Full text: Lübeckische Blätter. 1965 (125)

1. den Tierpark in städtische Regie übernehmen, deutlich über die Kräfte unserer Stadt geht, auf- d. h. mit großem, noch unübersehbarem, sicher- zugeben, zum Wohle der Tiere und sicherlich lich aber über der Millionengrenze liegendem nur mäßigen Schmerz der Bevölkerung unserer Kostenaufwand sanieren und nach modernen Stadt. Die Spenden, die die LN-Aktion bisher tiergärtnerischen Gesichtspunkten umgestalten erbracht hat, könnten sicherlich für viele andere will, oder ob Zwecke verwendet werden, die notleidenden * das laienhafte, unwürdige Provisorium, für das Tieren oder der Erholung der Großstadtbevölke- Lotte Walther und die ,„Tierpark-Gesellschaft“ rung dienen. in gleicher Weise verantwortlich sind, mit städtischer Billigung und Unterstützung weiter- Auf jeden Fall sollte die Bürgerschaft eine klare, bestehen soll, oder ob man unmißverständliche Entscheidung treffen, die dem nicht Wege finden sollte, das ganze Tierparke seit Jahren dauernden Provisorium so bald wie Projekt, dessen überzeugende Verwirklichung so möglich ein Ende macht. Peter Henschel Mitteilung aus Lambarene Am 4. September 1965, wenige Minuten vor der Philosophie zu widmen. In der Kaiser-Wilhelm- Mitternacht, verstarb Dr. Albert Schweitzer, er wurde Gedächtniskirche durfte er regelmäßig auf der Orgel auf dem kleinen Hospitalfriedhok am Ogowe-Fluß üben und ab und zu die Gemeinde im Gottesdienst an der Seite seiner Frau beigesetzt. Was uns bleibt, begleiten. Die akademische Welt lernte er im Hause ist Lambarene mit seinen 450 Kranken und dem der Witwe des früheren Erziehers Kaiser Friedrichs, dazugehörigen Lepradorfk ~ und die Erinnerung an des Archäologen und Katharineers Ernst Curtius, ein Leben, das man nicht so schnell vergessen kennen. Das geistige Leben Berlins prägte ihn sollte. „Denn der Reichtum der Welt besteht in stärker als später Paris! Seine Dissertation „Die ihren originellen Menschen. Durch diese und deren Religionsphilosophie Kants“ legte es eigentlich nahe, Werke“, so hat es einmal Thomas Carlyle gesagt, sich in der philosophischen Fakultät als Privat- „ist sie eben eine Welt und nicht eine Wüste“. dozent zu habilitieren. Doch er wollte lieber Er wurde am 14. Januar 1875 zu Kaysersberg im Predigen. Oberelsaß als zweites Kind eines Pfarrverwesers ge- Am 1. Dezember 1899 erhielt-er ein Ptedigttanmt: zu boren; und er war stets stolz darauf, daß Geiler von §t. Nikolai in Strakburg. Sein Monats ;. betxu Kaysersberg, des Mittelalters bedeutendster Pre- 100 'Märk: Fr - Jiehtc z:. n on r tt kurz ue diger, dem gleichen Orte entstammte. Es war nur „redisen. eine kleine Diasporagemeinde, in der sein Vater ? ts . q: amtierte. Sein Großvater war Schulmeister und Mit einer Arbeit über das Abendmahlsproblem Organist. Wenige Wochen nach seiner Geburt zog erwarb er um 1900 den Grad eines Licentiaten. Eine sein Vater nach Günsbach im Münstertal, wo nv„Skizze des Lebens Jesu“ diente ihm 1902, um sich wiederum der Vater seiner Mutter als Pfarrer ger als Privatdozent zu habilitieren. Im SS 1902 begann wirkt hatte. Mit seinen drei Schwestern und einem cer seine Vorlesungen mit einem Kolleg über die Bruder verlebte er eine glückliche, wohlbehütete Pastoralbrieke, später las er über die Leben-Jesu- Kindheit. Als er neun Jahre alt geworden war, Forschung, nebenbei vollendete er ein französisch durfte er zum ersten Male den Organisten von geschriebenes Werk über J. S. Bach; also in der Günsbach im Gottesdienst vertreten. Sprache, die er nie als Muttersprache empfunden c.. . E B Mühlhausen und damit in die strenge Zucht eines Ersgtzung . .' -. dort als Rektor lebenden Großonkels. In Prima Y Gut und Böse‘. Von uyerhörter schöptcrischer hatte er in Griechisch und Latein den ausgezeich- Kraft setrichen entstand neben diesen Aufgaben neten Direktor des Gymnasiums, es war Wilhelm eine Studie über den Orgelbau. Deecke aus Lübeck! Ende Oktober 1893 bezog er Am 13. Oktober 1905 warf er in einen Postkasten die damals in voller Blüte stehende Straßburger der Avenue de la Grande Armée in Paris einen Universität. Seine ersten und eindrücklichsten Uni- Brief an seine Eltern, in dem er diesen in seiner versitätslehrer waren der Theologe Julius Holtz- unvergleichlich schönen, zierlichen Handschrift mit- mann und der Philosoph Wilhelm Windelband. teilte, daß er im Herbst 1905 mit dem Studium der Er wohnte im Studienstift bei St. Thomas. 18994 Medizin beginnen wolle. Es gab manche Beweg- mußte er sein Studium unterbrechen, da er seinen gründe für diesen überraschenden Entschluß. Be- Mllitärdienst abzuleisten hatte. In den folgenden sonders waren es die Worte Jesu, die ihn nicht Studienjahren beschäftigte er sich besonders mit wieder los ließen: ... und wer sein Leben verliert dem Problem des Lebens Jesu. 1898 legte er seine um meinetwillen, der wird’s finden. Er wollte un- erste theologische Prüfung ab. Im Sommer 1899 mittelbar menschlich dienen. In Europa erschien ihm begab er sich dann nach Berlin, um sich besonders alles sozial zu festgefügt. Ein Artikel des Leiters 292
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