Full text: Lübeckische Blätter. 1966 (126)

Lesekreis : 31. März 1966, 16.30 Uhr, Plönniesr lung, die schematische Charakterisierung der Per- straße 13, bei Frau Peter sonen und auch – beim ,Geizigen“ ~ über den L d: 5505.00 zus. Liszucch Rurenbiick: Grän cht tick 1is necpckt tanischer Nobile und Vater von Valeère und Mar- Das dreißBigste Jahr. rianne entpuppt. Unter Mördern und Irren. dtv. Wie anders auf der Bühne! Harpagon verdirbt GESE| durch seinen Geiz, der ihn als eine verzehrende Leidenschaft beherrscht, die Gesellschaft, in der er lebt. Er zwingt alle, die um ihn sind, zum Lügen Theater und Musik und Betrügen, zum Stehlen, zu falschen Anklagen, kurz zu jeder menschlichen Gemeinneit. T. VAM-Konzert: Klavierabend Christoph Lieske Das könnte als tragischer Kern in der Entwick- Mit seinem bravourösen Petruschka-Beitrasg im lung dieses Stückes dienen, wenn Molitere es nicht vorjährigen Konzert junger Künstler hatte Chri- verstünde, seine Komödie in das Gewand eines stoph Lieske starkes Interesse an einem eigenen gewiß nicht lustigen, aber heiteren Humors zu klei- rat: Klavierabend ausgelöst. Dem VdM ist es senr zu dien, der alles versteht, und wenn er nicht mit Hilfe erl: danken, daß er dem jungen Pianisten diese Chance ganz einfacher, wenn auch die Grenze des Glaub- so bald schon einräumte; und Christoph Lieske hat würdigen streifender Erfindungen die Handlung zu ste] sie überzeugend und mitreißend wahrgenommen. Er einem gutenEnde brächte, zu einem Ende, das nichtnur s begann mit Mozarts B-Dur-Sonate KV 570, im fkfür die beiden jungen Paare erfreulich ist, sondern Et Tempo klassisch gebändigt, aber gezielt auf die spä- auch für Harpagon selbst; hat er doch seine geliebte : teren figurativen Entfaltungen berechnet, die sich in Kassette wieder und darüber hinaus die beglückende z! präziser Raschheit darstellten; schön und frei amend CGewißheit, daß Anselme für die Hochzeitskosten und *; schwangen die gepflegt artikulierten Melodien und die Gebühren für den Kommissar aufkommen wird, xo: begleitenden Tonreihen aus. Hier war alles bis ins daß er autf jede Mitgift verzichtet und Harpagons E kleinste geformt und klang doch wie natürlich ger Hochzeitsgewand bezahlen wird. oh) wachsen. Kleinere Spielfehler, die auch später im Der Dichter liebt es, Personen ungesenen von gn Programm auftraten, waren bei solcher reifen Ger gden andern Schauspielern auftreten und Worte der ist samtanlage unerheblich. ~ Lieskes Beethoven-Interr auf der Bühne Agierenden hören zu lassen, er liebt hs pretation (Sonate Es-Dur op. 31,3) überraschte ser das Beiseitesprechen, das nicht oder nur halb ver- rade nach diesem feinfühlisen Mozart-Spiel durch gtanden wird. Solch klassischen Mitteln der Thea- unerwartete Überzeichnungen. Man hörte das Werk, tralik wird das Bühnenbild Rolf Christian - zu: strzzrn szitsn m Beglnz uu. Femer rau f en s sehr gerecht. Aus dem weiten Raum gts sz: § - und Mlittel d chwi ich ei i é § Deutung verwehren müßte, über alle Sätze – aus- r Uns sgt. ss sctoxingt sie eme y or y im At genommen den 3. ~ immer wieder aus ungemäßer re Lpre . . mm Bs 72! un zer § üt Sturm- und Drang-Haltung gedeutet, entweder (im Ms §grunce F Leser U snraum si d sich Bi 1. Satz) dynamisch oder (im Scherzo und Finale) vom zy Slickke p Zutrutreten unc ahrusgehen uncl P1 Temps har ü T Ö ! gen. In der schmutzigen graurschwärzlichen URC ; r§ Bf tier wehr gie Virtus. e N:: Raumes spiegelt sich der schäbige Geiz p! ganzen überzeugte. Beides fand sich danach. in h ; ke Bartoks Sonate von 1926, wieder zusammen; de . CG is elh er Schweitzer hielt die Handlung j V Ecksätze zündeten in der rhythmisch vitalen, zu. in schwungvoller Bewegung und überzog sogar ein dj packenden Darstellung weit mehr als der komposi- wenig das unruhige Hin und Her, aber nicht zum torisch unergiebige, vage Mittelsatz. Schaden des Stückes. Herrlich, wie er die Szene, die Lieskes weitaus nachhaltigste Leistung war auch Uf dem mehrfach wiederholten „ohne Mitgift!“ auf- s in diesem Konzert wieder die Gestaltung eines Sebaut ist, in lebendiger Bewegung gab. Z Werkes musikalischer Illustration. Auch wenn man Joachim Wichmann, war ausgezeichnet Ravels Instrumentierung von Moussorgskys „Bildern als Harpagon. Er wußte nicht nur die alles einer Ausstellung“ gegen den Entstehungshergang beherrschende ERigenschaft des alten Mannes im als das Primäre und nahezu schon Vertrautere im Spiel sichtbar zu machen; unheimlich war er im Ohr hat und die impressionistische Orchesterfarbig- 4. Akt, als er durch eine infame Heuchelei seinen keit in den Klavierklang zurückhört, so wurde man Sohn zu täuschen vermag. Hier kam ein geradezu dem Ursprünglichen durch diese Leistung erneut ger satanischer Zug in sein Spiel. Elise wurde von wonnen. Wie Lieske das Werk groß in den Saal Reinhild Solf mit einer trotz aller Nöte immer stellte, aber zugeich Miniaturen malte, wie er die wieder durchbrechenden Heiterkeit als ein auch in stofflichen Bereiche voneinander abhob, durch seine seiner Erscheinung liebliches Mädchen und Marianne auch vorher schon geübten Meditierpausen zwischen von Dag mar Lauren s in zarter Zurückhaltung den Sätzen äußerlich betonend, was innen auseinan- Vorzüglich gestaltet. Inr war immer die drückende derrückte, wie er mit unerschöptlichen klanglichen Ärmlichkeit ihrer bisherigen Existenz anzumerken. pte die jeweilige Atmosphäre traf, das Visuelle Gerd Böckmann und Folk er Bohnet, viel- Üszes EUssrrzigers unc das nachdenkliche Inner- versprechender Nachwuchs unserer Bühne, spielten n ü Betrachters optisch kaßbar machte – das mit eleganter Raffinesse Cléante und Valere, die yz: große Kunst. Man entließ den gefeierten Piani- Liebhaber der beiden jungen Damen. Eine treffende sten erst nach drei Zugaben. und sich von der Versuchung, die Rolle zu über- Dr. Klaus Matthias zienen, fernhaltende Verkörperung der gewinnsüch- tigen, doch auch gutmütigen Kupplerin Frosine Molière, Der Geizige [ I E? n e ! ar witz zu verdanken. Günt §§ V Der Text von Molières Komödie ist eine Partitur. ? sz Y e sfarro kr altun : § Lr Fe. liest, sollte versuchen, dabei die Aufgabe messen; gut auch Bernd W urm als Cléantes TcIe sui sÔur.. / übergetungu: denz Uissss und die Diener La Flèéche. Auch die kleinen Rollen waren . Mel sr Feui sinä Wolidres Komödien .. der ausgezeichneten Auf- liest, erschrickt geradezu über die LZ Oe t x§ mz Ly. Teilnahme und dankte ihr durch] J8
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