinen Namen trägt und Werk sind, oder ob er sich der sprachkundigen heute die eindrucksvolle Sammlung neuerer Kunst Hilfe von Nichtärzten bedienen mußte, läßt sich beherbergt, die Besucher von weit her anzieht. nicht klären. Wenn von anderer Seite seine Schrif- L. e ten einer abfälligen Kritik unterzogen wurden, Dieses Haus imStil des französischenKlassizismus, gerade im Hinblick auf die Güte der Übersetzungen, das in den achtziger Jahren des 18. Jahrhunderts so brauchen diese Bemerkungen doch nicht allza gebaut worden ist, hat fraglos oft auch die Lübecker ernst genommen zu werden. Es handelt sich nämlich Ärzte in seinen Räumen gesehen, die sich anfangs bei diesem Kritiker um einen in Schweden ge- im Rahmen ihres Vereins zu den Sitzungen jeweils borenenGöttinger Professor der Medizin, Joh ann in den Wohnungen eines der Kollegen zu treffen Andreas Murray , der aus seinen engen per- pflegten. Man erschien im Frack, gegen 8 Uhr sönlichen und familiären Beziehungen zu Schweden abends, war nicht immer pünktlich, nahm gegen eine Art Privileg für die Übertragung schwedischer 10 Uhr ein Essen mit 2 Gängen ein, trank Rot- medizinischer Werke ins Deutsche herleitete. Zwei- und Weißwein und vor dem Hause bzw. in der fellos hat er auf diesem Gebiet auch Enormes ge- Diele pflegte eine Kutsche in Bereitschaft zu stehen, leistet, seine abfällige Kritik an Zacharias um einen der Herren im Bedarfsfalle zu Patienten V o g el aber hält einer objektiven Überprüfung fahren zu können. So wurde es bis zum Jahre 1877 nicht stand. Leider sind über Zacharias gehalten. Nunmehr mußten infolge der schon we- V o g el und seine Beziehungen zu Schweden nur sentlich größeren Mitgliederzahl die Sitzungen in wenige weitere Zeugnisse vorhanden. Wir wissen, ein Hotel verlegt werden. Seit dem Jahre 1892 hat dak er 1769 als auswärtiges Mitglied in die der Arzteverein dann seine Sitzungen in den Räu- königliche Akademie der Wissenschaften in Stock- men der „Gemeinnützigen Gesellschaft“ abgehalten. holm gewählt wurde, und sein Wirken in Deutsch- land durch Aufnahme als Mitglied i die Lai Der Name des anderen Arztes, der aus der ersten Üthe icopaldiaice kara iccht t ie der Na. Hälfte des vorigen Jahrhunderts erwähnt erden turforscher anerkannt wurd ce. cer Na muß, führt in die Frühgeschichte des Spezialarzt- “ tums. Eine der ersten deutschen Fachkliniken für Das 19. Jahrhundert entwickelte neue Formen Orthopädie ist hier in Lübeck im Jahre 1817 durch der Beziehungen von Arzten zueinander. und die Mathias Ludwig Leitho ff eröffnet wor- Schnelligkeit ihrer Entwicklung entspricht durch- den. Leitho f fs Ruf reichte weit über Lübeck aus dem gewaltigen Auftrieb, den die Medizin vor hinaus, und nicht nur aus Deutschland, auch aus allem seit der Mitte des vorigen Jahrhunderts im Skandinavien wurden Patienten zu ihm gebracht, Zeichen ihrer naturwissenschaftlichen Durchdrin- die unter seiner kürsorglichen Behandlung Hllfe gung genommen hat. Es ist die Zeit der wissen- gefunden haben. schaftlichen Zeitschriften, der Vereine und Kon- gresse, das Jahrhundert, in dem die Erde sich zum Der aufmerksame Besucher der Kunstsammlungen ersten Mal durch das sich immer enger knüpfende im Behnhaus wird durch das schöne Gruppenbild Netz der Eisenbahnverbindungen in einer Weise „Die vier Kinder Dr. I.indes“: von Edvard verkleinert hat, die nur noch eine Parallele in der Munch auf eine Beziehung aufmerksam gemacht, Entwicklung des Luftverkehrs in unserer Gene- die für diesen norwegischen Maler und seine An- ration findet. Die Lübecker medizinische Lokal- erkennung von entscheidender Bedeutung gewesen geschichte hat als besonders EN Der Lübecker Augenarzt Max Linde, der eignis die Gründung ihres ärztlichen Vereins im 1862 in dieser Stadt zur Welt kam, hat im Laufe Jahre 1809 zu verzeichnen, des ältesten deutschen seines Lebens eine glänzende Kunstsammlung er- Arx tevereins. Seine Geschichte ist ein seit dieser worben und in seltener Weise großzügige private Zeit getreuer Spiegel des medizinischen Lebens Kunstpflege betrieben. In se ol ese r E d - dieser §tact. v ar d M un c h von 1902 bis 1907 wiederholt. frei 118
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